Auf jeder Powerbank steht eine Zahl mit vier oder fünf Stellen: 5 000, 10 000, 20 000. Daneben ein Kürzel, das kaum jemand auflöst: mAh. Und dann die Erfahrung, dass eine „20 000er“ das Handy eben nicht so oft lädt, wie die Rechnung im Kopf verspricht.
Das liegt nicht an schlechten Powerbanks. Es liegt daran, dass die Zahl etwas anderes misst, als die meisten annehmen — und dass niemand dazuschreibt, was.
Was eine Milliamperestunde misst
Eine Ladungsmenge, keine Energie. Eine Amperestunde ist die Ladung, die fließt, wenn eine Stunde lang ein Ampere fließt; eine Milliamperestunde ist der tausendste Teil davon. Wie viel Energie darin steckt, hängt zusätzlich an der Spannung:
Energie = Ladung × Spannung, also Wattstunden = Amperestunden × Volt.
Das ist der ganze Punkt. Zwei Akkus mit denselben 3 000 mAh speichern unterschiedlich viel Energie, wenn der eine bei 3,6 V und der andere bei 1,2 V arbeitet — der erste rund dreimal so viel. Milliamperestunden sind deshalb nur innerhalb derselben Spannung vergleichbar, und genau diese Bedingung erwähnt keine Verpackung.
Auf welche Spannung sich die Zahl auf der Powerbank bezieht
Auf die Zellen im Inneren, nicht auf den Ausgang. Handelsübliche Lithium-Ionen-Rundzellen haben eine Nennspannung von 3,6 Volt; das Datenblatt der hier zugrunde gelegten Zelle nennt dazu eine Ladeschlussspannung von 4,2 V und eine Entladeschlussspannung von 2,5 V. Der USB-Ausgang liefert dagegen mindestens 5 V.
- Wie es auf der Packung steht
- 10 000 mAh bezogen auf die Zellen bei 3,6 V
- Als Energie
- 36 Wh 10 Ah × 3,6 V — die einzige Größe, in der sich Geräte vergleichen lassen
- Am 5-V-Ausgang, verlustfrei gedacht
- 7.200 mAh dieselbe Energie, andere Bezugsspannung — noch ohne jeden Verlust
Fundstelle: Nennspannung nach Product Data Sheet INR-21700-P42A, molicel.com, geprüft am 8. September 2026; Umrechnung Wh = Ah × V
Rund ein Viertel der aufgedruckten Zahl verschwindet also allein dadurch, dass man sie auf den Ausgang bezieht. Das ist kein Verlust im physikalischen Sinn — die Energie ist noch da —, sondern eine andere Recheneinheit. Wer Milliamperestunden zählt, zählt an dieser Stelle bereits falsch.
Warum die Zellangabe nicht einmal exakt aufgeht
Weil die Nennspannung ein gerundeter Vertreter für einen ganzen Verlauf ist. Eine Lithium-Ionen-Zelle beginnt bei 4,2 V und endet bei 2,5 V; die 3,6 V sind ein Mittelwert, keine Konstante.
Man sieht das im Datenblatt selbst. Für die Zelle Molicel INR-21700-P42A nennt der Hersteller 4.200 mAh und 15,5 Wh. Rechnet man die erste Zahl mit der Nennspannung um, kommt man auf 15,12 Wh — also etwas weniger als die angegebenen 15,5 Wh.
Die Differenz von gut zwei Prozent ist keine Schlamperei, sondern die Auskunft, dass die mittlere Entladespannung leicht über der Nennspannung liegt. Für die Praxis heißt das: Die Umrechnung mAh × 3,6 V ist eine gute Näherung, keine Identität. Wo eine Wattstundenzahl direkt angegeben ist, hat sie Vorrang.
Was am Kabel ankommt — und warum dafür keine Zahl existiert
Weniger als die gespeicherte Energie, und wie viel weniger, ist nicht normiert. Zwischen Zelle und Zielgerät liegen mindestens zwei verlustbehaftete Schritte: der Aufwärtswandler, der aus 3,6 V die 5 V (oder mehr) des Ausgangs macht, und die Laderegelung im Zielgerät, die daraus wieder eine Zellspannung macht.
Für diesen Weg gibt es keine Prüfnorm, keine Kennzeichnungspflicht und keine Herstellerangabe, die sich als Primärquelle verwenden ließe. Deshalb steht hier eine Spanne statt einer Zahl:
Mit dem Vorgabewert gerechnet: Aus den 36 Wh der Beispiel-Powerbank kommen 27 Wh am Gerät an. Ein Mobiltelefon mit einem 17-Wh-Akku lässt sich damit knapp eineinhalbmal vollständig laden — nicht dreimal, wie der Vergleich „10 000 mAh gegen 3 500 mAh Handyakku“ nahelegt.
Warum auf der Verpackung trotzdem die größere Zahl steht
Weil keine Vorschrift die kleinere verlangt. Die Verordnung (EU) 2023/1542 über Batterien und Altbatterien schreibt in Anhang VI Teil A vor, welche Angaben auf dem Etikett stehen müssen — unter Nummer 5 das Gewicht, unter Nummer 6 „die Kapazität“. Eine Bezugsspannung oder eine Einheit nennt der Anhang an dieser Stelle nicht.
Nach Artikel 13 Absatz 2 tragen wiederaufladbare Gerätebatterien ab dem 18. August 2026 eine Kennzeichnung mit Angaben zu ihrer Kapazität — oder 18 Monate nach Inkrafttreten des Durchführungsrechtsakts nach Absatz 10, je nachdem, welcher Zeitpunkt der spätere ist. Diesen Durchführungsrechtsakt sollte die Kommission bis zum 18. August 2025 erlassen.
Unabhängig davon bleibt die Angabe in Milliamperestunden zulässig — sie ist nur eben nicht die Zahl, die zählt.
Drei Handgriffe mit der Wh-Zahl
Drei Handgriffe, mehr braucht es nicht:
- Auf die Wh-Zahl schauen, nicht auf die mAh-Zahl. Bei Powerbanks steht sie meist im Kleingedruckten auf der Unterseite, bei Handy- und Kameraakkus auf dem Akku selbst — der Luftverkehr verlangt sie, und deshalb ist sie da. Warum das so ist, steht in Powerbank im Flugzeug.
- Steht nur mAh da, mit 3,6 V umrechnen. Der Wh-Bedarfsrechner hat dafür ein eigenes Feld.
- Den Bedarf in Wattstunden ausrechnen, nicht in Ladungen. Wie das geht, ohne dass irgendwo eine erfundene Verbrauchszahl hineinkommt, steht in Energiebedarf berechnen.
Der ganze Themenbereich Energie & Licht ist um diese eine Umrechnung herum gebaut, weil ohne sie jede weitere Rechnung schief steht.