Die Frage „wie viel Wasser brauche ich?“ hat einen belastbaren Referenzwert und eine Menge Schätzungen darüber. Diese Seite trennt beides sichtbar, statt die Schätzungen mit der Autorität des Referenzwerts zu versehen.

Wichtiger als die Tagessumme ist ohnehin eine andere Zahl: wie viel Wasser gleichzeitig getragen werden muss. Ein Liter wiegt ein Kilogramm — mehr als der Schlafsack pro Liter Packvolumen und mehr als die meisten Einzelposten auf der Packliste.

Der einzige Referenzwert, den es gibt

Die EFSA nennt 2,0 Liter je Tag für Frauen und 2,5 Liter für Männer — und schränkt diesen Wert im selben Atemzug dreifach ein.

Referenzwert für die Gesamtwasserzufuhr

Frauen
2,0 l je Tag Adequate Intake nach EFSA
Männer
2,5 l je Tag Adequate Intake nach EFSA
Gilt für
gemäßigte Temperatur, mittlere Aktivität körperliches Aktivitätsniveau PAL 1,6
Enthalten ist
auch das Wasser aus Lebensmitteln nicht nur Getränke

Fundstelle: EFSA Journal 2010;8(3):1459, Scientific Opinion on Dietary Reference Values for water

Alle drei Einschränkungen zielen an einer Mehrtagestour vorbei. Die Temperatur ist nicht gemäßigt, wenn die Sonne auf einen Südhang scheint. Das Aktivitätsniveau entspricht nicht PAL 1,6, wenn man mit zwölf Kilo achthundert Höhenmeter steigt. Und das Wasser aus Lebensmitteln fällt fast weg, wenn die Verpflegung aus Trockenware besteht — was sie auf einer Trekkingtour meist tut, wie Kilojoule je Gramm zeigt.

Die drei Posten und warum sie sich verschieden verhalten

Trinken, Kochen, Hygiene — nur der erste Posten hängt am Wetter.

Trinkwasser ist die einzige Größe, die mit Aktivität und Temperatur steigt, und sie steigt kräftig. Sie ist zugleich die einzige, die auf der Etappe gebraucht wird.

Kochwasser hängt an der Zahl der warmen Mahlzeiten und sonst an nichts. Ein halber Liter je Mahlzeit und Person ist die Rechengröße dieser Seite; sie steht auch hinter der Brennstoffrechnung in Vom Liter Wasser zum Gramm Gas.

Hygienewasser ist praktisch konstant und klein — ein halber Liter je Person und Tag für Zähne, Hände und Geschirr. Es fällt am Lagerplatz an, nie unterwegs.

Angenommener Trinkwasserbedarf je Person und Tag in Litern — Planungsannahmen dieser Seite, keine Norm
Aktivität0 °C10 °C20 °C30 °C
gemütlich, wenig Höhenmeter2,0 l2,2 l2,9 l3,7 l
zügig, mit Höhenmetern2,8 l3,1 l4,0 l5,2 l
lange Etappe, schwerer Rucksack3,6 l4,0 l5,1 l6,7 l

Die Tabelle geht von einem Grundbedarf von 2,2 l aus und multipliziert ihn mit einem Aktivitäts- und einem Temperaturfaktor. Beide Faktoren sind gesetzt, nicht gemessen. Ihre Größenordnung ist der Punkt, nicht ihre zweite Stelle: Zwischen dem kühlen Bummeltag und der heißen langen Etappe liegt mehr als der Faktor drei.

Die Zahl, die im Rucksack zählt

Nicht der Tagesbedarf, sondern die Menge zwischen zwei Wasserstellen.

Wer alle zwei Stunden an einem Bach vorbeikommt, trägt nie mehr als einen halben Liter. Wer eine Karstlandschaft quert, trägt den Bedarf für sechs Stunden plus die Reserve für das Lager, falls dort nichts ist. Das sind bei zwei Personen leicht sechs Kilogramm — mehr als Zelt und Schlafsack zusammen.

Deshalb rechnet der Brennstoff- und Wasserbedarfsrechner diese Zahl getrennt aus. Er verteilt den Trinkanteil auf einen zehnstündigen Tag und multipliziert ihn mit der angegebenen Gehzeit zwischen zwei Quellen — Kochwasser und Hygienewasser bleiben außen vor, weil sie am Lagerplatz anfallen.

Was den Bedarf zusätzlich verschiebt

Vier Faktoren, die in keiner der Tabellen stehen, weil sie sich nicht sinnvoll beziffern lassen.

Höhe. In der Höhe verliert man über die Atmung mehr Wasser, weil die Luft trockener ist und die Atemfrequenz steigt. Die Größenordnung dieses Effekts lässt sich ohne Messung nicht seriös angeben — er ist da, und er wirkt nach oben.

Trockene Verpflegung. Der EFSA-Wert schließt das Wasser aus Lebensmitteln ein. Wer Nudeln, Trockenobst und Riegel isst, bekommt dieses Wasser nicht — er muss es trinken. Wie stark der Wassergehalt zwischen Verpflegungsarten schwankt, steht in Gefriergetrocknet gegen selbst gemischt.

Kälte. Bei Frost sinkt das Durstgefühl, der Bedarf sinkt weniger stark — das ist der Grund, warum die Temperaturstufe in der Tabelle unter fünf Grad nur auf 0,9 statt auf noch weniger fällt. Dazu kommt: Wasser, das im Schlauch gefriert, ist nicht verfügbar, auch wenn es dabei ist.

Kochen ersetzt Trinken nicht. Ein Liter Nudelwasser wird nicht getrunken, er wird abgegossen. Wer die Tagessumme aus Kochen und Trinken zusammenzieht, rechnet sich reich.

Was das für die Aufbereitung bedeutet

Je größer die Menge, desto mehr entscheidet die Bauart des Geräts und nicht das Verfahren.

Sechs Liter Abendbedarf sind mit einem Schwerkraftfilter eine Nebenbeschäftigung und mit einem UV-Tauchstab zwölf Minuten Arbeit in acht Portionen. Sechs Liter abkochen kostet nach der Rechnung in Abkochen: das Verfahren ohne Gerät rund hundert Gramm Gas — mehr als ein Drittel einer kleinen Kartusche, an einem Abend.

Die Wassermenge ist damit einer der Gründe, warum die Wahl des Verfahrens nicht allein an der Keimliste hängt. Die vollständige Entscheidungskette steht in Mitteleuropa oder Fernreise, die Einordnung aller vier Verfahren im Themenbereich Wasser und Filter.