Die Frage, welches Verfahren „das beste“ ist, hat keine Antwort — und das nicht aus Höflichkeit gegenüber allen Herstellern, sondern weil die vier Verfahren an verschiedenen Stellen aufhören zu wirken. Welche dieser Stellen zählt, hängt am Wasser und an der Region.
Dieser Artikel stellt die Entscheidung deshalb als Kette dar: vier Fragen in einer Reihenfolge, an deren Ende ein Verfahren oder eine Kombination steht.
Die Ausgangslage in einer Tabelle
Jedes Verfahren hat eine Lücke, und keine zwei Lücken liegen an derselben Stelle.
| Verfahren | Protozoen | Bakterien | Viren | Scheitert an |
|---|---|---|---|---|
| Hohlfaserfilter | erfasst | erfasst | erfasst nicht | Trübstoffe setzen die Fasern zu; die Durchflussleistung sinkt, der Rückhalt nicht. |
| Keramikfilter | erfasst | erfasst | erfasst nicht | Verblockt sichtbar und lässt sich abbürsten; das Element wird dabei dünner. |
| Chemische Entkeimung | erfasst nicht | erfasst | erfasst | Nur für klares Wasser. Schwebstoffe zehren das Oxidationsmittel und schirmen Keime ab; Katadyn verlangt bei trübem Wasser einen vorgeschalteten Filter. |
| UV-Entkeimung | erfasst | erfasst | nur mit eigenem Nachweis | Der entscheidende Ausschlussgrund. Das Umweltbundesamt verlangt, dass vor der UV-Bestrahlung die Anforderungen an Trübung sowie Eisen- und Mangangehalt eingehalten sind — Schwebstoffe werfen Schatten, hinter denen Keime unbestrahlt bleiben. |
| Abkochen | erfasst | erfasst | erfasst | Das Abkochen wirkt nach der WHO auch in trübem Wasser. Eine Klärung vor dem Kochen empfiehlt die WHO nur aus Geschmacks- und Aussehensgründen. |
Die Belege für jede einzelne Zelle stehen in den Artikeln zu den Verfahren: Was 0,1 Mikrometer zurückhält, Chlor, Chlordioxid, Silber, UV-Entkeimung und Abkochen.
Frage eins: Ist das Wasser klar?
Wenn nein, bleiben Filter und Abkochen — chemische Mittel und UV sind damit aus dem Rennen.
Das ist die erste Frage, weil sie die härteste ist. Katadyn verlangt für Micropur Forte ausdrücklich klares Wasser und verweist bei trübem auf einen vorgeschalteten Filter. Das Umweltbundesamt macht die Einhaltung der Anforderungen an Trübung sowie Eisen- und Mangangehalt zur Voraussetzung für UV-Anlagen. Beide Aussagen sind keine Empfehlungen, sondern Bedingungen.
Die WHO nennt dagegen das Abkochen ausdrücklich auch in trübem Wasser als hochwirksam — es ist das einzige Verfahren, für das diese Aussage im Wortlaut vorliegt.
Frage zwei: Ist mit Viren zu rechnen?
Das ist die Frage, an der die Empfehlung sich teilt — und sie hängt daran, was oberhalb der Wasserstelle liegt.
Viren, die über Wasser übertragen werden, stammen aus menschlichen Ausscheidungen. Die Wahrscheinlichkeit hängt also daran, wie viel ungeklärtes Abwasser in das Gewässer gelangt, und nicht an der Landesgrenze. Ein Bach oberhalb aller Siedlungen in den Alpen ist eine andere Lage als ein Fluss unterhalb einer Stadt — und zwar unabhängig davon, in welchem Land beide liegen.
Trotzdem ist die grobe Einteilung nach Region brauchbar, weil die Abwasserbehandlung regional geregelt ist. Wer sich unsicher ist, hat zwei Wege: Kombination oder Abkochen.
Filter allein
Quellen oberhalb von Siedlungen, kein Abwassereintrag zu erwarten.
- erfasst Protozoen ohne Vorbehalt — die Klasse, an der Chemie scheitert
- wirkt sofort, ohne Wartezeit und ohne Strom
- entfernt zugleich Schwebstoffe
- erfasst Viren nicht, wenn er nur über Größenausschluss wirkt
- kann durch Frost unbemerkt beschädigt werden
- Durchfluss sinkt mit der Verblockung
Filter plus Chemie
Regionen mit möglichem Abwassereintrag, Fernreisen, unklare Lage.
- deckt alle drei Keimklassen ab
- die Tabletten wiegen fast nichts und sind zugleich Rückfallebene
- die Chemie arbeitet im geklärten Wasser hinter dem Filter unter guten Bedingungen
- Einwirkzeit von mindestens 30 Minuten nach dem Filtern
- Geschmack, sofern kein Neutralisator verwendet wird
- zwei Systeme statt einem
Abkochen
Trübes Wasser, Zweifel an der Ausrüstung, ohnehin geplante warme Mahlzeit.
- erfasst nach den WHO-Daten alle drei Klassen
- wirkt auch in trübem Wasser und in großer Höhe
- braucht kein Gerät, das ausfallen kann
- kostet rund 18 g Gas je Liter
- kostet Zeit zum Kochen und zum Abkühlen
- für die volle Tagestrinkmenge selten praktikabel
Frage drei: Wie viel Wasser muss durch?
Die Menge entscheidet über die Bauart, nicht über das Verfahren.
Ein Tauchstab, der eine Dreiviertelliter-Flasche in neunzig Sekunden behandelt, braucht für sechs Liter Abendbedarf zwölf Minuten und acht Ladungen Aufmerksamkeit. Ein Schwerkraftfilter, den man an einen Ast hängt, macht dieselbe Menge nebenbei, während das Zelt steht. Eine Tablette behandelt einen Liter genauso schnell wie zehn — sie braucht nur den passenden Behälter.
Wie viel Wasser für die eigene Tour zusammenkommt, rechnet der Brennstoff- und Wasserbedarfsrechner aus; die Aufteilung in Trinken, Kochen und Hygiene steht in Wie viel Wasser du zwischen zwei Quellen trägst.
Frage vier: Was passiert, wenn das Verfahren ausfällt?
Jedes der vier Verfahren hat eine typische Ausfallart, und für jede gibt es eine Rückfallebene, die fast nichts wiegt.
Der Filter verblockt oder friert. Beides ist im Gebirge realistisch. Ein Streifen Tabletten im Deckelfach ist die Antwort — und deckt zufällig genau die Klasse ab, die der Filter offenlässt.
Der Akku ist leer. Bei UV-Geräten das häufigste Problem, verstärkt durch Kälte. Auch hier: Tabletten, oder abkochen.
Das Gas fördert nicht mehr. Dann fällt das Abkochen aus. Warum das im Frost passiert und was dagegen hilft, steht in Warum die Gaskartusche bei Kälte nachlässt.
Die Tabletten sind alle. Der einzige Fall, in dem ein Filter die Rückfallebene ist. Deshalb ergänzen sich die beiden so gut.
Die Frage, die man dem Hersteller stellen muss
Nicht „hält das Viren zurück?“, sondern: welche log-Reduktion gegen welchen Prüfkeim nach welchem Protokoll?
Das WHO Harmonized Testing Protocol arbeitet ausschließlich in log-Stufen je Keimklasse und nennt für Viren die Bakteriophagen MS-2 und phiX-174 als Prüfkeime. Auch die Handelsbezeichnung Purifier ist kein geschützter Begriff. Eine Angabe wie „entfernt 99,9999 Prozent aller Bakterien“ ist damit vergleichbar, eine Angabe wie „reinigt zuverlässig“ ist es nicht. Und eine Porengröße in Mikrometern ist keine Leistungsangabe, sondern eine Bauartbeschreibung — die Begründung dafür steht in Was 0,1 Mikrometer zurückhält.
Die Kette in vier Zeilen
Trübes Wasser? → filtern oder abkochen; Chemie und UV scheiden aus.
Viren möglich? → Filter allein reicht nicht; Chemie dazu oder abkochen.
Große Mengen? → Schwerkraftfilter oder Tabletten im Sammelbehälter statt Stab und Flasche.
Ausfall eingeplant? → das leichteste zweite Verfahren dazu, meist ein Streifen Tabletten.
Welche Keime hinter den drei Klassen stehen, steht in Was im Bachwasser lebt; die Einordnung aller vier Verfahren mit den WHO-Stufen im Themenbereich Wasser und Filter.