Ein Stab in die Flasche, eine Minute rühren, fertig. UV-Entkeimung ist das schnellste der vier Verfahren und das einzige, das nichts ins Wasser einträgt — keinen Geschmack, keinen Rückstand, keine Wartezeit.
Der Preis dafür ist eine Bedingung, die sich nicht verhandeln lässt: Das Wasser muss klar sein. Und eine Frage bleibt offen, die bei keinem anderen Verfahren offen ist.
Wie UV überhaupt wirkt
Es tötet nicht, es macht vermehrungsunfähig — die Keime bleiben im Wasser.
Kurzwelliges ultraviolettes Licht schädigt die Erbsubstanz so, dass sich der Keim nicht mehr teilen kann. Er wird nicht aus dem Wasser entfernt, er wird unschädlich gemacht. Das ist ein grundlegend anderer Mechanismus als beim Filter, der aussortiert, und beim Oxidationsmittel, das zerstört.
Daraus folgt unmittelbar die wichtigste Einschränkung: Das Licht muss den Keim erreichen. Was im Schatten eines Schwebstoffteilchens liegt, bekommt keine Dosis ab.
Die Dosis, die eine Behörde verlangt
400 Joule je Quadratmeter — das entspricht 40 Millijoule je Quadratzentimeter.
Das Umweltbundesamt hat diesen Wert in einer Mitteilung nach Anhörung der Trinkwasserkommission festgelegt. Er bezieht sich auf die Bestrahlung, die in der genormten Testapparatur zu erbringen ist, und er ist an eine Leistungsanforderung gekoppelt: eine Reduktion der Testorganismen um 4 log-Stufen. Der Nachweis erfolgt über Biodosimetrie, also über die tatsächlich erzielte Keimreduktion, nicht über eine gerechnete Lampenleistung.
| Dosis | Wofür sie steht | Quelle |
|---|---|---|
| 400 J/m² (40 mJ/cm²) | Anforderung des Umweltbundesamtes an UV-Anlagen in der Trinkwasserversorgung; nachzuweisen über Biodosimetrie, sichert 4 log-Stufen bei den Testorganismen | Umweltbundesamt, Bundesgesundheitsblatt 2/1999 |
| 160 J/m² (16 mJ/cm²) | Dosis, bei der nach dem WHO-Protokoll die meisten vegetativen Bakterien einschließlich der Coliformen erfasst werden | WHO Harmonized Testing Protocol v2.1 (2018) |
| 100 J/m² (10 mJ/cm²) | Dosis, bei der nach dem WHO-Protokoll 3 bis 4 log-Stufen gegen Cryptosporidium und Giardia erreicht werden | WHO Harmonized Testing Protocol v2.1 (2018) |
Die Tabelle zeigt eine Reihenfolge, die viele überrascht: Protozoen brauchen die niedrigste Dosis. Zehn Millijoule je Quadratzentimeter genügen nach dem WHO-Protokoll für drei bis vier log-Stufen gegen Cryptosporidium und Giardia. Für Bakterien nennt dasselbe Dokument sechzehn.
Warum das die Rangfolge der anderen Verfahren umkehrt
Bei UV ist ausgerechnet die Klasse am empfindlichsten, die sonst am widerstandsfähigsten ist.
Cryptosporidium ist der Erreger, an dem chemische Mittel scheitern — das WHO-Protokoll prüft Desinfektionsmittel deshalb gar nicht erst gegen ihn, wie Chlor, Chlordioxid, Silber zeigt. Bei UV ist er der leichteste Fall. Deshalb erlaubt das Protokoll bei UV-Geräten eine Vereinfachung, die es sonst nirgends erlaubt: Die Protozoenleistung darf aus der Bakterienleistung abgeleitet werden, weil die Bakterien der konservativere Maßstab sind.
Die Frage, die bei UV offen bleibt
Viren gelten als die UV-widerstandsfähigste Klasse — und das WHO-Protokoll lässt für sie gerade keine Ableitung zu.
Das ist die entscheidende Asymmetrie. Bei einem UV-Gerät darf die Protozoenleistung aus der Bakterienleistung geschlossen werden, die Virusleistung nicht. Ob ein bestimmtes Gerät die Virusstufe erreicht, steht damit ausschließlich in seinem eigenen Prüfbericht.
Für den Käufer heißt das: Die Frage an den Hersteller lautet nicht „hält das Viren zurück?“, sondern „welche log-Reduktion gegen welchen Prüfkeim ist nach welchem Protokoll nachgewiesen?“. Wer darauf keine Antwort bekommt, hat keine.
| Keimklasse | Erfasst? | Begründung |
|---|---|---|
| Protozoen | ja | Das WHO-Protokoll bezeichnet Cryptosporidium ausdrücklich als UV-empfindlich und nennt 3 bis 4 log-Stufen bei einer Dosis von 10 mJ/cm² — sowohl für Cryptosporidium als auch für Giardia. Deshalb darf die Protozoenleistung bei UV-Geräten aus der Bakterienleistung abgeleitet werden. Die ältere Einschätzung des Umweltbundesamtes von 1999 ist damit überholt. |
| Bakterien | ja | Das WHO-Protokoll nennt die meisten vegetativen Bakterien einschließlich der Coliformen als empfindlich gegenüber einer Dosis von 16 mJ/cm². |
| Viren | nur mit Nachweis | Viren gelten als die UV-widerstandsfähigste der drei Klassen; das WHO-Protokoll lässt für UV-Geräte gerade keine Ableitung der Virusleistung zu, sondern nur die der Protozoenleistung. Ob ein bestimmtes Gerät die Virusstufe erreicht, steht damit ausschließlich in seinem Prüfbericht. |
Die Trübung ist der harte Ausschlussgrund
Das Umweltbundesamt verlangt, dass vor der UV-Bestrahlung die Anforderungen an Trübung sowie an Eisen- und Mangangehalt eingehalten sind.
Diese Bedingung steht nicht als Empfehlung dort, sondern als Voraussetzung. Der Grund ist der Mechanismus: Ein Schwebstoffteilchen wirft einen Schatten, und was im Schatten liegt, bekommt keine Dosis. Eisen und Mangan färben das Wasser und absorbieren das Licht, bevor es wirken kann.
Für die Tour bedeutet das eine Reihenfolge, die sich nicht umdrehen lässt: erst klären, dann bestrahlen. Ein Vorfilter, ein Kaffeefilter oder ein Tuch reicht dafür oft schon; wer ohnehin einen mechanischen Filter dabeihat, hat den Schritt erledigt.
Was in der Praxis über UV entscheidet
Vier Punkte, von denen nur einer mit der Strahlung zu tun hat.
Die Stromversorgung. UV-Geräte brauchen Akku oder Batterien, und beide verlieren in der Kälte Kapazität. Auf einer Wintertour ist das ein echter Ausfallgrund — anders als beim Filter, der nur einfriert, wenn man ihn nass liegen lässt, und anders als bei Tabletten, denen Frost gleichgültig ist.
Die Gefäßform. Ein Tauchstab muss eine Flasche mit passender Öffnung haben, und er muss das ganze Volumen erreichen. Bei einem Zwei-Liter-Beutel wird das schwierig.
Die Behandlungsmenge. Ein Gerät, das eine Dreiviertelliter-Flasche in neunzig Sekunden behandelt, braucht für sechs Liter Abendbedarf zwölf Minuten und acht Ladungen Aufmerksamkeit. Wie viel Wasser das für die eigene Tour ist, rechnet der Brennstoff- und Wasserbedarfsrechner aus.
Die Klarheit des Wassers. Siehe oben — und das ist der Punkt, an dem die Entscheidung zwischen UV und Filter meist fällt, nicht an der Keimliste. Welches Verfahren zu welcher Tour passt, steht in Mitteleuropa oder Fernreise; die Einordnung aller vier Verfahren im Themenbereich Wasser und Filter.