Wer eine Gehzeit berechnet und danach losgeht, kommt fast immer später an als gedacht. Nicht weil die Formel falsch ist, sondern weil sie eine Sache ausdrücklich weglässt: die Pausen.
Die Formel rechnet ohne Pausen
Das Wegehandbuch der Alpenvereine stellt das klar: Die nach der DAV-Formel berechnete Zeit ist die reine Gehzeit. Pausen sind darin nicht enthalten, und das ist Absicht — eine Pause ist individuell, eine Schildzeit soll für alle gelten.
Als Anhaltspunkt nennt das Handbuch 5 bis 10 Minuten Pause je Gehstunde. Dazu kommt bei alpinen Touren die Zeit fürs An- und Ablegen von Ausrüstung (Steigeisen, Klettergurt), die mit bis zu 30 Minuten veranschlagt wird.
Was auf eine reine Gehzeit von 6 Stunden dazukommt
- Kurze Stopps
- 30 bis 60 min 5 bis 10 min je Gehstunde, Wegehandbuch
- Eine längere Rast
- 20 bis 45 min Mittagspause, Einkehr, Gipfelrast
- Zeitreserve für den Notfall
- mindestens 60 min Wegehandbuch-Empfehlung für Tagestouren
Fundstelle: Wegehandbuch der Alpenvereine, allgemeine Hinweise zur Tourenplanung
Wie der Tourenzeit-Rechner es ansetzt
Der Tourenzeit-Rechner legt auf die mittlere Gehzeit einen Pausenaufschlag oben drauf — als Annahme dieser Seite, nicht als Formel:
- 10 Minuten je Gehstunde,
- zusätzlich 30 min Rast ab 4 Stunden Gehzeit.
Für eine Beispieltour mit rund 5 h 55 min Gehzeit ergibt das etwa 89 min Pause — die geplante Zeit steigt damit auf 6 h 35 min bis 8 h 20 min.
Pausen sind auch Versorgung
Eine Pause ist selten nur Ausruhen. In ihr passiert:
- Trinken und Essen. Wer die Verpflegung nach Gewicht plant, plant sie für bestimmte Zeitpunkte — siehe Verpflegung planen: nach Gewicht, nicht nach Rezept.
- Wasser nachfüllen und aufbereiten. An einer Quelle Halt zu machen und zu filtern, kostet mehrere Minuten. Wie viel Wasser zwischen zwei Quellen mitmuss, steht in Wie viel Wasser du zwischen zwei Quellen trägst.
- Kleidung anpassen, Blasen versorgen, Karte prüfen.
All das findet im Stehen oder Sitzen statt und gehört damit in die Pausenzeit, nicht in die Gehzeit.
Die wichtigste Zeit ist die Umkehrzeit
Pausen kosten Zeit, aber sie sind planbar. Weniger planbar ist, was passiert, wenn eine Tour länger dauert als gedacht. Deshalb steht am Anfang jeder Bergtour eine Umkehrzeit — die Uhrzeit, zu der man den höchsten Punkt erreicht haben muss, sonst kehrt man um. Wie man sie festlegt, steht in Tourenplanung: Karte, Wetter, Wasser, Umkehrzeit. Wie die reine Gehzeit zustande kommt, auf die der Pausenaufschlag oben drauf kommt, steht in Gehzeit berechnen: DAV-Formel und Naismith im Vergleich. Die Einordnung des Themas steht im Themenbereich Wandern.