Über die Beine wird bei Trekkingstöcken viel geschrieben. Über die Arme fast nichts — obwohl dort ankommt, was die Beine abgeben. Es gibt eine Untersuchung, die genau das gemessen hat, und ihre Zahl ist überraschend groß.
Die Zahl
Marc Hagen, Ewald Hennig und Petra Stieldorf ließen 2011 vierundzwanzig Nordic-Walking-Lehrkräfte über eine mit Kunstrasen belegte Bahn gehen und laufen, bei vier vorgegebenen Geschwindigkeiten. Neben Bodenreaktionskräften und Fußpronation zeichneten sie die Stoßwellenübertragung zum rechten Handgelenk auf.
- Beschleunigung am Handgelenk
- bis 7,6 g Das 7,6-Fache der Erdbeschleunigung, gemessen beim Nordic Walking.
- Lastanstiegsrate gegenüber Laufen
- − 36 % Bei 8 und 8,5 km/h. Für die Beine ist Nordic Walking die schonendere Fortbewegung.
- Pronationsgeschwindigkeit gegenüber Laufen
- − 59 % Ebenfalls zugunsten des Gehens mit Stöcken.
- Gegenüber Gehen ohne Stöcke
- höhere Lastanstiegsraten Auch Horizontalkräfte, Pronation und Pronationsgeschwindigkeit lagen höher — mit Ausnahme des zweiten Kraftgipfels.
- Teilnehmende
- 24 Lehrkräfte Also Personen mit sauberer Technik — nicht Gelegenheitsnutzende.
Fundstelle: Hagen M, Hennig EM, Stieldorf P: Lower and upper extremity loading in nordic walking in comparison with walking and running. Journal of Applied Biomechanics 27(1), 22–31, 2011, DOI 10.1123/jab.27.1.22, PMID 21451179.
Der Befund hat zwei Seiten, und beide gehören zusammen genannt. Gegenüber dem Laufen ist Gehen mit Stöcken deutlich schonender — die Autoren empfehlen es ausdrücklich als Sportart mit geringer Stoßbelastung. Gegenüber dem Gehen ohne Stöcke liegen dagegen die Lastanstiegsraten und die Horizontalkräfte höher, und am Handgelenk kommen Stöße an, die es beim Gehen ohne Stöcke nicht gibt.
Die Autoren ziehen daraus zwei Konsequenzen: kräftigende Übungen für die Armmuskulatur und die Verwendung stoßdämpfender Stöcke.
Wie viel Arbeit die Arme übernehmen
Foissac und Kollegen haben das 2008 am Laufband mit 20 Prozent Steigung gemessen: Die EMG-Aktivität der Beinmuskeln sank um rund 15 Prozent, die der Armmuskeln stieg um rund 95 Prozent.
Das Verhältnis ist der Kern der Sache. Fünfzehn Prozent weniger an einer großen Muskelmasse werden durch fünfundneunzig Prozent mehr an einer kleinen erkauft — und die kleine ist bei den meisten Wandernden die untrainierte. Wer nach dem ersten Stocktag Muskelkater im Trizeps hat, hat nichts falsch gemacht; er hat nur zum ersten Mal mit den Armen gearbeitet. Wie sich das über Steigung und Gefälle verteilt, steht in Bergauf, eben, bergab.
Was ein Antishock-System belegbar leistet
Nichts, was gemessen wäre.
Die Empfehlung von Hagen und Kollegen ist eine Schlussfolgerung aus einer Messung an ungefederten Stöcken: Sie haben festgestellt, dass am Handgelenk erhebliche Stöße ankommen, und daraus abgeleitet, dass eine Dämpfung sinnvoll wäre. Ob eine Federung diese Stöße tatsächlich verringert und ob das einen Unterschied für Beschwerden macht, hat niemand geprüft, dessen Arbeit sich hier finden ließ.
Was dagegen bekannt ist: Ein Antishock-System kostet Gewicht und ist ein weiteres Bauteil, das ausfallen kann. Beim Aufstützen bergauf federt es außerdem einen Teil der Kraft weg, die man gerade übertragen will — deshalb lassen sich die meisten Systeme abschalten.
Was daraus praktisch folgt
- Die Schlaufe trägt, nicht die Faust. Wer den Griff dauerhaft fest umklammert, arbeitet mit Unterarm und Hand gegen jeden Stoß. Die Schlaufe von unten zu fassen und die Hand darauf abzustützen, verlagert die Last auf den Handballen. Eine Messung, die beide Griffarten vergleicht, liegt nicht vor — belegt ist nur, dass am Handgelenk erhebliche Stöße ankommen.
- Bei Blockgelände und Klettersteigen sind die Schlaufen ab. Ein Sturz mit der Hand in der Schlaufe hat eine andere Mechanik als ein Sturz mit freier Hand. Auch hier: Der Ratschlag ist verbreitet, eine Untersuchung dazu ließ sich nicht finden.
- Untrainierte Arme sind das eigentliche Limit. Nicht die Federung, nicht der Werkstoff. Warum das Gewicht der Stöcke dabei fast keine Rolle spielt, steht in Aluminium, Carbon und die Frage, ob das Gewicht zählt.
- Wer nur wegen der Knie zu Stöcken greift, sollte wissen, was das andere Ende kostet — die Auswertung dazu steht in Wie stark Stöcke die Gelenke entlasten, die Einordnung des Themenbereichs unter Trekkingstöcke: was gemessen ist.
Wie lang eine Etappe wird, auf der die Arme durchhalten müssen, rechnet der Tourenzeit-Rechner aus Strecke und Höhenmetern.
FAQ
Kann man vom Stockgehen Sehnenscheidenentzündung bekommen?
Die Autoren von Hagen und Kollegen 2011 halten fest, dass die hohen Handgelenksbeschleunigungen Überlastungsschäden der oberen Extremität verursachen können, und empfehlen vorbeugende Kräftigung. Eine Häufigkeitszahl oder eine Zuordnung zu einem bestimmten Krankheitsbild geben sie nicht an — und dieser Text tut es deshalb auch nicht.
Sind gepolsterte Griffe besser als Kork?
Dazu ließ sich keine Untersuchung finden. Die Unterschiede, die man beschreiben kann, sind Feuchtigkeitsaufnahme und Griffigkeit bei Nässe, nicht Dämpfung.