Überflüssige Ausrüstung verrät sich selbst: Sie kommt ungenutzt wieder nach Hause. Überflüssige Verpflegung tut das nicht — sie wird am vorletzten Abend gegessen, weil sie nun einmal da ist, und fällt deshalb nie auf.

Das ist der Grund, warum in vielen Rucksäcken Jahr für Jahr dieselben zwei Kilogramm zu viel mitgehen. Dieser Artikel ist der verpflichtende „Das brauchst du nicht“-Artikel dieses Themenbereichs. Er nennt keine Produkte, die man stattdessen kaufen soll.

Das Prüfkriterium: der Rückweg, nicht die Vorbereitung

Am Ende der Tour den Verpflegungsbeutel auskippen und wiegen. Was dort liegt, war zu viel — mit genau einer Ausnahme.

Die Ausnahme ist die ausgewiesene Reserveration. Sie soll übrig bleiben; das ist ihr Zweck. Alles andere, was übrig ist, war Ballast: eingepackt aus Unsicherheit, nicht aus Planung.

Der Test ist deshalb so verlässlich, weil er keine Selbsteinschätzung verlangt. Er misst, was tatsächlich gegessen wurde, gegen das, was mitgegangen ist. Zwei Touren genügen, um die eigene Tagesmenge auf hundert Gramm genau zu kennen — und diese Zahl ist mehr wert als jede fremde Tabelle. Der Rechenweg von der Energiemenge zum Packgewicht steht in Vier Tage Verpflegung.

Die zweite Reserve neben der ersten

Der häufigste Posten dieser Liste, und der einzige, der aus einem guten Motiv entsteht.

Wer eine Reserveration einplant und zusätzlich eine „Notfallration“ einsteckt, trägt dieselbe Absicherung zweimal. Beide sind für den Fall gedacht, dass ein Tag länger dauert als geplant, und dieser Fall tritt nicht zweimal ein. Sinnvoll ist eine einzige, benannte Reserve, die man wiederfindet — und die man nicht am zweiten Abend anbricht, weil sie im Beutel neben dem Abendessen liegt.

Trekkingnahrung für jede Mahlzeit

Gefriergetrocknete Fertiggerichte sind ein gutes Abendessen und ein teures Frühstück.

Ihr Vorteil liegt beim Trockengewicht und beim Aufwand am Abend. Für Frühstück und Unterwegs-Verpflegung bringen sie beides nicht: Haferflocken, Nüsse und Trockenobst aus dem Supermarkt erreichen dieselbe Energiedichte, kosten einen Bruchteil und brauchen kein heißes Wasser. Was die beiden Wege wirklich trennt — und wo das Wasser hineinspielt —, steht in Gefriergetrocknet gegen selbst gemischt.

Das Gewürzsortiment

Salz, und wenn es sein muss, eine zweite Sache. Der Rest ist Küchenausstattung in Miniaturform.

Der Punkt ist nicht das Gewicht — fünf Döschen wiegen wenig. Der Punkt ist, dass sie stellvertretend für ein Denkmuster stehen: Die Tourenküche wird als kleine Version der Küche zu Hause gepackt statt als das, was sie ist. Dasselbe Muster in der Ausrüstung behandelt Küchenausrüstung, die zu Hause bleiben kann.

Frischware über den ersten Tag hinaus

Tomaten, Gurke, ein Apfel für den ersten Mittag: völlig in Ordnung, wenn es der erste Mittag ist.

Frischware trägt nach den Rechenannahmen dieser Seite den mit Abstand höchsten Wasseranteil und liefert je Gramm am wenigsten. Für den ersten halben Tag ist das eine bewusste Entscheidung für Genuss, und die darf man treffen. Für Tag drei ist es eine Fehleinschätzung der Haltbarkeit — was ohne Kühlung überhaupt so lange durchhält, steht in Was vier Tage ohne Kühlung übersteht.

Die Vorratsdose, die im Rucksack landet

Verpackungen aus dem Laden sind auf Regalstapelung ausgelegt, nicht auf Rucksäcke. Dosen, Gläser und steife Kartons tragen Gewicht und Volumen, das nichts liefert.

Umpacken in Beutel löst das — aber nur, solange es beim Umpacken bleibt. Wer dafür ein System aus wiederverwendbaren Hartbehältern anschafft, hat das Problem gegen ein leichteres Problem getauscht und trotzdem Gewicht gekauft.

Nahrungsergänzung und Spezialpulver

Hier hält sich dieser Artikel bewusst zurück, und zwar aus einem sachlichen Grund.

Der prüfbare Teil ist die Doppelung. Wer ein Elektrolytgetränk mitnimmt und salzt und Brühe trinkt, hat dieselbe Absicht dreimal eingepackt.

Das Besteck für die Verpflegung

Ein Löffel. Wer die Verpflegung so plant, dass sie ein Messer verlangt, hat zusätzlich zum Messer auch das Schneidbrett eingeplant — und ist damit beim Muster aus dem Abschnitt über Gewürze.

Die Menge selbst

Der unangenehmste Posten, weil er keine Zutat ist, sondern eine Zahl.

Die meisten überschätzen, wie viel sie unterwegs essen — vor allem am ersten und zweiten Tag, an denen der Appetit oft hinter der Belastung zurückbleibt. Wer seine geplante Tagesenergie aus der Vorstellung ableitet, dass Wandern hungrig macht, plant regelmäßig zu hoch. Die Korrektur ist nicht Verzicht, sondern Messung: die tatsächlich gegessene Menge einer vergleichbaren Tour als Ausgangswert nehmen statt einer Annahme.

Woran nicht gespart wird

Drei Posten, bei denen die Rechnung keine Rolle spielt.

Die ausgewiesene Reserve. Ein zusätzlicher halber bis ganzer Tag, benannt und getrennt verpackt. Das ist kein Ballast, sondern der Grund, warum der Rest knapp kalkuliert werden darf.

Etwas, das ohne Kochen essbar ist. Wenn der Kocher ausfällt, das Gas leer ist oder das Wetter kein Kochen zulässt, entscheidet dieser Posten darüber, ob die Tour weitergeht oder abgebrochen wird. Was dabei tatsächlich funktioniert, steht in Vier Tage ohne Kocher.

Die geplante Energiemenge. An ihr zu sparen macht die gesamte Planung wertlos: Die Rechnung geht von einer gewünschten Energiemenge aus, und wer diese Menge kürzt, um Gewicht zu sparen, hat kein leichteres Gepäck, sondern eine andere Tour. Die untere Grenze ist ohnehin physikalisch gesetzt, weil Fett nach Anhang XIV der EU-Lebensmittelinformationsverordnung 37 Kilojoule je Gramm trägt und mehr kein Lebensmittel liefert — die Herleitung steht in 37 Kilojoule je Gramm.

Was die Streichliste praktisch bringt

Wer die Posten oben zusammenzählt, landet je nach Packweise bei einem bis zwei Kilogramm. Das ist kein spektakulärer Betrag — aber es ist Gewicht, das ohne jede Anschaffung verschwindet, und es verschwindet aus dem Posten, der ohnehin am ersten Tag am schwersten ist.

Die Einordnung des ganzen Themenbereichs steht unter Verpflegung planen, und der Brennstoff- und Wasserbedarfsrechner rechnet Verpflegung, Brennstoff und Wasser in einem Durchgang — dort sieht man am schnellsten, welcher Posten die Zahl wirklich bewegt.

FAQ

Wie trennt man die Reserve so, dass sie nicht nebenbei aufgegessen wird?

Getrennt verpacken und beschriften, am besten ganz unten im Rucksack. Solange sie im selben Beutel wie das Abendessen liegt, ist sie keine Reserve, sondern ein Nachschlag.

Gilt „was übrig bleibt, war zu viel“ auch für eine Tour, die früher endete?

Nein. Der Test funktioniert nur beim Vergleich vergleichbarer Touren. Eine abgebrochene oder verkürzte Tour liefert keine brauchbare Zahl — dort ist der Überschuss genau der geplante.

Ist es nicht sicherer, etwas mehr mitzunehmen?

Als Argument für eine benannte Reserve: ja. Als Argument für unbestimmten Überschuss: nein, weil es keine Menge gibt, bei der dieses Argument endet. Genau darin liegt der Unterschied zwischen Reserve und Ballast.