Die meisten Bushcraft-Videos sind handwerklich sorgfältig und rechtlich stumm. Sie zeigen, wie etwas geht, und lassen offen, wo es gehen darf. Hält man die typischen Szenen einzeln gegen das deutsche Recht, bleibt ohne Erlaubnis wenig übrig — nicht, weil Bushcraft verboten wäre, sondern weil fast jede Handlung entweder in fremdes Eigentum oder in eine Schutzvorschrift eingreift. Diese Seite geht die Szenen der Reihe nach durch und beschreibt, was gilt.

Die typischen Szenen, gegen das Gesetz gehalten

Das Ergebnis vorweg: Bundesweit eindeutig gedeckt ist allein das Mitnehmen von Zweigen in geringer Menge. Alles andere hängt am Bundesland, am Eigentümer oder ist ohne Zustimmung nirgends vorgesehen.

Das Lagerfeuer im Wald. Vierzehn Länder verbieten Feuer im Wald oder machen es genehmigungspflichtig; im Saarland hängt es an der Zustimmung der Berechtigten, in Schleswig-Holstein an einer Verordnung. In Sachsen etwa darf nach § 15 Abs. 1 SächsWaldG „außerhalb einer von der Forstbehörde errichteten oder genehmigten Feuerstelle nur mit Genehmigung der Forstbehörde Feuer angezündet“ werden, und zwar im Wald und in weniger als 100 Metern Abstand. Die Zahlen der übrigen Länder stehen in Offenes Feuer draußen; was das für eine Feuergrube bedeutet, in Feuer und Feuerstelle.

Der Ast vom lebenden Baum. Keine Vorschrift erlaubt das ohne Zustimmung. § 39 Abs. 3 BNatSchG nennt Zweige, keine Äste; Sachsen führt in § 52 Abs. 2 Nr. 10 SächsWaldG als Ordnungswidrigkeit, wer „Waldbäume und Waldsträucher von geringem Wert oder Teile davon unbefugt entnimmt, fällt, ausgräbt oder beschädigt,“. Die übrigen Schichten stehen in Lebendes Holz: Äste, Bäume, Rinde und Harz.

Das Sammeln von Totholz. Hier hängt es am Land. Baden-Württemberg und Sachsen nennen Leseholz ausdrücklich, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen nur für den Staatswald, neun Waldgesetze gar nicht. Die vollständige Übersicht steht in Holz sammeln: was die 16 Landeswaldgesetze sagen.

Rinde schälen und Harz gewinnen. Das trifft einen lebenden Baum und damit dieselben Vorschriften wie der Ast. Sachsen nennt das Harz sogar gesondert: § 52 Abs. 2 Nr. 12 SächsWaldG erfasst, wer im Wald ohne Erlaubnis Harz nutzt.

Die Feuergrube. Wer gräbt, verändert den Waldboden. Sachsen und Brandenburg nennen das ausdrücklich: § 52 Abs. 2 Nr. 14 SächsWaldG erfasst Abgrabungen, § 37 Abs. 2 LWaldG BB Grabungen, jeweils ohne Befugnis.

Der Unterstand aus Ästen. Hier ist die Rechtslage am wenigsten eindeutig. Das Material stößt auf die Holzregeln, das Übernachten darin auf die Zeltvorschriften, und ob der Bau selbst eine bauliche Anlage ist, lässt sich am Gesetzestext nicht abschließend klären — die Gründe stehen in Shelter bauen: was der Gesetzestext hergibt.

Das große Messer am Gürtel. Ein feststehendes Messer mit mehr als 12 Zentimetern Klinge darf nach § 42a Abs. 1 Nr. 3 WaffG nicht geführt werden, soweit keine Ausnahme greift. Die Einordnung typischer Bushcraft-Messer steht in Das Bushcraft-Messer im Waffenrecht.

Die Nacht im Wald. Das ist keine Bushcraft-Frage, sondern eine Übernachtungsfrage mit 16 Antworten. Die Rechtslage-Matrix zeigt sie je Bundesland.

Warum ein Video die Rechtslage nicht zeigt

Ein Video zeigt die Handlung, nicht die Erlaubnis. Ob ein Waldstück dem Filmenden gehört, ob die Eigentümer zugestimmt haben oder ob die Forstbehörde eine Feuerstelle genehmigt hat, ist im Bild nicht zu sehen. Ebenso wenig, in welchem Land gedreht wurde: Andere Länder haben andere Regeln, einige davon stehen in Die Nachbarländer: was dort beim Draußenschlafen gilt.

Dieselbe Szene kann also rechtmäßig sein — auf dem eigenen Grundstück, mit Zustimmung, an der genehmigten Feuerstelle — und im nächsten Staatswald eine Ordnungswidrigkeit. Die Unterscheidung liegt nicht in der Technik, sondern im Ort.

Was ohne Nachfrage übrig bleibt

Übrig bleibt, was kein fremdes Eigentum und keine Schutzvorschrift berührt. Das ist mehr, als es klingt: Knoten und Abspannungen mit mitgebrachtem Material, der Umgang mit Tarp und Plane, das Kochen auf einem Kocher dort, wo er zulässig ist, und das Mitnehmen von Zweigen in geringer Menge. Knoten, die draußen wirklich gebraucht werden, beschreibt Fünf Knoten, die draußen wirklich vorkommen.

Der Unterschied zwischen mitgebrachtem und vor Ort entnommenem Material ist dabei der eigentliche Hebel — er steht ausführlich in Tarp statt Astbau: warum das Material den Unterschied macht. Wo Bushcraft ganz ohne Rechtsfrage möglich ist, zeigt Wo Bushcraft erlaubt ist; den Überblick über alle acht Handlungen gibt der Themenbereich Bushcraft.