Der UV-Index ist eine der wenigen Zahlen im Wetterbericht, die international dasselbe bedeuten. Er ist einheitlich definiert, die Kategorien sind seit 2002 festgelegt, und die Faktoren, die ihn verändern, sind gemessen und veröffentlicht.
Zwei dieser Faktoren sind für Touren entscheidend und werden fast immer unterschätzt: die Höhe und die Reflexion durch Schnee. Sie wirken zusammen — und zwar genau dort, wo man sie am wenigsten erwartet, nämlich an einem kalten Tag im Frühjahr.
Dieser Artikel gehört zum Themenbereich Sicherheit draußen.
Die fünf Kategorien der WHO
Sie sind der Kern des Leitfadens „Global Solar UV Index — A Practical Guide“, den die Weltgesundheitsorganisation gemeinsam mit der Weltorganisation für Meteorologie, dem UN-Umweltprogramm und der Internationalen Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung 2002 in Genf veröffentlicht hat.
| Kategorie | UV-Index | Schutz nach WHO |
|---|---|---|
| Niedrig (low) | unter 3 | keiner erforderlich |
| Mittel (moderate) | 3 bis 5 | Schutz erforderlich |
| Hoch (high) | 6 bis 7 | Schutz erforderlich |
| Sehr hoch (very high) | 8 bis 10 | zusätzlicher Schutz |
| Extrem (extreme) | 11 und mehr | zusätzlicher Schutz |
Die Skala beginnt bei null und ist nach oben offen — je höher der Wert, desto höher das Potenzial für Haut- und Augenschäden. Der entscheidende Punkt ist der Schwellenwert 3: Selbst für sehr empfindliche hellhäutige Menschen ist das Risiko kurz- und langfristiger UV-Schäden unterhalb eines UV-Index von 3 begrenzt; unter normalen Umständen sind keine Schutzmaßnahmen nötig. Oberhalb des Schwellenwerts von 3 ist Schutz notwendig.
Bei Werten von 8 und darüber ist diese Botschaft zu verstärken.Was den UV-Index verändert
Sechs Größen, von denen zwei für Touren im Gebirge und im Schnee den Unterschied machen.
- Höhe über dem Meer
- +10 % bis +12 % je 1000 m In größerer Höhe absorbiert die dünnere Atmosphäre weniger UV-Strahlung.
- Reflexion durch Neuschnee
- bis zu 80 % Frischer Schnee wirft bis zu 80 % der UV-Strahlung zurück — sie trifft dann zusätzlich von unten.
- Reflexion durch trockenen Strandsand
- etwa 15 % Deutlich weniger als Schnee, aber mehr als eine Wiese.
- Reflexion durch Gischt
- etwa 25 % Gilt für Seeschaum, nicht für ruhige Wasserflächen.
- Bewölkung
- kein verlässlicher Schutz Die höchsten Werte treten bei wolkenlosem Himmel auf, aber auch bei Bewölkung kann die UV-Strahlung hoch sein; Streuung kann sie sogar erhöhen.
Fundstelle: World Health Organization, World Meteorological Organization, United Nations Environment Programme, International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection: Global Solar UV Index — A Practical Guide, Genf 2002, Tabelle 1 und Abschnitt „Sun Protection Messages“
Der Höhenfaktor ist einfach zu rechnen und wird trotzdem selten mitgedacht: Von 500 m auf 2500 m sind es 2000 Höhenmeter, also nach der WHO-Angabe rund 20 bis 24 Prozent mehr UV-Strahlung. Aus einem UV-Index von 5 im Tal wird damit ein Wert um 6 auf dem Gipfel — eine Kategorie höher.
Die Bewölkung ist der zweite häufig missverstandene Punkt. Die WHO schreibt, die höchsten Werte träten bei wolkenlosem Himmel auf — aber auch bei Bewölkung könne die UV-Strahlung hoch sein, und Streuung könne dieselbe Wirkung haben wie Reflexion und die Gesamtstrahlung sogar erhöhen.
Was die WHO zum Schutz sagt — und in welcher Reihenfolge
Kleidung, Schatten und Hut zuerst, Sonnencreme danach. Der Leitfaden ist an dieser Stelle deutlich: Schatten, Kleidung und Hüte bieten den besten Schutz — Sonnencreme gehört auf die Teile des Körpers, die frei bleiben, etwa Gesicht und Hände.
Dazu kommt ein Satz, der oft in die falsche Richtung gelesen wird: Sonnencreme darf niemals dazu benutzt werden, die Dauer des Aufenthalts in der Sonne zu verlängern.
Die vollständige Empfehlungsliste der WHO umfasst Schatten in der Mittagszeit, Schutzkleidung, einen breitkrempigen Hut zum Schutz von Augen, Gesicht und Nacken, eine Sonnenbrille mit seitlichem Schutz, breitbandige Sonnencreme, Verzicht auf Solarien und besonderen Schutz für Säuglinge und kleine Kinder.
Warum der DWD nicht vor hohen, sondern vor ungewohnten Werten warnt
Weil die Gewöhnung eine Rolle spielt — wie bei der Hitze. Die UV-Warnung des Deutschen Wetterdienstes hat zwei Auslöser, und beide sind relativ formuliert:
| Warnereignis | Kriterium |
|---|---|
| Erhöhte UV-Intensität (für die Jahreszeit ungewohnt) | gering bewölkt und sonnenbrandwirksame UV-Strahlung in der Größenordnung von 20 % über dem Dekadenmittel und Wert des UV-Index mindestens im Bereich von 5, Frühling bis Frühsommer |
| Erhöhte UV-Intensität (für die Region absolut erhöht) | regional unterschiedliche Schwellenwerte im Bereich hoher bis sehr hoher UV-Indizes; langjährige Häufigkeit des Auftretens in der Größenordnung von 1 % der Tage |
Daraus folgt etwas Unbequemes: Im Hochsommer gibt es oft keine UV-Warnung, obwohl der UV-Index hoch ist. Denn hohe Werte sind dann nicht ungewohnt. Die Warnung greift im Frühling und Frühsommer, wenn ein Wert von 5 aus dem Rahmen fällt — nicht im Juli, wenn er zum Normalbild gehört.
Wer also nach der Warnlage entscheidet, ob Sonnenschutz nötig ist, verlässt sich auf ein Kriterium, das gar nicht dafür gedacht ist. Die Frage beantwortet der UV-Index selbst, mit dem Schwellenwert 3 aus dem WHO-Leitfaden. Wie die DWD-Warnstufen insgesamt funktionieren, steht in Warnstufen und Warnkriterien des DWD.
Was der DWD zum UV-Schutz empfiehlt
Den Wortlaut der Handlungsempfehlungen zur Ereignis-ID 246:
- Schutzmaßnahmen sind unbedingt erforderlich.
- Zwischen 11 und 16 Uhr sollten Sie längere Aufenthalte im Freien vermeiden.
- Auch im Schatten gehören ein sonnendichtes Hemd, lange Hosen, Sonnencreme (mindestens LSF 30), Sonnenbrille und ein breitkrempiger Hut zum sonnengerechten Verhalten.
Die Zeitangabe „zwischen 11 und 16 Uhr“ ist die einzige Uhrzeit, die in den geprüften Quellen zu diesem Thema vorkommt. Sie hat eine physikalische Grundlage: Der UV-Index folgt dem Sonnenstand, und außerhalb der Tropen liegen die höchsten Werte um den Sonnenhöchststand herum — also mittags im Sommer.
Für eine Tourenplanung passt das zur Empfehlung bei Hitze, körperliche Aktivität in die frühen Morgenstunden zu verlegen; beide Empfehlungen zeigen in dieselbe Richtung. Die Hitzeschwellen dazu stehen in Ab wann der DWD vor Hitze warnt, und die Zeitrechnung für einen frühen Start liefert der Tourenzeit-Rechner.
Was sich zum UV-Index nicht belegen ließ
Eine Eigenschutzzeit in Minuten je Hauttyp. Der WHO-Leitfaden arbeitet mit Hauttypen und nennt sie als Risikofaktor, gibt aber keine Minutenangabe je Hauttyp und UV-Index aus. Wer eine solche Tabelle nennt, stützt sich nicht auf diese Quelle.
Ebenfalls nicht enthalten: eine Aussage darüber, wie stark der UV-Index unter einer bestimmten Bewölkung sinkt. Die WHO nennt nur die Richtung und den Hinweis, dass Streuung ihn sogar erhöhen kann.
Und ein interessanter Nebenbefund aus dem Leitfaden selbst: Für ein gestuftes Vorgehen — erst Hut, dann Creme, dann Schatten, je nach Wert — gebe es „wenig wissenschaftliche Grundlage“. Wenn Schutz nötig sei, solle er alle Mittel umfassen. Die Abstufung sei nur insofern sinnvoll, als bei höheren Werten mehr Schutz nötig ist.
FAQ
Gilt der UV-Index auch für die Augen?
Der WHO-Leitfaden nennt neben Hautschäden ausdrücklich Wirkungen auf Auge und Immunsystem und empfiehlt eine Sonnenbrille mit seitlichem Schutz oder in Wickelform. Eine eigene Skala für die Augen gibt es nicht.
Warum ist der UV-Index im Schnee höher als angezeigt?
Weil der angezeigte Wert die Strahlung von oben beschreibt. Die Reflexion von bis zu 80 Prozent durch frischen Schnee kommt zusätzlich und aus einer anderen Richtung. Der Index selbst ändert sich dadurch nicht — die Belastung schon.
Ist der UV-Index dasselbe wie die Sonnenscheindauer?
Nein. Der Index beschreibt die sonnenbrandwirksame Bestrahlungsstärke zu einem Zeitpunkt, nicht die Dauer. Ein kurzer Aufenthalt bei Index 9 kann mehr Belastung bedeuten als ein langer bei Index 2.