Ein Wegpunkt aus einer alten Wanderkarte, eingetippt ins Gerät — und der Punkt liegt hundert Meter neben der Stelle, die gemeint war. Das ist kein Tippfehler und kein Messfehler. Es ist ein Bezugssystemfehler, und er ist der einzige im Themenbereich Navigation & Geräte, der sich vollständig vermeiden lässt.

Was ein Bezugssystem festlegt

Wo die Null liegt. Eine Koordinate ist eine Angabe relativ zu einer festgelegten Bezugsfläche und einem festgelegten Nullpunkt. Ändert man diese Festlegung, ändern sich alle Zahlen — obwohl der Ort derselbe bleibt.

Deshalb ist eine Koordinate ohne Angabe ihres Bezugssystems unvollständig. Bei einer Zeitangabe ist das selbstverständlich: „14:30“ ohne Zeitzone kann man weiterreichen, aber nicht immer verwenden. Bei Koordinaten gilt dasselbe, nur fällt es seltener auf.

Die drei Systeme, die in Deutschland vorkommen

WGS 84 ist das System, in dem Satellitennavigation rechnet. Der GPS Standard Positioning Service Performance Standard setzt in seinen Empfängerannahmen ausdrücklich voraus, dass der Empfänger im World Geodetic System 1984 in seiner jeweils aktuellen Realisierung arbeitet. Alles, was ein Gerät ohne weitere Einstellung ausgibt, ist praktisch WGS 84.

ETRS89 ist das amtliche Lagebezugssystem der deutschen Landesvermessung, in der Realisierung ETRS89 in der Realisierung ETRS89/DREF91 (Realisierung 2016). Es ist mit der eurasischen Platte fest verbunden, WGS 84 dagegen global ausgerichtet — die beiden driften deshalb langsam auseinander.

Gauß-Krüger auf dem Potsdam-Datum ist das dritte, und hier wird es ernst. Es ist das alte deutsche System, das in Karten bis in die 1990er-Jahre und in manchen Fachdatenbeständen bis heute steckt. Der Versatz zu ETRS89 liegt in Deutschland in der Größenordnung von etwa hundert Metern und ist regional verschieden — also weit größer als jeder Messfehler.

Erkennbar ist eine Gauß-Krüger-Koordinate an ihrer Form: zwei Zahlen mit sechs bis sieben Stellen, die erste beginnt mit einer Kennziffer für den Meridianstreifen. Wer so etwas vorfindet, rechnet um, statt es einzutippen.

Das Format ist nicht das Bezugssystem

Ein zweiter, unabhängiger Punkt, der oft damit verwechselt wird. Dieselbe Position lässt sich in mehreren Formaten schreiben:

  • Grad, Minuten, Sekunden — 51° 3′ 24,7″ N
  • Grad und Dezimalminuten — 51° 3,412′ N
  • Dezimalgrad — 51,05687° N
  • UTM — Zone, Ostwert, Nordwert in Metern

Alle vier können dasselbe Bezugssystem haben und denselben Ort bezeichnen. Wer sie verwechselt, landet trotzdem falsch: 51° 3,4′ als 51° 3,4″ gelesen ergibt einen Versatz von einigen Kilometern. Wie man Koordinaten liest und zwischen den Formaten wechselt, steht im Themenbereich Technik & Skills unter Koordinaten lesen.

Wo das praktisch schiefgeht

Beim Notruf. Die Leitstelle braucht Format und Bezugssystem, sonst schickt sie die Rettung an die falsche Stelle — und in engem Gelände kommt der Positionsfehler noch obendrauf, wie in Wald, Schlucht, Fels beschrieben. Was man durchgibt und wie die Leitstelle sonst an den Standort kommt, steht im Themenbereich Sicherheit unter Standort beim Notruf.

Beim Austausch von Wegpunkten. Eine GPX-Datei trägt ihre Koordinaten festgelegt in WGS 84 — das ist der Grund, warum der Austausch über Dateien zuverlässiger ist als der über abgetippte Zahlen. Mehr dazu in Offline-Karten.

Bei alten Karten und Fachdaten. Vermessungs-, Forst- und Katasterunterlagen können in Gauß-Krüger vorliegen. Hier lohnt der Blick auf den Kartenrand, wo das Bezugssystem angegeben ist.

Und die Höhe hat ihr eigenes Bezugssystem

Das ist der zweite, unabhängige Fall: Ein Satellitenempfänger misst zunächst über einem Rechenellipsoid, die Karte zählt ab dem amtlichen Höhenbezug Normalhöhen im DHHN2016. Zwischen beiden liegen in Deutschland Dutzende Meter — das steht in Höhe messen.

Die Regel in einem Satz

Zu jeder Koordinate, die du weitergibst, gehören Format und Bezugssystem. Wer beides mitschreibt, hat den einzigen vermeidbaren Fehler dieses Themenbereichs vermieden — und alle übrigen Fehlerquellen sind ohnehin aus den Betreiberzusagen ausgenommen, wie Was GPS zusagt zeigt.

Der Tourenzeit-Rechner braucht davon nichts — er rechnet mit Strecke und Höhenmetern, nicht mit Koordinaten. Aber wer Strecke und Höhenmeter aus fremden Daten übernimmt, sollte wissen, aus welchem System sie stammen.