Eine Hitzewarnung ist die einzige amtliche Wetterwarnung in Deutschland, die sich nicht auf das Wetter draußen allein bezieht. Sie hat eine zweite Bedingung, und die betrifft die Nacht in Innenräumen.

Das ist keine Randnotiz, sondern die Grundidee des Systems: Wer nachts nicht abkühlt, verkraftet die Hitze am Tag schlechter. Für eine Tour bedeutet es, dass eine ausbleibende Warnung nicht heißt, der Tag sei harmlos.

Dieser Artikel gehört zum Themenbereich Sicherheit draußen und schließt an Gefühlte Temperatur und Windchill an — dort steht, wie die Größe zustande kommt, auf der die Schwellen beruhen.

Die beiden Schwellen und ihre Zusatzbedingungen

Sie stehen in der Kriterientabelle des DWD, aber die entscheidenden Feinheiten stehen daneben im Fließtext der Seite „Hitzewarnung“.

Hitze — Gefühlte Temperatur. Die Hitzewarnungen sind zweistufig und belegen nur aus technischen Gründen die Stufen 1 und 3 des DWD-Warnsystems.
WarnereignisSchwellenwertStufe im Warnsystem
Starke WärmebelastungGefühlte Temperatur über etwa 32 Grad C, zusätzlich nur geringe nächtliche Abkühlung1
Extreme WärmebelastungGefühlte Temperatur über 38 Grad C3
Die Schwellen im Einzelnen
Schwelle „starke Wärmebelastung“
etwa 32 °C Gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag Der Schwellenwert „kann aufgrund eines Akklimatisationseffektes bei Ereignissen im Frühsommer etwas niedriger und im Hochsommer etwas höher liegen“.
Zweites Kriterium
nächtliche Temperatur von Innenräumen Eine Hitzewarnung wird nur ausgegeben, wenn zusätzlich „eine ausreichende nächtliche Auskühlung der Wohnräume nicht mehr gewährleistet ist“.
Schwelle für ältere Menschen
ab 36 °C Gefühlte Temperatur Variabler Schwellenwert aufgrund möglicher Akklimatisation; wird im Warntext gesondert erwähnt.
Schwelle „extreme Wärmebelastung“
über 38 °C Gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag Zweite und höchste Stufe des zweistufigen Hitzewarnsystems.
Städte-Hinweis
alle Städte über 100 000 Einwohner Sinken die Innenraumtemperaturen nachts nicht unter einen Schwellenwert, weist der Warntext auf die besondere Belastung der Stadtbewohner hin.

Fundstelle: Deutscher Wetterdienst, „Hitzewarnung“, dwd.de, abgerufen am 08.09.2026

Warum eine Zahl mit „etwa“ davor steht

Weil der Körper sich an Hitze gewöhnt. Der DWD schreibt ausdrücklich, der Schwellenwert von etwa 32 °C könne „aufgrund eines Akklimatisationseffektes bei Ereignissen im Frühsommer etwas niedriger und im Hochsommer etwas höher liegen“.

Das ist die ehrlichere Formulierung als eine feste Zahl, und sie hat eine praktische Entsprechung: Der erste heiße Tag des Jahres ist der gefährlichste. Nicht weil er heißer wäre, sondern weil niemand daran gewöhnt ist. Für eine geplante Tour heißt das, dass 30 °C Mitte Mai eine andere Lage sind als 30 °C Mitte August — dieselbe Zahl, andere Ausgangslage.

Was der DWD bei Hitze empfiehlt

Drei Gruppen von Maßnahmen, von denen die erste für eine Tour die unangenehmste ist. Der Wortlaut der Handlungsempfehlungen zur Ereignis-ID 247 („Starke Wärmebelastung (Hitzewarnung)“), gekürzt auf die Punkte, die draußen anwendbar sind:

  • Gehen Sie nicht in die direkte Sonne! Achten Sie auch darauf, dass Kinder vor der Sonne geschützt sind.
  • Gehen Sie nicht in der heißesten Zeit (nachmittags) nach draußen.
  • Unterlassen Sie große Anstrengungen. Verschieben Sie körperliche Aktivitäten im Freien auf die frühen Morgenstunden.
  • Trinken Sie ausreichend und regelmäßig. An heißen Tagen ist der Flüssigkeitsbedarf deutlich erhöht.
  • Tragen Sie luftige, helle Kleidung und eine Kopfbedeckung.
  • Verzichten Sie auf Alkohol.

Die Empfehlung, große Anstrengungen zu unterlassen und körperliche Aktivität im Freien auf die frühen Morgenstunden zu verschieben, ist die einzige, die eine Tour tatsächlich verändert. Sie steht wortgleich auch in der zweiten Warnstufe.

Wie viel man trinken soll — und warum hier keine Zahl steht

Weil keine amtliche Quelle eine nennt. Der DWD schreibt: „Trinken Sie ausreichend und regelmäßig. An heißen Tagen ist der Flüssigkeitsbedarf deutlich erhöht.“ Eine Menge in Litern je Stunde, je Grad oder je Kilogramm Körpergewicht steht dort nicht — und in keiner der geprüften amtlichen Quellen.

Der DWD schreibt „Trinken Sie ausreichend und regelmäßig. An heißen Tagen ist der Flüssigkeitsbedarf deutlich erhöht.“ Eine Menge in Litern je Stunde oder je Grad nennt keine der geprüften amtlichen Quellen.

Damit bleibt für die Planung eine Größe übrig, die sich rechnen lässt: das Wasser, das man mitnimmt oder unterwegs findet. Der Brennstoff- und Wasserbedarfsrechner rechnet den Tagesbedarf aus Planungsannahmen aus und weist normierte Größen und eigene Annahmen getrennt aus — die Trinkmenge bei Hitze gehört zu den Annahmen, nicht zu den Normwerten.

Warum die Warnung städtisch gedacht ist

Weil das zweite Kriterium die Wohnung betrifft. Eine Hitzewarnung wird nur ausgegeben, wenn zusätzlich zur Tageshitze „eine ausreichende nächtliche Auskühlung der Wohnräume nicht mehr gewährleistet ist“. Der DWD begründet das mit der Schlafqualität: Bleibt die Nacht zu warm, verschlechtert sich der Schlaf, und durch diese zusätzliche Belastung wird die Hitze tagsüber schlechter verkraftet.

Dazu kommt ein eigener Hinweis für Städte über 100 000 Einwohner: Wegen des Wärmeinseleffekts bleibt es dort nachts oft wärmer als im Umland; sinken die Innenraumtemperaturen nicht unter einen Schwellenwert, weist der Warntext gesondert darauf hin.

Für draußen folgt daraus eine Umkehrung. Wer im Zelt oder unter einem Tarp schläft, hat das Innenraumproblem nicht — die Nacht kühlt aus. Zugleich fehlt die Warnung, weil ihr zweites Kriterium nicht greift. Ein Tag mit 33 °C Gefühlter Temperatur und kühler Nacht erzeugt möglicherweise keine Hitzewarnung und ist für eine Tour trotzdem der Tag, an dem man früh losgeht.

Was die Gefühlte Temperatur bei Hitze mitrechnet

Vier Dinge, die die Lufttemperatur nicht enthält: Luftfeuchte, Wind, Strahlung und die eigene Aktivität. Auf der warmen Seite ist vor allem die Feuchte entscheidend — sie bestimmt, ob Schweiß verdunsten kann. Der DWD führt „Schwüle“ deshalb als eigenes Vorhersageprodukt neben der Gefühlten Temperatur.

Die Aktivität als Eingangsgröße erklärt außerdem, warum eine Zahl aus der App für eine Tour zu niedrig sein kann: Das Klima-Michel-Modell rechnet mit einem Standardmenschen, nicht mit jemandem, der 900 Höhenmeter mit Gepäck steigt. Wie lange das dauert und wann man deshalb losgehen muss, rechnet der Tourenzeit-Rechner aus; die Systematik der Zeitplanung steht in Tourenplanung: Karte, Wetter, Wasser, Umkehrzeit.

Warum hier keine Hitzesymptome aufgezählt werden

Symptome und Behandlung. Hitzeerschöpfung und Hitzschlag sind medizinische Zustände; für sie ließ sich keine deutsche amtliche Primärquelle finden, die Warnzeichen und Vorgehen in einer zitierfähigen Form veröffentlicht. Der DWD selbst formuliert an dieser Stelle nur eine Verweisung: Wenn sich „ungewöhnliche Gesundheitsprobleme wie zum Beispiel Kreislaufbeschwerden, Kopfschmerzen oder Erbrechen“ einstellen, solle man einen Arzt kontaktieren.

Diese Seite gibt das so wieder und ergänzt es nicht. Der Grund ist derselbe wie im ganzen Themenbereich: Eine Aufzählung von Warnzeichen ohne Fundstelle wäre genau die Sorte Text, die dieser Cluster vermeiden soll.

FAQ

Warum gibt es keine UV-Warnung zusammen mit der Hitzewarnung?

Weil beide unterschiedliche Größen messen. Die Hitzewarnung hängt an der Gefühlten Temperatur, die UV-Warnung am UV-Index und seiner Abweichung vom Üblichen. Ein schwüler, bedeckter Tag kann eine Hitzewarnung auslösen und keine UV-Warnung — Näheres in Der UV-Index und was 1000 Höhenmeter daran ändern.

Gilt die Hitzewarnung auch im Wald oder am Wasser?

Die Warnung gilt für den Landkreis. Die Gefühlte Temperatur hängt aber unter anderem von der Strahlung ab, und die ist im Schatten deutlich niedriger. Der DWD selbst empfiehlt, kühlere Orte in der Nähe aufzusuchen und nennt dabei ausdrücklich schattige Plätze.

Ab wann warnt der DWD vor Kälte?

Nicht nach Gefühlter Temperatur, sondern nach Lufttemperatur: Frost unter 0 °C (Stufe 1) und strenger Frost unter −10 °C (Stufe 2), jeweils in Lagen bis 800 m. Die kalte Hälfte des thermischen Gefahrenindex erzeugt keine eigene Warnung.