Wie Tranters Korrektur Fitness und Ermüdung fasst, warum der zweite Tag der ehrliche ist und wieso in der Gruppe die langsamste Person zählt.
8 Min Lesezeit·Aktualisiert 31. August 2026·Geprüft 31. August 2026
Zwei Personen im steilen Grashang: Auf einer Mehrtagestour ist der zweite Tag der ehrliche — dann zeigt sich, ob Tempo und Etappen passen.
Foto: Kirill Lazarev / Pexels
Die Gehzeitformeln beschreiben einen durchschnittlichen Geher. Auf einer
Mehrtagestour weicht fast jeder davon ab — nach oben oder unten, und im Lauf der
Tage nach unten.
Wovon die Formeln ausgehen
Die DAV-Formel orientiert sich bewusst am langsameren Wanderer; Naismith
beschreibt „men in fair condition“ auf einer leichten Tour. Beide unterstellen
gutes Wetter, guten Weg und keine Pause. Wer regelmäßig unterwegs ist, geht
schneller; wer länger nicht auf Tour war, langsamer.
Dieselbe Etappe (16 km, je 900 hm, 14 kg Gepäck), zwei Konditionen
Geübt
4 h 55 min bis 7 h 5 minFaktor 0,85 im Rechner
Ungeübt
7 h 15 min bis 10 h 30 minFaktor 1,25 im Rechner
Unterschied
rund 2 h 50 minauf einer einzigen Etappe
Fundstelle: Tourenzeit-Rechner — der Konditionsfaktor ist eine Annahme dieser Seite, keine Formel
Tranters Korrektur
Der einzige verbreitete Versuch, Kondition in eine Rechnung zu fassen, stammt von
Philip Tranter. Er misst Fitness über einen Testanstieg: Wie lange braucht
man für 1.000 Fuß Höhengewinn (rund 300 Meter) auf einer halben Meile? Aus
diesem Wert und der nach Naismith berechneten Gehzeit liest man in einer Tabelle
die korrigierte Zeit ab.
Der Tourenzeit-Rechner bildet das gröber ab — über einen
Multiplikator von 0.85 bis
1.25 —, weil eine feinere Formel mehr Genauigkeit
vortäuschen würde, als die Sache hergibt.
Der zweite Tag ist der ehrliche
Am ersten Tag einer Mehrtagestour trägt die Vorfreude über vieles hinweg. Ab dem
zweiten zeigt sich, ob das Tempo passt:
Die Muskulatur ist vom Vortag vorbelastet, besonders vom Abstieg.
Der Schlaf im Zelt oder Biwaksack ist selten so erholsam wie zu Hause.
Der Rucksack ist zwar leichter geworden, aber die Schultern und Hüften sind
wund — was oft am Sitz liegt, nicht am Gewicht. Siehe
Wenn der Rucksack drückt.
Das Tempo einer Gruppe
In einer Gruppe zählt das Tempo der langsamsten Person — nicht als
Rücksichtnahme, sondern als Rechengröße. Langmuir empfiehlt, für Gruppen mit
4 km je Stunde und einer Stunde je 450 Höhenmeter Aufstieg zu rechnen
(statt 600). Wer die Etappen nach dem eigenen Tempo plant und dann in der Gruppe
geht, kommt regelmäßig im Dunkeln an.