Die Preisstufen bei Trekkingstöcken folgen fast ausschließlich einem Kriterium: dem Gewicht. Ein Paar Aluminiumstöcke wiegt grob eine halbe bis dreiviertel Kilo, ein Paar Carbonstöcke deutlich weniger, und der Preisunterschied ist erheblich.

Die Frage ist also nicht, ob Carbon leichter ist. Sie lautet, ob dieses Gewichtsdifferenzial beim Gehen etwas ausmacht. Dazu gibt es eine Untersuchung, die genau das geprüft hat — und ihr Ergebnis ist unbequem.

Was drei Stockmassen im Vergleich ergaben

Marie-Julie Foissac und vier Kollegen ließen 2008 elf Personen auf einem Laufband mit 20 Prozent Steigung gehen, mit 3 Kilometern pro Stunde. Geprüft wurden drei Stockmassen — 240, 300 und 360 Gramm — dazu drei Varianten der Massenverteilung und drei Schrittfrequenzen. Aufgezeichnet wurden Sauerstoffverbrauch und EMG von neun Muskeln.

Foissac und Kollegen 2008: Wirkung der Stockmasse
Geprüfte Massen
240 · 300 · 360 g Deckt die marktübliche Spanne von leichtem Carbon bis solidem Aluminium ab.
Sauerstoffverbrauch
kein Unterschied Auch die zusätzlichen 360 g als reine Handmasse erhöhten ihn nicht.
Einzige messbare Änderung
Bizeps + 55 % Bei 360 g gegenüber der leichtesten Bedingung.
Schlussfolgerung der Autoren
Wirkung der Masse begrenzt Ausdrücklich bezogen auf am Markt erhältliche Stöcke.

Fundstelle: Foissac MJ, Berthollet R, Seux J, Belli A, Millet GY: Effects of hiking pole inertia on energy and muscular costs during uphill walking. Medicine & Science in Sports & Exercise 40(6), 1117–1125, 2008, DOI 10.1249/MSS.0b013e318167228a, PMID 18460993.

Die Übersichtsarbeit von Saller und Kollegen 2023, die acht Arbeiten zu Stocklänge und Stockmasse auswertet, kommt zum gleichen Schluss: Die Masse der Stöcke zeigte keinen wesentlichen Einfluss auf Sauerstoffverbrauch, Anstrengungsempfinden oder Herzfrequenz — allein die Aktivität des Bizeps nahm mit der Stockmasse zu.

Der Vergleich zur Stocklänge ist aufschlussreich: Dieselbe Übersicht hält fest, dass die Länge einen deutlich größeren Einfluss hat als die Masse. Wer Aufwand investieren will, investiert ihn also in die richtige Einstellung, nicht in achtzig Gramm weniger.

Wofür das Gewicht dann doch zählt

Für zwei Dinge, die mit dem Gehen nichts zu tun haben.

Für den Rucksack. Ein Paar Stöcke wiegt so viel wie ein Fleecepullover. Wer sie streckenweise nicht in der Hand hat, trägt sie außen am Rucksack — und dort zählt jedes Gramm wie jedes andere. Das gehört ins Basisgewicht, nicht in die Ergonomie; der Basisgewicht-Manager führt sie in derselben Spalte wie das Zelt.

Für das Handgelenk. Foissacs einziger Befund — die höhere Bizepsaktivität bei schwereren Stöcken — passt zu dem, was Hagen und Kollegen 2011 am Handgelenk gemessen haben. Über eine Tagesetappe summiert sich das zu einer Größe, die keine der Untersuchungen erfasst hat, weil alle im Bereich von Minuten bis zu einer Stunde messen. Mehr dazu in Was die Arme dabei aushalten.

Was Aluminium und Carbon tatsächlich unterscheidet

Nicht die Anstrengung, sondern das Verhalten im Schadensfall. Für beides gibt es keine Norm und damit keine vergleichbare Kennzahl — die folgende Gegenüberstellung beschreibt Werkstoffeigenschaften, keine geprüften Werte.

Aluminiumlegierung

Geröll, Blockgelände, lange Reisen — überall dort, wo ein Schaden reparabel bleiben soll.

Stärken
  • verbiegt sich unter Überlast, statt zu brechen — ein verbogener Stock trägt oft noch
  • lässt sich im Feld notdürftig zurückbiegen
  • gegen punktuelle Schläge und Klemmkräfte unempfindlicher
  • deutlich günstiger
Schwächen
  • schwerer
  • eine einmal verbogene Stelle bleibt eine Schwachstelle
  • überträgt Vibrationen spürbarer

Carbonfaser-Verbund

Wenn jedes Gramm im Rucksack zählt und das Gelände den Stock nicht seitlich einklemmt.

Stärken
  • leichter bei gleicher Steifigkeit
  • dämpft hochfrequente Vibrationen besser
  • steifer, dadurch direkteres Kraftgefühl beim Aufsetzen
Schwächen
  • versagt bei Überlast schlagartig statt allmählich
  • seitliche Belastung — etwa ein zwischen Steinen verklemmter Stock — ist der typische Bruchfall
  • Vorschädigungen sind von außen kaum erkennbar
  • im Feld praktisch nicht reparabel
  • teurer

Die praktische Ableitung

  • Wenn Gewicht Ihr Hauptkriterium ist, kaufen Sie Carbon — aber wegen des Rucksacks, nicht wegen der Anstrengung beim Gehen. Die ist nach zwei unabhängigen Arbeiten gleich.
  • Wenn Sie im Blockgelände, im Geröll oder mit Kindern unterwegs sind, spricht das Bruchverhalten für Aluminium. Der typische Schaden ist kein Bruch von oben, sondern ein seitlich verklemmter Stock.
  • Wenn Sie fliegen oder weit reisen, zählt Reparierbarkeit mehr als achtzig Gramm.
  • Wenn Sie unsicher sind, ist die günstigere Variante die vernünftigere: Was der teurere Werkstoff beim Gehen bringt, ist nicht belegt.

Was von einem Stockpaar sonst noch entbehrlich ist, steht in Trekkingstöcke: das brauchst du nicht. Welche Bauart des Verschlusses sich im Kalten und im Nassen bewährt, in Verschluss, Teller, Spitze. Die Einordnung des Themenbereichs steht unter Trekkingstöcke: was gemessen ist.

FAQ

Gibt es eine Untersuchung zu Carbon gegen Aluminium?

Nicht als Werkstoffvergleich am gehenden Menschen. Foissac und Kollegen haben Massen verglichen, nicht Werkstoffe — und die Masse war nach ihrem Ergebnis nicht entscheidend.

Wie schwer darf ein Stockpaar sein?

Dazu gibt es keine Empfehlung aus einer geprüften Quelle. Die einzige Zahl in diesem Zusammenhang ist die geprüfte Spanne von 240 bis 360 Gramm je Stock, in der kein Unterschied im Sauerstoffverbrauch messbar war.