Das brauchst du nicht: das zweite Navigationsgerät und die teurere Genauigkeit
Wofür ein zusätzliches Gerät nicht absichert, warum ein teureres nicht genauer wird und welche zwei Dinge stattdessen mitgehören.
8 Meter horizontal von GPS, 5 von Galileo, jeweils 95 Prozent: die Zusagen der Systembetreiber, ihre Ausschlüsse und was daraus im Wald wird.
„Genauigkeit: 3 Meter“ steht auf vielen Geräteverpackungen. Die Betreiber der Satellitensysteme sagen etwas anderes zu — und sie schreiben ausdrücklich dazu, was in ihrer Zusage nicht enthalten ist. Diese Ausschlussliste ist der eigentliche Inhalt dieses Themenbereichs, denn sie enthält genau die Fehler, die im Wald, in der Schlucht und am Steilhang dominieren.
Beide Betreiber veröffentlichen ihre Leistungszusagen, und beide drücken sie im 95-Prozent-Perzentil aus. „8 Meter“ heißt also: In 95 von 100 Fällen liegt der Fehler darunter.
Fundstelle: GPS SPS Performance Standard, 5. Ausgabe (April 2020), Tabelle 3.8-3; Galileo OS SDD, Issue 1.3 (2023), Tabellen 16 und 17
Die 3 Meter, die man überall liest, stehen übrigens auch im GPS-Dokument — aber an anderer Stelle und mit anderem Status: als Beobachtung, nicht als Zusage. Mit der Signalgenauigkeit von 2018 erreichten gut konstruierte Empfänger horizontal 3 Meter oder besser. Das ist der Grund, warum zwei verschiedene Zahlen kursieren — und warum keine von beiden falsch ist.
Ausführlich, mit dem Unterschied zwischen Signal- und Positionsfehler: Was GPS zusagt.
Acht Fehlerquellen, die der GPS-Standard einzeln aufzählt und die Galileo in einer Zeile zusammenfasst. Vier davon sind draußen die entscheidenden:
Fundstelle: GPS SPS Performance Standard, 5. Ausgabe, Abschnitt 2.4.5 „Excluded Errors“; Galileo OS SDD 1.3: „Propagation and user contributions excluded“
Dazu kommt die Annahme, unter der die Zusagen überhaupt gelten: ein Empfänger, der alle Satelliten oberhalb von 5 Grad über dem Horizont verfolgt — und der Standard hält im selben Absatz fest, dass örtliche Abschattung nicht berücksichtigt wird („no local obscura are considered“).
Ein Satellitenempfänger misst zunächst eine Höhe über einem Rechenellipsoid. Was auf der Karte steht, ist eine Höhe über dem amtlichen Höhenbezug — in Deutschland Normalhöhen im Normalhöhen im DHHN2016. Zwischen beiden liegt die Höhenanomalie, und die ist keine Rundungsgröße: Sie liegt in Deutschland in der Größenordnung einiger Dutzend Meter.
Das Modell, das beides ineinander überführt, heißt German Combined Quasigeoid GCG2016, Aktualisierung 2023 und wird vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie gemeinsam mit den Ländern gerechnet. Warum ein Gerät trotzdem meist die richtige Kartenhöhe anzeigt und wann nicht, steht in Höhe messen.
Karte und Kompass stehen nicht hier, sondern im Themenbereich Technik & Skills: das Einnorden der Karte, das Lesen von Koordinaten und die Missweisung sind Handgriffe, keine Geräteeigenschaften. Beides gehört zusammen — das Gerät navigiert, Karte und Kompass sind die Rückfallebene, wenn es ausfällt.
Der Strom, den die Geräte brauchen, steht im Themenbereich Energie & Licht; wie viel Powerbank eine Tour mit laufender Aufzeichnung braucht, rechnet der Wh-Bedarfsrechner.
Der Notruf steht im Themenbereich Sicherheit draußen — dort auch, wie die Leitstelle den Standort bekommt und was ohne Netz noch geht.
Wofür ein zusätzliches Gerät nicht absichert, warum ein teureres nicht genauer wird und welche zwei Dinge stattdessen mitgehören.
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Alle drei Betreiber nennen dieselbe Annahme von 5 Grad Maskenwinkel und schließen dieselben Nutzerfehler aus. Was der Mehrsystemempfang wirklich bringt.
Antennenlage, Bedienbarkeit mit nassen Fingern, Ausfallverhalten bei Kälte und der Notruf: Wo die beiden auseinanderlaufen — und wo nicht.
Ein Satellitenempfänger misst über einem Rechenellipsoid, die Karte zählt ab NHN. Zwischen beiden liegt die Höhenanomalie — in Deutschland Dutzende Meter.
Dieselbe Zahl, ein anderes Bezugssystem, hunderte Meter Versatz. Was WGS 84, ETRS89 und Gauß-Krüger unterscheidet — und wann der Unterschied zählt.
Kacheln, Vektordaten oder amtliche Topografie: Der Unterschied entscheidet, was im Funkloch noch da ist — und was die Karte überhaupt zeigt.
Mehrwegeausbreitung, Empfängerrauschen, Antennenlage und Bedienfehler sind aus den Betreiberzusagen ausgenommen — und draußen die größten Posten.
Jede Messung rauscht, und das Rauschen summiert sich immer nach oben. Warum die aufgezeichnete Strecke systematisch zu lang wird — und was dagegen hilft.
Der GPS-Betreiber sagt 8 Meter horizontal im 95-Prozent-Perzentil zu, Galileo 5. Die 3 Meter auf der Verpackung sind eine Beobachtung, keine Zusage.