“Camping ist günstig” ist eine der verbreitetsten Annahmen im ganzen Themenfeld — und sie stimmt nur, solange man sie nicht nachrechnet.

Warum hier keine Preise stehen

Wie schon bei der Rechnung zum Fahrzeug-Camping gilt: Preise altern schneller als jeder Artikel. Was hier zählt, ist die Struktur der Rechnung, nicht eine Zahl, die morgen schon falsch wäre. Die überschreibbaren Startwerte stehen im Kosten-je-Nacht-Rechner und sind dort ausdrücklich als Setzung gekennzeichnet, nicht als Erhebung.

Dieselbe Dreiteilung gilt auch fürs einfache Zelt

Auch das Bodenzelt neben dem Auto besteht aus denselben drei Posten wie jede andere Übernachtungsform im Werkzeug:

  1. Abschreibung. Anschaffung abzüglich Restwert, verteilt auf die Zahl der Nächte in der Nutzungsdauer. Ein Zelt ist günstiger als ein Dachzelt oder ein Wohnmobil — aber nicht kostenlos, sobald es sich abnutzt und irgendwann ersetzt wird.
  2. Platzgebühr. Fällt für jede Form gleichermaßen an, solange derselbe Platz angefahren wird — für das Bodenzelt genauso wie für das Wohnmobil daneben. Details dazu, was ein Platz an Gebühr rechtfertigt, stehen in Was das Baurecht einem Campingplatz vorschreibt.
  3. Mehraufwand. Beim Bodenzelt entfällt der fahrzeugbezogene Mehrverbrauch aus dem Werkzeug, aber nicht jeder zusätzliche Aufwand: Wer für eine Tour extra anreist, statt ohnehin unterwegs zu sein, rechnet diese Fahrt der Übernachtung zu.

Das Ergebnis: Kein Posten ist bei null, nur alle drei sind kleiner als bei den fahrzeuggebundenen Formen. “Günstiger” ist etwas anderes als “kostenlos”.

Der eigentliche Hebel: wie oft die Ausrüstung genutzt wird

Wie schon beim Fahrzeug-Camping entscheidet nicht der Anschaffungspreis über die Kosten je Nacht, sondern die Zahl der Nächte, auf die sich die Abschreibung verteilt. Wer ein Zelt kauft und zehnmal im Jahr campt, teilt denselben Preis auf mehr Nächte auf als jemand, der es einmal im Jahr benutzt — und Ausrüstung, die ohnehin für Trekking angeschafft wurde und nun zusätzlich campend genutzt wird, wird dadurch günstiger, weil sich dieselbe Abschreibung auf mehr Nächte verteilt, nicht weil der Grundpreis sinkt.

Was das für den Vergleich mit Hotel oder Ferienwohnung bedeutet

Camping bleibt in aller Regel trotzdem günstiger als Hotel oder Ferienwohnung — die drei Posten zusammen liegen erfahrungsgemäß deutlich unter einem Übernachtungspreis mit Zimmerservice. Die Aussage “günstig” ist also nicht falsch. Falsch ist nur die Vorstellung, sie käme ohne eigene Rechnung zustande. Was auf dem Platz an Ausstattung wirklich nötig ist — und was den Vergleich unnötig verteuert —, steht in Was auf den Platz mitkommt und in Was auf dem Zeltplatz nichts tut. Die Systematik aller Platzarten ordnet der Themenbereich Camping ein.