Die verbreitete Art, den Strombedarf einer Tour zu schätzen, geht so: Man sucht eine Tabelle mit Verbrauchswerten, addiert sie und rundet auf. Das Ergebnis ist eine Zahl, die für die Geräte in der Tabelle gilt und für die eigenen nicht.

Es geht auch anders herum — mit zwei Angaben, die entweder auf dem Gerät stehen oder sich abschätzen lassen.

Die zwei Zahlen, die du brauchst

Erstens die Akkuenergie in Wattstunden. Sie steht bei Mobiltelefonen, Kameras und den meisten Akkupacks auf dem Akku selbst oder im Gehäuse, weil der Luftverkehr die Angabe verlangt. Findest du nur Milliamperestunden, rechne mit der Zellnennspannung von 3,6 V um — warum genau diese Spannung, steht in Milliamperestunden oder Wattstunden.

Zweitens die Zahl vollständiger Ladungen über die ganze Tour. Nicht pro Tag, sondern insgesamt. Ein Handy, das an vier Tagen im Flugmodus bleibt und nur abends kurz benutzt wird, braucht vielleicht eine Ladung; dasselbe Handy mit laufender Aufzeichnung und Netzsuche braucht drei.

Dann ist der Bedarf schlicht die Summe:

Bedarf in Wattstunden = Σ (Akkuenergie × Ladungen)

Ein durchgerechnetes Beispiel

Vier Tage, zwei Geräte, keine Steckdose:

Beispielrechnung für eine viertägige Tour
Mobiltelefon, 17 Wh, dreimal geladen
51 Wh Aufzeichnung läuft, Netz nur zeitweise vorhanden
Stirnlampe, 8 Wh, einmal geladen
8 Wh Herbstabende, kein Nachtmarsch
Bedarf gesamt
59 Wh das sind 14,8 Wh am Tag

Fundstelle: Eigene Rechnung. Die Akkugrößen sind Beispielwerte in der Größenordnung, die auf Geräten dieser Art aufgedruckt ist; die Zahl der Ladungen ist eine Annahme.

Damit ist die erste Hälfte fertig. Die zweite ist der Schritt, den die meisten Rechnungen überspringen.

Warum die Powerbank größer sein muss als der Bedarf

Weil zwischen Powerbank und Gerät Energie verloren geht. Die Powerbank muss also nicht 59 Wh speichern, sondern so viel, dass nach den Verlusten noch 59 Wh ankommen:

nötige Kapazität = Bedarf ÷ Wirkungsgrad

Mit dem Vorgabewert von 75 Prozent sind das 79 Wh — gut ein Drittel mehr als der reine Bedarf. Auf einer Verpackung entspricht das einem Aufdruck von rund 21.900 mAh.

Wo die Unsicherheit wirklich sitzt

Nicht in der Physik, sondern in der Zahl der Ladungen. Die Umrechnung Wattstunden ist exakt, der Wirkungsgrad ist eine Spanne — aber ob das Handy zwei- oder viermal geladen werden muss, entscheidet über das Ergebnis mehr als beides zusammen.

Vier Dinge treiben den Verbrauch, ohne dass sich dafür eine allgemeingültige Zahl angeben ließe:

  • Netzsuche. Ein Gerät ohne Empfang sendet mit voller Leistung weiter und verbraucht dabei ein Vielfaches des Ruhezustands. Flugmodus ist die wirksamste Einzelmaßnahme.
  • Aufzeichnung. Ein laufender Track hält das Satellitenmodul dauerhaft aktiv. Was diese Aufzeichnung wert ist — und warum sie regelmäßig zu lange Strecken meldet —, steht in Warum der aufgezeichnete Track länger ist.
  • Displayzeit. Der Bildschirm ist meist der größte Einzelverbraucher.
  • Kälte. Sie senkt die entnehmbare Kapazität vorübergehend und verbietet unterhalb einer Herstellergrenze sogar das Laden — Akkus in der Kälte.

Was mit dem Ergebnis noch zu tun ist

Die Wattstundenzahl ist noch keine Kaufentscheidung. Zwei Dinge kommen dazu:

Das Gewicht. Energie hat eine Masse-Untergrenze, die an der Zellchemie hängt — grob 230 Wh je Kilogramm Zellmasse laut Datenblatt, plus Gehäuse. Für das Beispiel oben landet man bei rund 526 g, die ins Basisgewicht eingehen. Wie man daraus eine Auswahlentscheidung macht, steht in Powerbank auswählen.

Die Reserve. Eine Powerbank, die rechnerisch genau passt, passt in der Praxis nicht: Der Bedarf ist geschätzt, der Wirkungsgrad ist eine Annahme, und der Akku altert. Wer die untere Kante der Wirkungsgradspanne einsetzt, hat die Reserve schon eingebaut — das ist ehrlicher, als am Ende pauschal 20 Prozent draufzuschlagen.

Der Wh-Bedarfsrechner macht beide Schritte auf einmal und nennt dazu die Einstufung im Luftverkehr. Der ganze Themenbereich Energie & Licht hängt an dieser einen Rechnung.