Einnorden ist der erste Handgriff, und fast alles andere baut darauf auf. Eine Karte, die nicht zum Gelände passt, führt zuverlässig in die falsche Richtung — und zwar am schnellsten dann, wenn man in Eile ist. Der Handgriff dauert zehn Sekunden, sobald man ihn kann.

Dieser Artikel gehört zum Themenbereich Technik & Skills. Er setzt voraus, dass die Missweisung für die eigene Gegend bekannt ist — das ist der einzige Wert, den man vorab braucht.

Was „eingenordet” heißt

Eine Karte ist eingenordet, wenn ihr oberer Rand nach geografisch Norden zeigt. Dann liegt sie deckungsgleich über dem Gelände: Was auf der Karte rechts vom Weg steht, steht auch in der Landschaft rechts vom Weg. Man muss die Karte dafür nicht mehr „im Kopf drehen” — der häufigste Fehler bei ungeübten Kartenlesern, und die Quelle der meisten Verläufer.

Methode 1: über das Gelände (bei Sicht)

Die schnellste Methode braucht keinen Kompass. Sie funktioniert, sobald man zwei Punkte sieht, die man eindeutig auf der Karte wiederfindet — ein Kirchturm, eine markante Bergspitze, eine Weggabelung, ein Seeende.

  1. Einen der beiden Punkte auf der Karte suchen und die Karte grob so hinlegen, dass die Richtung ungefähr stimmt.
  2. Die Karte so drehen, dass die gedachte Linie vom eigenen Standort zum Geländepunkt deckungsgleich wird mit der Linie zwischen denselben beiden Punkten auf der Karte.
  3. Mit dem zweiten Punkt gegenprüfen. Passen beide, ist die Karte eingenordet.

Das ist genauer, als es klingt, weil das Auge Fluchtlinien gut abschätzt. Der Haken: Es geht nur bei Sicht und nur mit eindeutigen Punkten. Im Wald, im Nebel oder in gleichförmigem Gelände fällt die Methode aus — dann kommt der Kompass.

Methode 2: mit dem Kompass (immer)

Der Kompass norden die Karte auch dann ein, wenn man nichts sieht. Der Handgriff:

  1. Die Karte flach hinlegen und den Kompass mit einer langen Kante an eine der senkrechten Gitterlinien der Karte anlegen (die Nordlinien der Karte).
  2. Karte und Kompass gemeinsam drehen, bis die Kompassnadel im Gehäuse liegt — die Karte zeigt jetzt grob nach magnetisch Norden.
  3. Um die Missweisung korrigieren: Die Karte so weiterdrehen, dass die Nadel nicht mehr genau auf der Nordlinie liegt, sondern um den Missweisungsbetrag östlich (rechts) daneben — in Deutschland also ein paar Grad rechts der Linie. Jetzt zeigt der obere Kartenrand nach geografisch Norden.

Ein Rechenbeispiel

Angenommen, die Karte ist eingenordet und man will einer Wegrichtung folgen, die auf der Karte 55° von Nord misst (Ost-Nord-Ost). Der Kompass kennt aber nur magnetisch Norden. Umrechnung:

Kartenrichtung in Kompassrichtung umrechnen, für zwei Orte
SchrittKöln (Missweisung + 3,3 °)Görlitz (Missweisung + 5,4 °)
Kartenrichtung (Kurs zu geografisch Nord)55°55°
− Missweisung (östlich, also abziehen)− 3,3°− 5,4°
Kompassrichtung, die man einstellt52°50°

Der Unterschied zwischen West und Ost beträgt hier gut zwei Grad — auf einen Kilometer sind das rund vierzig Meter Versatz. Für die Rückrichtung (Back-Bearing) rechnet man 180° dazu oder zieht sie ab. Wie man diese Kompassrichtung dann im Gelände hält, steht in Eine Richtung peilen und ihr folgen.

Was in der Praxis schiefgeht

  • Eisen in der Nähe. Der Kompass reagiert auf Stahl. Trekkingstöcke, Messer, Handy, Autotür, Betonarmierung, Hochspannungsleitung — mindestens einen Meter Abstand, im Zweifel ein paar Schritte weggehen.
  • Die Karte wandert. Sobald man losgeht und sich dreht, ist die Karte nicht mehr eingenordet. Bei jedem Richtungswechsel neu einnorden — das ist kein Fehler, sondern der normale Ablauf.
  • Missweisung vergessen. Auf einer 500-Meter-Etappe zu verschmerzen, auf einer weglosen Querung über mehrere Kilometer nicht. Die Größenordnung und wann sie zählt, steht in Missweisung: der Winkel zwischen Kartennord und Kompassnord.
  • Kartenrichtung mit Uhrzeit verwechselt. Wer die Gehzeit noch braucht: die rechnet der Tourenzeit-Rechner aus Strecke und Höhenmetern, unabhängig von der Marschrichtung.