Sicherheit draußen: wer warnt, ab wann — und was davon belegt ist

Warnstufen des DWD, Gefühlte Temperatur, UV-Index, FSME-Karte des RKI und die Rechtskette des Notrufs — jede Schwelle mit Fundstelle, jede Lücke benannt.

15 Artikel etwa 156 Min Lesezeit Aktualisiert 8. September 2026

Draußen geht selten alles schief auf einmal. Was passiert, ist banaler: Der Himmel wird dunkel und man weiß nicht, ob das reicht, um umzukehren. Es ist heiß und man weiß nicht, ab wann das ein Problem ist. Eine Zecke sitzt im Kniegelenk und man erinnert sich an drei widersprüchliche Ratschläge. Oder jemand stürzt, und das Telefon zeigt einen Balken.

In allen vier Fällen gibt es Zahlen. Sie stehen nur nicht dort, wo man sie sucht — sondern in den Warnkriterien des Deutschen Wetterdienstes, im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts und in einer Rechtsverordnung über Notrufverbindungen.

Dieser Themenbereich sammelt sie und schreibt zu jeder dazu, wer sie veröffentlicht hat. Das ist keine Förmlichkeit: Bei mehreren der bekanntesten Outdoor-Regeln stellt sich genau daran heraus, dass es sie amtlich gar nicht gibt — oder dass zwei staatliche Wetterdienste Gegenteiliges empfehlen.

Die vier Warnstufen des Deutschen Wetterdienstes

Der DWD warnt in vier Stufen, und jede hat eine Farbe, eine Lagebeschreibung und einen Hinweis zum Verhalten. Die Stufe sagt nichts über das Wetterelement — dieselbe Stufe 3 kann ein schweres Gewitter, extremes Glatteis oder starkes Tauwetter bedeuten.

StufeBezeichnungFarbeLage nach DWD
1Amtliche WarnungGelbDie erwartete Wetterentwicklung ist nicht ungewöhnlich, trotzdem können wetterbedingt Gefährdungen auftreten.
2Amtliche Warnung vor markantem WetterOrangeDie erwartete Wetterentwicklung ist nicht ungewöhnlich, aber gefährlich. Es können vereinzelt oder örtlich Schäden auftreten.
3Amtliche UnwetterwarnungRotDie erwartete Wetterentwicklung ist sehr gefährlich. Es können verbreitet Schäden durch das Wetter auftreten.
4Amtliche Warnung vor extremem UnwetterViolettDie erwartete Wetterentwicklung ist extrem gefährlich. Es können lebensbedrohliche Situationen entstehen und große Schäden und Zerstörungen auftreten. Häufig sind dabei größere Gebiete betroffen.

Daneben steht die Vorabinformation Unwetter (schraffiert dargestellt). Sie ist keine fünfte Stufe und liegt auch nicht zwischen zweien: Eine sehr gefährliche oder sogar extrem gefährliche Wetterentwicklung ist erkennbar und möglich, Gebiet, Zeit und Intensität aber noch nicht hinreichend gesichert. Welche Schwellenwerte hinter den Stufen stehen, steht in Warnstufen und Warnkriterien des DWD — dort auch die vollständige Tabelle aller zwölf Wetterelemente.

Warum Hitze in dieser Skala fehlt und trotzdem gewarnt wird

Weil das Hitzewarnsystem zweistufig ist und die Stufen 1 und 3 nur aus technischen Gründen belegt. Der DWD schreibt das selbst dazu. Gewarnt wird nicht nach Lufttemperatur, sondern nach Gefühlter Temperatur — ab etwa 32 °C bei zusätzlich schlechter nächtlicher Abkühlung, ab 38 °C ohne diese Bedingung.

Die Gefühlte Temperatur ist eine eigene Größe mit einer eigenen Skala, und sie reicht in beide Richtungen:

Gefühlte TemperaturThermisches EmpfindenGesundheitliche Gefährdung
über 38 °Csehr heißsehr hoch
32 bis 38 °Cheißhoch
26 bis 32 °Cwarmmittel
20 bis 26 °Cleicht warmgering
0 bis 20 °Cbehaglichkeine
−13 bis 0 °Cleicht kühlgering
−26 bis −13 °Ckühlmittel
−39 bis −26 °Ckalthoch
unter −39 °Csehr kaltsehr hoch

Sie ist nicht der Windchill. Beide heißen umgangssprachlich „gefühlte Temperatur“, beide geben eine Zahl in Grad aus, und sie meinen Verschiedenes. Woran das liegt, steht in Gefühlte Temperatur und Windchill; die Kältephysik selbst mitsamt der Windchill-Gleichung von 2001 steht im Themenbereich Winter draußen.

Wo die Gewitterregeln auseinandergehen

Es gibt drei amtliche Positionen zu der Frage, wann man bei Gewitter Schutz suchen soll — und sie sind nicht deckungsgleich.

WerSchwelleEntsprichtAussage
Deutscher Wetterdienst (Broschüre 2024)weniger als neun Sekunden zwischen Blitz und Donnerrund 3 kmdringend Schutz suchen
Deutscher Wetterdienst (Handlungsempfehlungen, Ereignis-ID 90 bis 93)keine EntfernungsangabeAufenthalt im Freien vermeiden oder Schutz suchen, Gewässer meiden
National Weather Service (USA)sobald Donner hörbar istbis zu etwa 18 kmsofort einen sicheren Ort aufsuchen; erst 30 Minuten nach dem letzten Donner zurück

Die Entfernungsformel selbst — Sekunden zählen, durch drei teilen — ist belegt, und zwar vom DWD gleich zweimal. Was daraus nicht folgt, ist eine Entfernung, ab der man draußen sicher wäre. Das ist der Gegenstand von Blitz, Donner und die Sekundenregel. Beim Verhalten im Freien widersprechen sich der DWD und der US-amerikanische National Weather Service dann offen — nachzulesen in Was bei Gewitter zu tun ist.

Was ein FSME-Risikogebiet aussagt und was nicht

Es sagt etwas über einen Landkreis und nichts über die Wiese, auf der du stehst. Nach der Definition des Robert Koch-Instituts wird ein Kreis ausgewiesen, wenn die Zahl der gemeldeten Erkrankungen in mindestens einem Fünfjahreszeitraum seit 2002 statistisch signifikant über der Fallzahl liegt, die bei einer Inzidenz von einer Erkrankung je 100 000 Einwohner zu erwarten wäre — im Kreis oder in der Kreisregion aus Kreis plus allen Nachbarkreisen.

Die aktuelle Ausweisung
Ausgabe
Epidemiologisches Bulletin 9/2026 Erschienen am 26.2.2026; Stand der Karte: Januar 2026.
Ausgewiesene Kreise
185 Neu hinzugekommen: LK Nordsachsen (Sachsen) und SK Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt).
Ersetzt
die Karte der Risikogebiete vom Februar 2025 Die Karte wird jährlich neu veröffentlicht — meist im Februar.

Fundstelle: Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 9/2026 vom 26.02.2026

Das RKI benennt die Grenzen dieser Karte selbst, und die sind für eine Tourenplanung wichtiger als die Farbe des Landkreises. Sie stehen in FSME-Risikogebiete lesen, die Zahlen zum einzelnen Stich und der Wortlaut zum Entfernen in Zeckenstich: was das RKI sagt.

Was beim Notruf 112 rechtlich garantiert ist

Mehr, als die meisten annehmen — und an einer Stelle weniger. Garantiert sind Unentgeltlichkeit, Vorrang vor anderen Verbindungen, Weiterleitung an die örtlich zuständige Leitstelle und die Übermittlung von Rufnummer und Standortdaten. Nicht garantiert ist ein Notruf ohne Mobilfunkkarte: Den verbietet die Verordnung über Notrufverbindungen ausdrücklich.

Die vollständige Kette steht in Notruf 112: was das Gesetz zusichert. Die Fälle, in denen Leute glauben, es gehe trotzdem — kein Empfang, fremdes Netz, leeres Prepaid-Guthaben, keine SIM —, klärt Notruf ohne eigenes Netz. Und wie genau die Leitstelle weiß, wo du bist, steht in Wie die Leitstelle deinen Standort bekommt.

Wann Ausrüstung rechtlich Schutzausrüstung ist

Wenn sie gegen eines der Risiken schützen soll, die Anhang I der Verordnung (EU) 2016/425 aufzählt — und die Kategorie entscheidet dann darüber, ob je eine Prüfstelle beteiligt war. Eine Regenjacke fällt unter „Witterungs­bedingungen, die nicht von extremer Art sind“ und damit in die niedrigste Kategorie mit interner Fertigungskontrolle. Ein Klettergurt fällt unter „Stürze aus der Höhe“ und damit in die höchste.

Diese Einteilung ist kein Papierkram: Sie erklärt, warum hinter manchen CE-Zeichen eine vierstellige Zahl steht und hinter anderen nicht, und sie entscheidet über die Ausnahme von der PFHxA-Beschränkung, die ab Oktober 2026 greift. Beides in Wann Ausrüstung Schutzausrüstung ist.

Was in diesem Themenbereich bewusst fehlt

Skitouren und Lawinen. Klettertechnik. Beides ist sicherheitskritisch, beides verlangt eigene Praxis und eine eigene Normlage — und beides würde hier zu Recherche-Content ohne Deckung. Ebenso fehlen Behandlungsanleitungen: Was bei Unterkühlung medizinisch gilt, steht mit Fundstelle aus den Leitlinien des European Resuscitation Council in Unterkühlung erkennen — auch dort beschreibend und ohne Handlungsanweisung.

Und es fehlt alles, was sich nicht belegen ließ. Die Liste dazu ist lang genug, dass sie in den einzelnen Artikeln steht: keine Trinkmenge in Litern je Stunde, keine Zahl der Blitzunfälle in Deutschland, kein Erkrankungsrisiko nach einem einzelnen Zeckenstich, keine deutsche Fundstelle für die 30-30-Regel.

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