Die Gehzeitformeln beschreiben einen durchschnittlichen Geher. Auf einer Mehrtagestour weicht fast jeder davon ab — nach oben oder unten, und im Lauf der Tage nach unten.

Wovon die Formeln ausgehen

Die DAV-Formel orientiert sich bewusst am langsameren Wanderer; Naismith beschreibt „men in fair condition“ auf einer leichten Tour. Beide unterstellen gutes Wetter, guten Weg und keine Pause. Wer regelmäßig unterwegs ist, geht schneller; wer länger nicht auf Tour war, langsamer.

Dieselbe Etappe (16 km, je 900 hm, 14 kg Gepäck), zwei Konditionen
Geübt
4 h 55 min bis 7 h 5 min Faktor 0,85 im Rechner
Ungeübt
7 h 15 min bis 10 h 30 min Faktor 1,25 im Rechner
Unterschied
rund 2 h 50 min auf einer einzigen Etappe

Fundstelle: Tourenzeit-Rechner — der Konditionsfaktor ist eine Annahme dieser Seite, keine Formel

Tranters Korrektur

Der einzige verbreitete Versuch, Kondition in eine Rechnung zu fassen, stammt von Philip Tranter. Er misst Fitness über einen Testanstieg: Wie lange braucht man für 1.000 Fuß Höhengewinn (rund 300 Meter) auf einer halben Meile? Aus diesem Wert und der nach Naismith berechneten Gehzeit liest man in einer Tabelle die korrigierte Zeit ab.

Der Tourenzeit-Rechner bildet das gröber ab — über einen Multiplikator von 0.85 bis 1.25 —, weil eine feinere Formel mehr Genauigkeit vortäuschen würde, als die Sache hergibt.

Der zweite Tag ist der ehrliche

Am ersten Tag einer Mehrtagestour trägt die Vorfreude über vieles hinweg. Ab dem zweiten zeigt sich, ob das Tempo passt:

  • Die Muskulatur ist vom Vortag vorbelastet, besonders vom Abstieg.
  • Der Schlaf im Zelt oder Biwaksack ist selten so erholsam wie zu Hause.
  • Der Rucksack ist zwar leichter geworden, aber die Schultern und Hüften sind wund — was oft am Sitz liegt, nicht am Gewicht. Siehe Wenn der Rucksack drückt.

Das Tempo einer Gruppe

In einer Gruppe zählt das Tempo der langsamsten Person — nicht als Rücksichtnahme, sondern als Rechengröße. Langmuir empfiehlt, für Gruppen mit 4 km je Stunde und einer Stunde je 450 Höhenmeter Aufstieg zu rechnen (statt 600). Wer die Etappen nach dem eigenen Tempo plant und dann in der Gruppe geht, kommt regelmäßig im Dunkeln an.

Wie die Pausen dazukommen — die eine Gruppe zusätzlich verlängert — steht in Pausen: der Zuschlag, den keine Formel enthält. Wie man Etappen zuschneidet, in Etappen planen: Gehzeit, Höhenmeter und Gepäck zusammen. Was man weglassen kann, um Kraft und Gewicht zu sparen, steht in Was die erste Mehrtagestour nicht braucht. Die Einordnung des Themas steht im Themenbereich Trekking.