Bei der Isomatte wird selten zu wenig gekauft. Der typische Fehler geht in die andere Richtung: eine Matte, die für Bedingungen ausgelegt ist, unter denen der Käufer nie schläft, und ein Kranz aus Zubehör, der nichts wärmer macht.
Dieser Artikel ist der verpflichtende „Das brauchst du nicht“-Artikel dieses Themenbereichs. Er nennt keine Produkte, die man stattdessen kaufen soll.
Der R-Wert, den niemand braucht
Der teuerste überflüssige Posten ist keine Sache, sondern eine Zahl auf der Verpackung.
| Nachttemperatur | R-Wert |
|---|---|
| +10 °C | R 1 |
| +5 °C | R 2 |
| 0 °C | R 3 |
| −5 °C | R 4 |
| −10 °C | R 5 |
| −15 °C | R 6 |
| −20 °C | R 7 |
Wer im Sommer und in den Übergangsmonaten unterwegs ist, bewegt sich in den oberen Zeilen dieser Tabelle. Eine Matte mit R 7 ist rechnerisch für rund −20 °C gebaut — sie ist keine Sicherheitsreserve für die kühle Maiennacht, sondern Ausrüstung für eine andere Jahreszeit, die man das ganze Jahr mitträgt.
Der Zuschlag für kalten Untergrund, für ein Tarp statt eines Zelts und für den eigenen Schlaftyp gehört ausdrücklich dazu und ist im Schlafsystem-Rechner einzeln ausgewiesen. Aber er verschiebt die Zeile um einen Punkt, nicht um vier.
Die zweite Matte im Sommer
Zwei Matten sind eine gute Antwort auf den Winter und eine schlechte auf den Juli.
Die Addition der R-Werte funktioniert — sie folgt daraus, dass in Reihe geschaltete Wärmewiderstände sich addieren, und gilt, solange kein Luftspalt dazwischen bleibt. Die Herleitung und ihre Bedingung stehen in Zwei Matten kombinieren. Im Sommer addiert man damit allerdings Gewicht zu einem Wert, der ohnehin schon reicht.
Umgekehrt ist genau diese Kombination der Grund, warum der dritte Posten dieser Liste unnötig ist.
Die Wintermatte als Zweitanschaffung
Wer eine Sommermatte besitzt und für den Winter eine zweite Matte kauft, kauft die teurere Lösung.
Eine Schaummatte unter der vorhandenen Luftmatte erreicht denselben R-Wert, kostet einen Bruchteil, lässt sich im Sommer weglassen und hat einen Nebeneffekt, den die Wintermatte nicht hat: Wenn die Luftmatte nachts Luft verliert, bleibt eine Restisolation übrig. Die Rechnung dazu steht ebenfalls in Zwei Matten kombinieren.
Das aufblasbare Kissen
Ein Packsack mit der Wechselwäsche darin erfüllt dieselbe Aufgabe und wiegt nichts extra, weil beide Teile ohnehin mitkommen.
Das ist kein Verbot: Wer schlecht schläft und mit einem richtigen Kissen gut, hat den besten aller Gründe. Aber es gehört dann in die Liste als bewusster Komfortposten und nicht in die Kategorie „gehört eben dazu“.
Die Spezial-Unterlegplane für die Matte
Der Zeltboden ist die Unterlegplane. Eine zusätzliche Lage genau unter der Matte schützt sie an der einzigen Stelle, an der sie ohnehin geschützt ist.
Sinnvoll ist der Bodenschutz dort, wo direkt auf dem Untergrund geschlafen wird — unter einem Tarp, im Biwaksack, in einer Boofe. Dann übernimmt ihn aber üblicherweise die Schaummatte, die ohnehin unten liegt, und nicht ein weiteres Teil.
Der Reparaturbedarf, der zur Neuanschaffung wird
Ein Loch ist kein Grund für eine neue Matte, sondern für zehn Minuten Arbeit.
Luftmatten sind reparierbar, auch im Feld und auch mehrfach. Wie man ein Leck findet, das man nicht sieht, und wie der Flicken dauerhaft hält, steht in Loch finden und flicken. Die Ausnahme ist die Delamination — wenn sich innere Verklebungen lösen und die Matte Beulen wirft, hilft kein Flicken; das ist ein Materialversagen und kein Loch.
Die extrabreite Matte, weil sie bequemer klingt
Breite ist der Posten, der im Verkaufsgespräch am seltensten vorkommt und den Zielkonflikt am stärksten verschiebt — in beide Richtungen.
Breiter heißt schwerer und größer im Packmaß, aber auch: Arme und Schultern rutschen nicht auf den kalten Boden. Ob das im eigenen Fall etwas bringt, hängt davon ab, wie man schläft, und nicht davon, was die Matte kostet. Der ganze Zielkonflikt steht in Packmaß, Gewicht, Liegekomfort.
Woran nicht gespart wird
Das Flickzeug. Es wiegt wenige Gramm und ist der Unterschied zwischen einer unruhigen Nacht und drei kalten. Es steht auch in Was du nicht brauchst: der klassische Ausrüstungs-Ballast ausdrücklich auf der Ja-Liste.
Der Pumpsack. Nicht wegen der Bequemlichkeit, sondern wegen der Feuchtigkeit: Wer die Matte mit dem Mund aufbläst, bringt Atemfeuchte in die Kammern, und die bleibt dort. Der Pumpsack ist der billigste Schutz vor einem Schaden, der sich nicht reparieren lässt.
Der R-Wert für die kälteste geplante Nacht. Die Kälte in der Nacht kommt von unten, und dieser Wert entscheidet darüber, ob die Nacht funktioniert. Er ist der falsche Ort zum Sparen — die Zeile darüber, die Übererfüllung, betrifft den umgekehrten Fehler.
Die Einordnung des ganzen Themenbereichs steht unter Isomatte, und welche Bauart welches Fehlerbild hat, in Schaum, selbstaufblasend, Luft.
FAQ
Schadet ein zu hoher R-Wert im Sommer?
Der Wärme nach nein — eine Matte isoliert nicht „zu gut“ in einem Maß, das nachts stört. Der Preis ist Gewicht, Packmaß und Anschaffung. Es ist also keine Sicherheits-, sondern eine Effizienzfrage.
Kann man die Schaummatte im Sommer einfach weglassen?
Ja, das ist der Vorteil des Zweimatten-Systems: Es ist an die Jahreszeit anpassbar, während eine einzelne Wintermatte das ganze Jahr in derselben Größe mitkommt.
Ersetzt eine dicke Matte den Schlafsack nach unten?
Nein, und die Vorstellung führt zu falschen Rechnungen. R-Wert und Temperaturangabe des Schlafsacks nach ISO 23537 sind getrennte Größen, die verschiedene Dinge messen. Der Schlafsystem-Rechner führt sie zusammen, statt sie zu vermischen.