Ab wann der DWD vor Hitze warnt — und warum die Nacht mitzählt
32 °C Gefühlte Temperatur plus schlechte nächtliche Auskühlung, 38 °C ohne Zusatz, 36 °C für ältere Menschen — und was die Warnung nicht enthält.
Warnstufen des DWD, Gefühlte Temperatur, UV-Index, FSME-Karte des RKI und die Rechtskette des Notrufs — jede Schwelle mit Fundstelle, jede Lücke benannt.
Draußen geht selten alles schief auf einmal. Was passiert, ist banaler: Der Himmel wird dunkel und man weiß nicht, ob das reicht, um umzukehren. Es ist heiß und man weiß nicht, ab wann das ein Problem ist. Eine Zecke sitzt im Kniegelenk und man erinnert sich an drei widersprüchliche Ratschläge. Oder jemand stürzt, und das Telefon zeigt einen Balken.
In allen vier Fällen gibt es Zahlen. Sie stehen nur nicht dort, wo man sie sucht — sondern in den Warnkriterien des Deutschen Wetterdienstes, im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts und in einer Rechtsverordnung über Notrufverbindungen.
Dieser Themenbereich sammelt sie und schreibt zu jeder dazu, wer sie veröffentlicht hat. Das ist keine Förmlichkeit: Bei mehreren der bekanntesten Outdoor-Regeln stellt sich genau daran heraus, dass es sie amtlich gar nicht gibt — oder dass zwei staatliche Wetterdienste Gegenteiliges empfehlen.
Der DWD warnt in vier Stufen, und jede hat eine Farbe, eine Lagebeschreibung und einen Hinweis zum Verhalten. Die Stufe sagt nichts über das Wetterelement — dieselbe Stufe 3 kann ein schweres Gewitter, extremes Glatteis oder starkes Tauwetter bedeuten.
| Stufe | Bezeichnung | Farbe | Lage nach DWD |
|---|---|---|---|
| 1 | Amtliche Warnung | Gelb | Die erwartete Wetterentwicklung ist nicht ungewöhnlich, trotzdem können wetterbedingt Gefährdungen auftreten. |
| 2 | Amtliche Warnung vor markantem Wetter | Orange | Die erwartete Wetterentwicklung ist nicht ungewöhnlich, aber gefährlich. Es können vereinzelt oder örtlich Schäden auftreten. |
| 3 | Amtliche Unwetterwarnung | Rot | Die erwartete Wetterentwicklung ist sehr gefährlich. Es können verbreitet Schäden durch das Wetter auftreten. |
| 4 | Amtliche Warnung vor extremem Unwetter | Violett | Die erwartete Wetterentwicklung ist extrem gefährlich. Es können lebensbedrohliche Situationen entstehen und große Schäden und Zerstörungen auftreten. Häufig sind dabei größere Gebiete betroffen. |
Daneben steht die Vorabinformation Unwetter (schraffiert dargestellt). Sie ist keine fünfte Stufe und liegt auch nicht zwischen zweien: Eine sehr gefährliche oder sogar extrem gefährliche Wetterentwicklung ist erkennbar und möglich, Gebiet, Zeit und Intensität aber noch nicht hinreichend gesichert. Welche Schwellenwerte hinter den Stufen stehen, steht in Warnstufen und Warnkriterien des DWD — dort auch die vollständige Tabelle aller zwölf Wetterelemente.
Weil das Hitzewarnsystem zweistufig ist und die Stufen 1 und 3 nur aus technischen Gründen belegt. Der DWD schreibt das selbst dazu. Gewarnt wird nicht nach Lufttemperatur, sondern nach Gefühlter Temperatur — ab etwa 32 °C bei zusätzlich schlechter nächtlicher Abkühlung, ab 38 °C ohne diese Bedingung.
Die Gefühlte Temperatur ist eine eigene Größe mit einer eigenen Skala, und sie reicht in beide Richtungen:
| Gefühlte Temperatur | Thermisches Empfinden | Gesundheitliche Gefährdung |
|---|---|---|
| über 38 °C | sehr heiß | sehr hoch |
| 32 bis 38 °C | heiß | hoch |
| 26 bis 32 °C | warm | mittel |
| 20 bis 26 °C | leicht warm | gering |
| 0 bis 20 °C | behaglich | keine |
| −13 bis 0 °C | leicht kühl | gering |
| −26 bis −13 °C | kühl | mittel |
| −39 bis −26 °C | kalt | hoch |
| unter −39 °C | sehr kalt | sehr hoch |
Sie ist nicht der Windchill. Beide heißen umgangssprachlich „gefühlte Temperatur“, beide geben eine Zahl in Grad aus, und sie meinen Verschiedenes. Woran das liegt, steht in Gefühlte Temperatur und Windchill; die Kältephysik selbst mitsamt der Windchill-Gleichung von 2001 steht im Themenbereich Winter draußen.
Es gibt drei amtliche Positionen zu der Frage, wann man bei Gewitter Schutz suchen soll — und sie sind nicht deckungsgleich.
| Wer | Schwelle | Entspricht | Aussage |
|---|---|---|---|
| Deutscher Wetterdienst (Broschüre 2024) | weniger als neun Sekunden zwischen Blitz und Donner | rund 3 km | dringend Schutz suchen |
| Deutscher Wetterdienst (Handlungsempfehlungen, Ereignis-ID 90 bis 93) | keine Entfernungsangabe | — | Aufenthalt im Freien vermeiden oder Schutz suchen, Gewässer meiden |
| National Weather Service (USA) | sobald Donner hörbar ist | bis zu etwa 18 km | sofort einen sicheren Ort aufsuchen; erst 30 Minuten nach dem letzten Donner zurück |
Die Entfernungsformel selbst — Sekunden zählen, durch drei teilen — ist belegt, und zwar vom DWD gleich zweimal. Was daraus nicht folgt, ist eine Entfernung, ab der man draußen sicher wäre. Das ist der Gegenstand von Blitz, Donner und die Sekundenregel. Beim Verhalten im Freien widersprechen sich der DWD und der US-amerikanische National Weather Service dann offen — nachzulesen in Was bei Gewitter zu tun ist.
Es sagt etwas über einen Landkreis und nichts über die Wiese, auf der du stehst. Nach der Definition des Robert Koch-Instituts wird ein Kreis ausgewiesen, wenn die Zahl der gemeldeten Erkrankungen in mindestens einem Fünfjahreszeitraum seit 2002 statistisch signifikant über der Fallzahl liegt, die bei einer Inzidenz von einer Erkrankung je 100 000 Einwohner zu erwarten wäre — im Kreis oder in der Kreisregion aus Kreis plus allen Nachbarkreisen.
Fundstelle: Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 9/2026 vom 26.02.2026
Das RKI benennt die Grenzen dieser Karte selbst, und die sind für eine Tourenplanung wichtiger als die Farbe des Landkreises. Sie stehen in FSME-Risikogebiete lesen, die Zahlen zum einzelnen Stich und der Wortlaut zum Entfernen in Zeckenstich: was das RKI sagt.
Mehr, als die meisten annehmen — und an einer Stelle weniger. Garantiert sind Unentgeltlichkeit, Vorrang vor anderen Verbindungen, Weiterleitung an die örtlich zuständige Leitstelle und die Übermittlung von Rufnummer und Standortdaten. Nicht garantiert ist ein Notruf ohne Mobilfunkkarte: Den verbietet die Verordnung über Notrufverbindungen ausdrücklich.
Die vollständige Kette steht in Notruf 112: was das Gesetz zusichert. Die Fälle, in denen Leute glauben, es gehe trotzdem — kein Empfang, fremdes Netz, leeres Prepaid-Guthaben, keine SIM —, klärt Notruf ohne eigenes Netz. Und wie genau die Leitstelle weiß, wo du bist, steht in Wie die Leitstelle deinen Standort bekommt.
Wenn sie gegen eines der Risiken schützen soll, die Anhang I der Verordnung (EU) 2016/425 aufzählt — und die Kategorie entscheidet dann darüber, ob je eine Prüfstelle beteiligt war. Eine Regenjacke fällt unter „Witterungsbedingungen, die nicht von extremer Art sind“ und damit in die niedrigste Kategorie mit interner Fertigungskontrolle. Ein Klettergurt fällt unter „Stürze aus der Höhe“ und damit in die höchste.
Diese Einteilung ist kein Papierkram: Sie erklärt, warum hinter manchen CE-Zeichen eine vierstellige Zahl steht und hinter anderen nicht, und sie entscheidet über die Ausnahme von der PFHxA-Beschränkung, die ab Oktober 2026 greift. Beides in Wann Ausrüstung Schutzausrüstung ist.
Skitouren und Lawinen. Klettertechnik. Beides ist sicherheitskritisch, beides verlangt eigene Praxis und eine eigene Normlage — und beides würde hier zu Recherche-Content ohne Deckung. Ebenso fehlen Behandlungsanleitungen: Was bei Unterkühlung medizinisch gilt, steht mit Fundstelle aus den Leitlinien des European Resuscitation Council in Unterkühlung erkennen — auch dort beschreibend und ohne Handlungsanweisung.
Und es fehlt alles, was sich nicht belegen ließ. Die Liste dazu ist lang genug, dass sie in den einzelnen Artikeln steht: keine Trinkmenge in Litern je Stunde, keine Zahl der Blitzunfälle in Deutschland, kein Erkrankungsrisiko nach einem einzelnen Zeckenstich, keine deutsche Fundstelle für die 30-30-Regel.
32 °C Gefühlte Temperatur plus schlechte nächtliche Auskühlung, 38 °C ohne Zusatz, 36 °C für ältere Menschen — und was die Warnung nicht enthält.
Sekunden zählen, durch drei teilen: Das steht wörtlich beim DWD. Die 30-30-Regel dagegen nicht — und eine sichere Entfernung nennt keine Quelle.
Die Skala der WHO, +10 bis 12 % je 1000 m Höhe, bis zu 80 % Reflexion durch Neuschnee — und warum der DWD vor dem Ungewohnten warnt, nicht vor dem Hohen.
Direkter Treffer, Seitenüberschlag, Erdstrom, Leitung, Fangentladung — und warum der Erdstrom laut National Weather Service die meisten Menschen tötet.
185 Kreise, eine statistische Definition und drei Grenzen, die das RKI selbst nennt — und warum die Farbe des Landkreises nichts über deinen Weg sagt.
Der DWD rechnet mit dem Klima-Michel-Modell, der Windchill mit einem Zylinder in Wangenhöhe. Was jede Zahl einschließt — und was nicht.
Unentgeltlich, ohne Zahlungsmittel, vorrangig vor anderen Verbindungen, mit Rufnummer und Standort. Die Kette aus TKG, NotrufV und EU-Recht mit Fundstelle.
§ 4 Absatz 8 NotrufV beantwortet vier verbreitete Annahmen: Die 112 roamt in fremde Netze, die 110 nicht, und ohne SIM ist der Notruf unzulässig.
Sieben verbreitete Vorkehrungen, die nicht halten, was sie versprechen — vom Notfallhandy ohne SIM bis zur dickeren Jacke. Jede mit Fundstelle.
Anhang I der VO (EU) 2016/425 teilt Risiken in drei Kategorien. Davon hängen Prüfstelle, CE-Kennnummer und die Ausnahme von der PFHxA-Beschränkung ab.
Gelb, Orange, Rot, Violett — und dahinter veröffentlichte Zahlen. Alle zwölf Wetterelemente mit ihren Schwellenwerten, und warum Nebel nur eine Stufe hat.
Der DWD empfiehlt die Hocke in der Bodenmulde, der National Weather Service hält sie für wirkungslos. Beide Wortlaute und die gemeinsame Grundlage.
Funkzelle mit rund 1,75 km Radius gegen bis zu 5 m aus dem Gerät — und die fünf Grenzen, die in der ETSI-Spezifikation zu AML selbst stehen.
Cell Broadcast steht in § 164a TKG und erreicht jedes Endgerät im Warngebiet — ohne App. Was die Vorschrift verlangt und wo die Wege enden.
0,1 bis 5 % der Zecken tragen FSME-Viren, 0,3 bis 1,4 % der Stiche führen zu Symptomen — und warum das RKI daraus kein Einzelrisiko ableiten will.