Wolken sind die einzige Wettervorhersage, die man auf dem Berg noch hat, wenn das Telefon nichts mehr anzeigt. Sie sagen nicht, ob es morgen regnet — aber sie verraten oft, was in den nächsten Stunden passiert.
Dieser Artikel gehört zum Themenbereich Technik & Skills. Die kurzfristigen Zeichen für einen Umschwung — Wind, Druck, Sicht — behandelt Wetterumschwung erkennen; wie man den Bericht vor der Tour liest, Den Wetterbericht vor der Tour lesen.
Wie die WMO Wolken ordnet
Das amtliche Klassifikationswerk ist der Internationale Wolkenatlas der Weltorganisation für Meteorologie (WMO-Nr. 407, Ausgabe 2017 (Manual on the Observation of Clouds and Other Meteors)). Er teilt alle Wolken in zehn Gattungen, und jede Wolke gehört zu genau einer. Die Einteilung läuft über zwei Merkmale:
- Das Stockwerk (die Höhe der Wolkenbasis). Für die gemäßigten Breiten, in denen Deutschland liegt:
| Stockwerk | Höhe | Gattungen |
|---|---|---|
| hoch | 5–13 km | Cirrus, Cirrocumulus, Cirrostratus |
| mittel | 2–7 km | Altocumulus, Altostratus, Nimbostratus |
| tief | 0–2 km | Stratocumulus, Stratus, Cumulus, Cumulonimbus |
- Die Form. Cirrus (Faser), Cumulus (Haufen), Stratus (Schicht), Nimbus (Regen) und ihre Kombinationen. „Alto-” steht fürs mittlere Stockwerk, „Cirro-” fürs hohe.
Cumulus und Cumulonimbus haben ihre Basis im tiefen Stockwerk, wachsen aber senkrecht — ein Cumulonimbus reicht bis an die Tropopause in über 10 km Höhe.
Die zehn Gattungen
Die Definitionen sind die des Wolkenatlas (deutsche Übertragung; das englische Original ist in der Quellenliste verlinkt). Die Spalte „In der Tourenpraxis” ist Beobachtungserfahrung, keine Vorhersage.
| Gattung | Kürzel | Stockwerk | WMO-Definition (gekürzt) | In der Tourenpraxis |
|---|---|---|---|---|
| Cirrus | Ci | hoch | Losgelöste Wolken in Form weißer, zarter Fäden oder überwiegend weißer Flecken oder schmaler Bänder. Sie haben ein faseriges (haarähnliches) Aussehen, einen seidigen Glanz oder beides. | Eiswolken in großer Höhe. Einzelne Cirrus-Büschel bedeuten nichts; nehmen sie über Stunden zu und ziehen sie einer Cirrostratus-Decke voraus, kündigt das oft eine Warmfront an. |
| Cirrocumulus | Cc | hoch | Dünner, weißer Fleck, dünnes Feld oder dünne Schicht ohne Schattierung, aus sehr kleinen, körnig oder gerippelt wirkenden Teilen, die verschmolzen oder getrennt und einigermaßen regelmäßig angeordnet sind. | Selten und kurzlebig. Volkstümlich „Schäfchenhimmel" im hohen Stockwerk — für sich genommen kein verlässliches Zeichen. |
| Cirrostratus | Cs | hoch | Durchsichtiger, weißlicher Wolkenschleier von faserigem (haarähnlichem) oder glattem Aussehen, der den Himmel ganz oder teilweise bedeckt und im Allgemeinen Halo-Erscheinungen hervorruft. | Der Ring um Sonne oder Mond (Halo) entsteht an den Eiskristallen dieser Schicht. Verdichtet sie sich und sinkt zu Altostratus ab, folgt in unseren Breiten häufig Regen innerhalb eines Tages. |
| Altocumulus | Ac | mittel | Weißes oder graues, oft weiß und grau gemischtes Feld, Blatt oder Schicht, meist mit Schattierung, aus Schollen, rundlichen Massen, Walzen und dergleichen, die verschmolzen sein können oder nicht. | Der klassische „Schäfchenhimmel". An einem sonst klaren Sommermorgen mit türmchenartigen Ansätzen (Altocumulus castellanus) ein bekanntes Vorzeichen für Wärmegewitter am Nachmittag. |
| Altostratus | As | mittel | Gräuliche oder bläuliche Wolkenschicht von streifigem, faserigem oder gleichförmigem Aussehen, die den Himmel ganz oder teilweise bedeckt und Stellen hat, die dünn genug sind, um die Sonne zumindest schwach erkennen zu lassen — wie durch Milchglas. | Anders als Cirrostratus zeigt Altostratus kein Halo. Wird die „Milchglassonne" ganz verdeckt und setzt Niederschlag ein, ist die Schicht in Nimbostratus übergegangen. |
| Nimbostratus | Ns | mittel | Graue, oft dunkle Wolkenschicht, deren Aussehen durch mehr oder weniger anhaltend fallenden Regen oder Schnee verwischt wird, der in den meisten Fällen den Boden erreicht. | Die Landregenwolke. Kein Zeichen mehr, das man deuten müsste — der Regen ist schon da und hält meist Stunden an. |
| Stratocumulus | Sc | tief | Graues oder weißliches, oft grau und weiß gemischtes Feld, Blatt oder Schicht, fast immer mit dunklen Teilen, aus mosaikartigen Feldern, rundlichen Massen, Walzen und dergleichen, nicht faserig (außer bei Fallstreifen). | Die häufigste Wolke über Mitteleuropa. Bringt meist keinen oder nur geringen Niederschlag; ein bedeckter, trüber Tag, aber kein Unwetterzeichen. |
| Stratus | St | tief | Meist graue Wolkenschicht mit ziemlich gleichförmiger Unterseite, die Sprühregen, Schnee oder Schneegriesel bringen kann. Ist die Sonne durch die Wolke sichtbar, hebt sich ihr Umriss klar ab. | Hochnebel. Auf Bergtouren die Wolke, aus der man nach oben heraussteigt — die Obergrenze liegt oft nur ein paar Hundert Meter über dem Talboden. |
| Cumulus | Cu | tief | Losgelöste Wolken, meist dicht und mit scharfen Umrissen, die sich senkrecht in Form aufsteigender Hügel, Kuppen oder Türme entwickeln, deren aufgewölbter oberer Teil oft an einen Blumenkohl erinnert. | Flache Schönwetter-Cumuli (Cumulus humilis) sind harmlos. Wachsen sie im Tagesverlauf steil in die Höhe (Cumulus congestus), ist der Weg zum Schauer oder Gewitter kurz. |
| Cumulonimbus | Cb | tief | Schwere, dichte Wolke von beträchtlicher senkrechter Ausdehnung in Form eines Bergs oder gewaltiger Türme. Mindestens ein Teil des oberen Bereichs ist glatt, faserig oder gestreift und fast immer abgeflacht; dieser Teil breitet sich oft in Form eines Ambosses oder einer weiten Feder aus. | Die Gewitterwolke. Der ausgezogene Amboss zeigt die Zugrichtung an. Ab hier zählt nicht mehr die Wolkendeutung, sondern das Verhalten bei Gewitter. |
Die eine Reihe, die man kennen sollte
Ein einzelner Wolkentyp am Himmel sagt wenig. Eine Abfolge sagt mehr. Die wichtigste ist das Bild einer heranziehenden Warmfront:
- Cirrus. Einzelne hohe Eisfäden, oft mit hakenförmigem Ende, ziehen von einer Seite auf und werden mehr.
- Cirrostratus. Die Fäden verschmelzen zu einem milchigen Schleier. Um Sonne oder Mond steht ein Halo — ein heller Ring. Der Wolkenatlas nennt Cirrostratus wörtlich die Gattung, die „im Allgemeinen Halo-Erscheinungen hervorruft”.
- Altostratus. Der Schleier sinkt und verdichtet sich; die Sonne steht nur noch „wie durch Milchglas”. Halo verschwindet.
- Nimbostratus. Grau, tief, Regen oder Schnee, der den Boden erreicht.
Zwischen Schritt 1 und Schritt 4 liegen in Mitteleuropa oft 12 bis 24 Stunden. Wer die Reihe morgens beginnen sieht, kann die Tour danach ausrichten.
Das andere Muster: Wärmegewitter
Ein klarer Sommermorgen, aber am Himmel stehen schon kleine Türmchen im mittleren Stockwerk (Altocumulus castellanus) — das gilt als Zeichen für labile Luft. Bilden sich dann über Mittag flache Cumulus-Wolken, die im Tagesverlauf steil in die Höhe wachsen (Cumulus congestus), ist der Weg zum Nachmittagsgewitter kurz. Solche Lagen plant man so, dass man vor dem frühen Nachmittag vom Gipfel weg ist — Tourenplanung und der Tourenzeit-Rechner helfen bei der Rückrechnung der Startzeit.