Verpflegung planen: nach Gewicht, nicht nach Rezept

37 Kilojoule je Gramm sind die Obergrenze für jedes Lebensmittel. Daraus folgt, wie leicht vier Tage Verpflegung überhaupt werden können — mit Rechenweg.

4 Artikel etwa 38 Min Lesezeit Aktualisiert 30. August 2026

Verpflegungslisten im Netz zählen auf, was mitkommt. Das ist die falsche Reihenfolge: Ob eine Liste taugt, entscheidet sich nicht an den Posten, sondern an einer Zahl, die man vorher ausrechnen kann.

Diese Zahl steht in einem Rechtsakt. Anhang XIV der Lebensmittel-Informationsverordnung legt fest, mit welchen Faktoren der Brennwert eines Lebensmittels zu berechnen ist — und die höchste davon ist die Obergrenze für alles, was man tragen kann.

Die Zahl, gegen die jede Gewichtsersparnis läuft

37 Kilojoule je Gramm. Mehr trägt kein Lebensmittel, das kein Alkohol ist.

Umrechnungsfaktoren nach Anhang XIV der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, im Wortlaut
NährstoffkJ je Grammkcal je Gramm
Fett379
Ethylalkohol297
Kohlenhydrate (ohne mehrwertige Alkohole)174
Eiweiß174
Ballaststoffe82

Diese Faktoren sind nicht irgendeine Konvention — mit ihnen ist jede Nährwerttabelle auf jeder Packung in der Europäischen Union gerechnet. Wer die Angaben zweier Produkte vergleicht, vergleicht deshalb tatsächlich Vergleichbares.

Und sie ergeben eine harte Untergrenze für das Packgewicht: Bei einem angenommenen Tagesbedarf von 13 000 Kilojoule wiegt die Verpflegung selbst dann noch 351 g je Person und Tag, wenn sie aus reinem Fett bestünde. Die vollständige Herleitung steht in 37 Kilojoule je Gramm.

Was Lebensmittel tatsächlich tragen

Zwischen Pflanzenöl und einer Nassmahlzeit im Beutel liegt bei der Energiedichte der Faktor sieben — und der Unterschied heißt Wasser.

Energiedichte typischer Tourenlebensmittel, gerechnet aus angenommenen Nährstoffanteilen mit den Faktoren aus Anhang XIV
GruppekJ je GrammWasseranteilRolle im Rucksack
Pflanzenöl37,00 %Der Grenzfall. Nichts kann mehr Energie je Gramm tragen.
Nüsse und Nussmus26,35 %Die dichteste Gruppe, die man ohne Zubereitung essen kann.
Dunkle Schokolade22,01 %Hohe Dichte über Fett und Zucker zugleich; schmilzt im Sommer.
Gefriergetrocknete Fertigmahlzeit18,25 %Leicht im Beutel, braucht aber Wasser und Brennstoff am Abend.
Müsli- und Energieriegel17,110 %Praktisch portioniert; die Dichte liegt unter der von Nüssen.
Hartkäse15,936 %Trägt über ein Drittel Wasser mit — das ist der Preis für die Haltbarkeit ohne Kühlung.
Couscous, Nudeln, Reis (trocken)15,011 %Billig und haltbar, aber ohne Fettzugabe nur mittlere Dichte.
Trockenobst11,720 %Fühlt sich konzentriert an, trägt aber ein Fünftel Wasser.
Nassmahlzeit in Dose oder Beutel5,372 %Der Gegenpol: fast drei Viertel Wasser, das man den ganzen Tag trägt.

Die Nährstoffanteile hinter dieser Tabelle sind Rechenannahmen dieser Seite, keine Produktdaten — die Energiedichte wird daraus mit den Faktoren aus Anhang XIV berechnet. Wer es für ein bestimmtes Produkt genau wissen will, nimmt die Nährwerttabelle seiner Packung; sie ist nach denselben Faktoren erstellt.

Was daraus für vier Tage folgt

Zwischen der leichtesten und der schwersten realistischen Packweise liegen für zwei Personen fast acht Kilogramm.

Packgewicht der Verpflegung bei angenommenen 13 000 kJ je Person und Tag
PackweiseEnergiedichteje Person und Tag2 Personen, 4 Tage
mit Konserven und Frischware8 kJ/g1.625 g13,00 kg
gemischt, teils trocken14 kJ/g929 g7,43 kg
durchgehend trocken, mit Fettzugabe20 kJ/g650 g5,20 kg
theoretischer Grenzfall: reines Fett37 kJ/g351 g2,81 kg

Acht Kilogramm sind mehr, als Zelt, Schlafsack und Isomatte zweier Personen zusammen wiegen. Deshalb ist die Verpflegung der Posten, an dem sich Gewicht am schnellsten holen lässt — und der einzige, bei dem die Ersparnis nichts kostet außer Vorbereitung. Wie sich daraus ein Tagesplan bauen lässt, steht in Vier Tage Verpflegung.

Was diese Seite bewusst nicht tut

Sie rechnet keinen Kalorienverbrauch aus — und das ist eine Entscheidung, keine Lücke.

Wie viel Energie jemand beim Gehen umsetzt, hängt an Körpergewicht, Gepäck, Steigung, Tempo und Untergrund. Dafür gibt es im deutschsprachigen Netz bereits reichlich Rechner, und ein weiterer würde nichts hinzufügen. Die Gegenrichtung ist dagegen unbesetzt: aus einer Energiemenge ein Packgewicht zu machen. Genau das tut der Brennstoff- und Wasserbedarfsrechner.

Die Spanne, mit der er dabei arbeitet, reicht von 10.000 Kilojoule für leichte Tagestouren bis 16.000 für lange Etappen bei Kälte. Sie ist eine Planungsannahme und ersetzt keine Bedarfsermittlung; wer seine eigene Zahl kennt, setzt sie ein.

Ebenso wenig steht hier etwas über Ernährung im gesundheitlichen Sinn. Es geht um Gewicht und Energiedichte, nicht um Nährstoffziele.

Was in diesem Themenbereich noch steht

Der Unterschied zwischen gefriergetrockneter Fertigmahlzeit und selbst gemischter Trockenverpflegung ist vor allem eine Wasserrechnung — beide sind trocken im Beutel und brauchen abends Wasser, das jemand holen, aufbereiten und erhitzen muss. Was das kostet, steht in Gefriergetrocknet gegen selbst gemischt.

Und weil auf einer Vier-Tage-Tour nichts gekühlt werden kann, entscheidet der Wassergehalt nicht nur über das Gewicht, sondern auch darüber, was überhaupt mitkommen kann: Was vier Tage ohne Kühlung übersteht.

Wie viel Brennstoff das Kochen dieser Verpflegung kostet, rechnet der Themenbereich Kocher und Brennstoff aus.

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