Die geplante Runde hatte 14,2 Kilometer. Das Gerät meldet am Ende 15,1 — und niemand ist einen Umweg gegangen. Der Unterschied ist kein Zufall und auch kein Gerätefehler, sondern eine Eigenschaft der Messmethode.
Wie eine Strecke im Gerät entsteht
Als Summe von Abständen zwischen Einzelmessungen. Das Gerät bestimmt alle paar Sekunden eine Position, verbindet sie zu einem Streckenzug und addiert die Teilstücke. Was dabei herauskommt, ist die Länge dieses Streckenzugs — nicht die Länge des Weges.
Der Unterschied entsteht durch das Rauschen. Jede einzelne Position streut um den wahren Ort, und diese Streuung ist kein systematischer Versatz, sondern eine Wolke. Zwei aufeinanderfolgende Messungen liegen also nicht nur um die tatsächlich gegangene Strecke auseinander, sondern zusätzlich um den Rauschanteil beider Punkte.
Warum der Fehler immer nach oben geht
Weil ein Abstand nie negativ wird. Das ist der ganze Mechanismus, und er ist so einfach wie unausweichlich:
Steht man völlig still und misst zehnmal, liegen die zehn Punkte trotzdem nicht aufeinander. Das Gerät addiert dann neun Abstände, die alle größer als null sind — und meldet eine Strecke, obwohl man sich nicht bewegt hat. Beim Gehen kommt derselbe Betrag zur echten Strecke hinzu.
Zwei Stellschrauben, die gegeneinander wirken
Die Aufzeichnungsdichte. Wer alle Sekunde misst, sammelt mehr Rauschanteile als wer alle zehn Sekunden misst — die Strecke wird länger. Wer zu selten misst, schneidet dagegen Kurven ab und bekommt eine zu kurze Strecke. Beides sind Fehler, sie zeigen nur in verschiedene Richtungen.
Die Umgebung. Je größer die Positionsstreuung, desto größer der Aufschlag. Und die Streuung wächst genau dort, wo die Betreiberzusagen ohnehin nicht gelten: unter dichtem Nadelwald, in engen Tälern, bei ungünstiger Antennenlage. Die Fehlerquellen dahinter — mehrwegeausbreitung, empfängerrauschen und auflösung, antenneneffekte des nutzers — sind aus den Zusagen ausdrücklich ausgenommen; nachzulesen in Wald, Schlucht, Fels.
Daraus folgt eine unangenehme Kombination: Im Wald ist der Track am längsten — und dort geht man ohnehin langsamer. Wer die Aufzeichnung zur Leistungsbewertung heranzieht, vergleicht Äpfel mit Birnen.
Dasselbe passiert mit den Höhenmetern
Und dort ist der Effekt größer, weil die Höhe ohnehin ungenauer gemessen wird als die Fläche: GPS sagt 13 Meter vertikal gegenüber 8 Metern horizontal zu, jeweils im 95-Prozent-Perzentil.
Aus verrauschten Höhenwerten entsteht dieselbe Aufsummierung — nur heißt sie hier „Höhenmeter“. Eine flache Runde kann so mehrere hundert Höhenmeter melden, die es nicht gab. Geräte mit barometrischem Höhenmesser sind hier deutlich besser, weil der Luftdruck stetig verläuft; die Einzelheiten stehen in Höhe messen.
Was für die Planung gilt
Nimm die Werte aus der Karte, nicht aus der Aufzeichnung. Eine geplante Route auf einer Karte ist geglättet und enthält kein Messrauschen; eine Aufzeichnung enthält beides. Für die Gehzeit macht das einen echten Unterschied, weil Strecke und Höhenmeter dort direkt eingehen — der Tourenzeit-Rechner rechnet mit dem, was man ihm gibt.
Vergleiche nur Gleiches. Zwei Aufzeichnungen desselben Weges mit verschiedenen Geräten oder verschiedenen Aufzeichnungsintervallen sind nicht vergleichbar. Zwei Kartenmessungen sind es.
Erwarte die Abweichung. Ein Aufschlag im niedrigen einstelligen Prozentbereich gegenüber der Kartenlänge ist normal, im Wald mehr. Wer eine Aufzeichnung mit einer amtlichen Wegangabe vergleicht und einen Unterschied findet, hat meistens nichts gefunden.
Was die Aufzeichnung an Strom kostet
Sie hält das Satellitenmodul dauerhaft aktiv und ist damit neben dem Display der größte Verbraucher auf einer Tour. Wie sich daraus ein Energiebedarf in Wattstunden ergibt, steht im Themenbereich Energie & Licht unter Energiebedarf berechnen — und umgekehrt ist eine sparsamere Aufzeichnungsdichte nicht nur genauer, sondern auch sparsamer.
Der Themenbereich Navigation & Geräte behandelt diese Eigenheiten als das, was sie sind: bekannte Grenzen einer Messmethode, keine Gerätemängel.