Die Nachricht über den 10. Oktober 2026 erzeugt bei vielen Leuten dieselbe Reaktion: ein Blick in den Schrank und ein schlechtes Gefühl. Da hängt eine Hardshell, sieben Jahre alt, zweimal nachimprägniert, funktioniert tadellos — und ist vermutlich genau das, was seit diesem Tag beschränkt ist.

Die Antwort auf dieses Gefühl ist kurz und steht im Rechtstext selbst: Für diese Jacke hat sich am 10. Oktober 2026 nichts geändert, und am 10. Oktober 2027 und danach ändert sich auch nichts.

Was Eintrag 79 verbietet: Inverkehrbringen und Verwendung

Eintrag 79 verbietet beides: Ab dem jeweiligen Stichtag dürfen die erfassten Textilien „nicht in Verkehr gebracht oder verwendet werden“ (Absätze 1 und 2). Beide Begriffe sind in der REACH-Verordnung selbst definiert, und zwar weit.

„Inverkehrbringen“ ist nach Artikel 3 Nummer 12 die „entgeltliche oder unentgeltliche Abgabe an Dritte oder Bereitstellung für Dritte. Die Einfuhr gilt als Inverkehrbringen“. „Verwendung“ ist nach Artikel 3 Nummer 24 eine lange Aufzählung, die mit „jeder andere Gebrauch“ endet. Keine der beiden Definitionen unterscheidet zwischen einem Unternehmen und einer Privatperson.

Die bequeme Abkürzung — beschränkt sei nur der Verkauf, nicht das Tragen — steht deshalb nicht im Text. Dass die vorhandene Jacke trotzdem bleiben darf, hat einen anderen Grund: Der Eintrag nimmt ältere Erzeugnisse in zwei eigenen Absätzen aus, und zwar von seinem ganzen Verbot.

Die zwei Absätze, die Altbestände ausdrücklich ausnehmen

Der Eintrag 79 löst die Frage nicht durch Auslegung, sondern schreibt sie ausdrücklich hin — in zwei eigenen Absätzen.

Bestandsschutz im REACH-Anhang XVII, Eintrag 79
Absatz 7
Kleidung, Schuhe, Gemische Absatz 1 gilt nicht für Erzeugnisse und Gemische, die vor dem 10. Oktober 2026 in Verkehr gebracht wurden.
Absatz 8
übrige Textilien Absatz 2 gilt nicht für Erzeugnisse, die vor dem 10. Oktober 2027 in Verkehr gebracht wurden.

Fundstelle: REACH-Anhang XVII, Eintrag 79, Absätze 7 und 8, konsolidierte Fassung vom 22. Juni 2026

Die Ausnahme setzt den ganzen Absatz 1 beziehungsweise 2 außer Kraft — also das Verbot des Inverkehrbringens und das der Verwendung zugleich. Für eine Jacke, die vor dem 10. Oktober 2026 in Verkehr gebracht wurde, kommt es deshalb nicht auf die Frage an, ob Tragen schon eine Verwendung im Sinne von Artikel 3 Nummer 24 ist: Sie darf weiter getragen werden, und sie darf weitergegeben werden.

Dieselbe Konstruktion steckt im älteren Eintrag 68 zu den C9-C14-PFCA: „Absatz 2 Buchstabe c gilt nicht für Erzeugnisse, die vor dem 25. Februar 2023 in Verkehr gebracht wurden.“

Und in der POP-Verordnung, wo PFOS, PFOA und PFHxS vollständig verboten sind, steht sie ebenfalls — Artikel 4 Absatz 2 Unterabsatz 2: „Artikel 3 gilt nicht für Stoffe, die in Erzeugnissen vorhanden sind, die vor oder zu dem Zeitpunkt, seit dem die vorliegende Verordnung oder die Verordnung (EG) Nr. 850/2004 auf diese Stoffe Anwendung findet — je nachdem, welcher Zeitpunkt früher eintrat —, bereits verwendet wurden.“ Selbst beim schärfsten der drei Regelwerke ist die bereits genutzte Ware ausgenommen.

Warum Wegwerfen die Belastung nicht senkt, sondern verschiebt

Eine funktionierende Jacke zu entsorgen und eine neue zu kaufen, erzeugt die Herstellungsbelastung einer zusätzlichen Jacke — und beseitigt nichts.

Der Stoff in der vorhandenen Jacke ist bereits hergestellt und bereits eingebracht. Er verschwindet nicht dadurch, dass die Jacke im Restmüll landet; er wandert dorthin mit. Die neue Jacke kommt oben drauf. Was sich rechnerisch verändert, verändert sich zum Schlechteren, und zwar auf der einzigen Größe, die sich ohne Ökobilanz belegen lässt: der Belastung je Nutzungsjahr, ausgerechnet in der Rechnung, die jede Materialentscheidung schlägt.

Dieselbe Division steckt in einem Werkzeug dieser Seite, nur mit Geld statt mit Belastung: was eine Nacht draußen tatsächlich kostet teilt den Anschaffungspreis durch die Nutzungsdauer und macht sichtbar, wie stark eine verlängerte Lebensdauer jede andere Größe schlägt.

Was tatsächlich zu tun ist, wenn du es genau nehmen willst

Es gibt genau drei sinnvolle Handlungspunkte — und keiner davon heißt „ersetzen“.

Erstens: beim Imprägnieren aufpassen. Der Punkt, an dem eine Privatperson wirklich Fluorchemie ins Spiel bringt, ist die Sprühdose, nicht die Jacke. Für Sprühprodukte an Verbraucher gilt seit dem 3. Januar 2021 der Eintrag 73 des REACH-Anhangs XVII, und wer ein Waschmittel statt eines Sprays verwendet, umgeht die Frage ganz. Wie sich die Mittel unterscheiden, steht in welche Pflegemittel du wirklich brauchst.

Zweitens: die Nutzungsdauer verlängern. Das ist der eine Hebel, der größenordnungsmäßig etwas bewegt. Die vier wirksamsten Ansatzpunkte stehen im Pflege-Themenbereich:

Drittens: beim nächsten Kauf hinsehen, nicht beim vorhandenen Besitz. Was auf einem Etikett belegbar ist und was nicht, ordnet was das PFAS-Recht wirklich verbietet ein, und die Systematik dahinter steht im Überblick zu Material und Nachhaltigkeit.

FAQ

Darf ich meine alte Jacke gebraucht verkaufen?

Ja, wenn sie vor dem Stichtag in Verkehr gebracht wurde — bei Kleidung vor dem 10. Oktober 2026. Der Verkauf selbst ist auch unter Privatleuten ein Inverkehrbringen im Sinne von Artikel 3 Nummer 12 REACH, aber Absatz 7 des Eintrags 79 nimmt die Jacke als Erzeugnis von Absatz 1 aus. Wie der gewerbliche Handel mit Gebrauchtware den Zeitpunkt nachweist, regelt der Eintrag nicht; das bleibt hier offen.

Wäscht sich PFHxA aus der Jacke heraus?

Dazu findet sich keine belastbare Primärquelle, die sich auf Marktprodukte beziehen ließe — weder für die Menge noch für den Verlauf. Der Rechtstext regelt Konzentrationen im Neuzustand, nicht das Verhalten über die Nutzungsdauer.

Muss ein Händler Altbestände zurückrufen?

Aus dem Eintrag 79 folgt das nicht: Was vor dem Stichtag in Verkehr gebracht wurde, ist ausgenommen. Ein Rückruf wäre eine andere Rechtsfrage, etwa aus dem Produktsicherheitsrecht, und hängt nicht an diesen Fristen.