Eine Richtung vom Kompass abzunehmen ist der einfache Teil. Ihr über einen Kilometer durch Wald oder Nebel zu folgen, ohne abzudriften, ist der Teil, den man üben muss. Dieser Artikel behandelt beides.
Er gehört zum Themenbereich Technik & Skills und baut auf Karte einnorden und Missweisung auf — beides muss sitzen, bevor eine Peilung etwas nützt.
Eine Peilung abnehmen
Von der Karte:
- Die lange Kante des Kompasses als Lineal von der aktuellen Position zum Ziel legen, Pfeilrichtung stimmt.
- Die Dose drehen, bis ihre Nordlinien parallel zu den senkrechten Gitterlinien der Karte stehen (Norden der Dose = Norden der Karte).
- Marschzahl am Index ablesen. Das ist der Kartenwinkel.
- Missweisung abziehen (in Deutschland östlich, also minus 3° bis 5°). Jetzt hat man die Marschzahl, die man mit dem Kompass im Gelände einstellt.
Vom Gelände (wenn das Ziel sichtbar ist): Kompass auf das Ziel richten, Dose drehen, bis die Nadel im Gehäuse liegt, ablesen. Das ist bereits ein magnetischer Wert und wird so gegangen.
Der Richtung folgen, wenn nichts zu sehen ist
Man hält den Kompass nicht die ganze Zeit vor sich her und starrt auf die Nadel — so läuft man in Schlangenlinien. Stattdessen:
- Zwischenziele. In der Marschrichtung einen markanten Punkt suchen — einen auffälligen Baum, einen Felsen, im Nebel notfalls den vordersten Mitgeher —, den Kompass wegstecken, hingehen, neu anpeilen. Jeder Abschnitt ist kurz genug, dass ein kleiner Fehler nicht ins Gewicht fällt.
- Rückblick. Ab und zu die Gegenrichtung zum letzten Zwischenziel prüfen: Marschzahl ± 180°. Stimmt sie, ist man auf der Linie.
- Zählen. Wer weiß, wie weit es bis zum nächsten Handlauf ist, zählt Doppelschritte (siehe unten) und weiß so, wann er da sein müsste.
Bewusster Versatz: ein Ziel an einer Linie treffen
Man will zu einer Brücke, die an einem Bach liegt. Peilt man exakt auf die Brücke und kommt am Bach an, ohne sie zu sehen — links oder rechts? Man weiß es nicht.
Lösung: Absichtlich 5° bis 10° neben die Brücke peilen, sagen wir nach links. Am Bach angekommen, weiß man sicher: Die Brücke liegt rechts. Man folgt dem Bach nach rechts und findet sie. Der bewusste Fehler ist die Sicherheit.
Abstand schätzen: Doppelschritte
Ein Doppelschritt ist ein Zyklus aus zwei Einzelschritten (jedes Mal, wenn der gleiche Fuß aufsetzt). Die eigene Zahl je 100 m misst man einmal auf einer abgemessenen Strecke — sie ist bei jedem etwas anders.
- Ebener, fester Weg
- rund 60–70 entspricht rund 1,4–1,6 m je Doppelschritt
- Ansteigendes Gelände, weicher Boden
- rund 70–85 die Schrittlänge sinkt
- Steiler Anstieg, Geröll, tiefer Schnee
- über 90 hier ist die Zählung ungenau — nur grobe Orientierung
Fundstelle: Erfahrungswerte der Geländeorientierung; die individuelle Schrittzahl schwankt mit Körpergröße, Last und Untergrund
Für die Gehzeit über eine ganze Etappe ist das Zählen nicht gedacht — die rechnet der Tourenzeit-Rechner aus Strecke, Höhenmetern und Kondition. Doppelschritte sind für die kurzen Abschnitte zwischen zwei Geländelinien.
Was schiefgeht
- Missweisung in die falsche Richtung gerechnet. Dann läuft man den doppelten Fehler. Die Regel: Kartenwinkel → Kompass = östliche Missweisung abziehen. Steht im Detail in Missweisung.
- Nadel nicht einschwingen lassen. Im Gehen pendelt die Nadel; für die Peilung kurz stehen bleiben.
- Zu lange Abschnitte. Je weiter das Zwischenziel, desto größer der übertragene Fehler. Im Nebel lieber alle 50 m neu anpeilen.
- Standort nicht mehr sicher. Wenn die Peilung nicht aufgeht, ist oft der Ausgangspunkt schon falsch — dann zurück zu Wo bin ich? Standort per Karte und Kreuzpeilung.