Es gibt in jedem Rucksack Dinge, die jede Tour mitfahren und keine einzige gebraucht werden. Sie sind nicht dumm eingepackt worden — sie sind einmal aus einem guten Grund hineingekommen und dann nie wieder herausgefallen.

Dieser Artikel ist der verpflichtende „Das brauchst du nicht“-Artikel dieses Themenbereichs. Er nennt keine Produkte, die man stattdessen kaufen soll, denn das wäre derselbe Fehler mit anderem Vorzeichen.

Das Prüfkriterium, das besser funktioniert als jede Liste

Die zuverlässigste Methode ist die Rückschau, nicht die Vorschau. Nach der Tour die Liste durchgehen und markieren, was nicht in Gebrauch war. Beim nächsten Mal dasselbe. Was zweimal hintereinander bei vergleichbaren Bedingungen ungenutzt blieb, war beide Male überflüssig — und beim dritten Mal wahrscheinlich wieder.

Der Grund, warum das besser funktioniert als jede fremde Liste: Es berücksichtigt die eigene Art zu reisen. Wer abends kocht, braucht anderes als wer kalt isst. Wer allein geht, anderes als wer zu zweit geht.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Liste die Tour überlebt. Genau dafür ist der Packlisten- und Basisgewichts-Manager gebaut — mit einer Notizspalte je Eintrag, in der sich „nicht gebraucht“ vermerken lässt, ohne die Zeile zu löschen. Wie man eine solche Liste führt, steht in Eine Packliste, die man wiederverwenden kann.

Die drei Muster, aus denen Ballast entsteht

Fast jeder überflüssige Gegenstand lässt sich einem von drei Mustern zuordnen.

Erstens: Ausrüstung für den Fall der Fälle. Sie beruht auf einer Vorstellung davon, was passieren könnte, und nicht auf dem, was bisher passiert ist. Das ist nicht per se falsch — bei Sicherheitsausrüstung ist es genau richtig. Falsch wird es, wenn dasselbe Argument für die dritte Powerbank herhält.

Zweitens: Ausrüstung für eine andere Tour. Sie ist beim letzten Mal mitgekommen, als es sinnvoll war, und dann liegen geblieben. Der Wasserfilter von der Fernwanderung ist auf der Hüttentour Ballast.

Drittens: Doppelungen. Zwei Gegenstände erfüllen dieselbe Funktion, ohne dass es auffällt, weil sie unterschiedlich heißen. Dieses Muster ist das teuerste und das unsichtbarste.

Die Posten, die am häufigsten ungenutzt bleiben

Wechselkleidung im Satz. Der größte Einzelposten dieser Liste. Ein kompletter zweiter Satz wiegt nach den Anhaltswerten des Werkzeugs 150 bis 400 g — also ungefähr so viel wie eine schaumstoffmatte mit 250 bis 500 g. Auf einer Tour ohne Publikum reicht ein Wechselshirt und ein zweites Paar Socken. Was tatsächlich zwingend zweifach dabei sein sollte, sind trockene Socken und trockene Schlafkleidung — beides aus demselben Grund, aus dem der Schlafsack trocken bleiben muss.

Das zweite Messer. Ein Taschenmesser plus ein festes Messer plus die Schere im Erste-Hilfe-Set. Drei Klingen für eine Funktion.

Der zweite Wasserbehälter. Flasche, Trinkblase und Faltflasche „für alle Fälle“. Der Fall tritt ein, wenn man weiß, dass die nächste Wasserstelle weit ist — nicht vorsorglich.

Das Handtuch in Badetuchgröße. Ein Mikrofaserlappen von Handgröße trocknet einen ganzen Menschen, wenn man ihn zwischendurch auswringt.

Die dritte Beleuchtung. Stirnlampe plus Handylampe plus Ersatzlampe. Die Ersatzlampe ist berechtigt, wenn die Tour nachts stattfindet oder in Höhlen führt; sonst ist der Ersatzakku die leichtere Antwort auf dieselbe Sorge.

Ausgedruckte Karten für den ganzen Fernwanderweg. Für die zwei Etappen, die man geht, reichen zwei Kartenausschnitte.

Die Kaffeezubereitung mit Ausrüstung. Kein Argument dagegen, wenn es der Grund ist, warum man draußen ist. Aber dann gehört sie bewusst in die Liste und nicht in die Kategorie „wiegt ja nichts“.

Kleidung „für abends“. Auf einer Zelttour gibt es keinen Abend, an dem jemand hinsieht. Auf einer Hüttentour manchmal schon — dann ist es eine Entscheidung und kein Versehen.

Werkzeug für Reparaturen, die man nicht durchführen kann. Ein Multifunktionswerkzeug mit Säge, Feile und Korkenzieher hilft bei keinem denkbaren Ausrüstungsschaden. Was hilft: ein paar Meter Reepschnur, Panzertape um einen Stift gewickelt und das Flickzeug der Isomatte. Letzteres steht ausdrücklich auf der Ja-Liste — warum, steht in Isomatte reparieren.

Der vierte Packsack. Bis zu einem halben Kilogramm wiegt ein vollständiges Ordnungssystem; die Rechnung dazu steht in Packsäcke, Kompression, Ordnung.

Woran nicht gespart wird

Ein Artikel über Überflüssiges braucht eine klare Gegenliste, sonst wird er zur Anleitung, sich in Schwierigkeiten zu bringen.

Sicherheitsausrüstung. Erste-Hilfe-Material, ein Weg, Hilfe zu rufen, und eine wetterfeste Schicht. Ihr Gewicht wird nicht diskutiert. Die Ersparnis dort ist klein, das Risiko unbegrenzt.

Die Isolation nach unten. Die Isomatte ist der Posten, an dem am häufigsten falsch gespart wird, weil die Kälte in der Nacht vom Boden kommt und nicht aus der Luft. Der R-Wert entscheidet darüber, ob die Nacht funktioniert — nachrechnen lässt sich das mit dem Schlafsystem-Rechner. Ohne diese Rechnung ist jedes eingesparte Gramm am Schlafsystem geraten.

Trockene Reserve für Schlafsack und Schlafkleidung. Nässe im Schlafsystem beendet eine Tour zuverlässiger als jedes andere Materialproblem.

Wasser, wenn die nächste Quelle unsicher ist. Ein Liter wiegt ein Kilogramm, und trotzdem ist er der falsche Ort zum Sparen, wenn die Versorgung nicht gesichert ist.

Warum sich das überhaupt lohnt

Die Wirkung lässt sich beziffern. Nach der einzigen auffindbaren direkten Kraftmessung bleiben rund 70 Prozent der Vertikalkraft eines Rucksacks auf Schultern und oberem Rücken — auch mit funktionierendem Hüftgurt. Ein Kilogramm weniger im Rucksack nimmt den Schultern damit rund 700 Gramm ab. Die Zahlen stehen in Was der Hüftgurt wirklich trägt.

Kein Tragesystem und keine Einstellung erreicht eine vergleichbare Entlastung. Deshalb steht dieser Artikel nicht am Rand des Themenbereichs, sondern in seinem Zentrum. Die Einordnung insgesamt steht in Packen: was wirklich mitmuss, und wo das Gewicht in einer typischen Liste tatsächlich sitzt, in Die großen Drei: Schlafsack, Isomatte, Zelt.

FAQ

Wie merkt man sich, was ungenutzt geblieben ist?

Am einfachsten beim Auspacken, nicht später: Was noch original zusammengelegt ist, war nicht in Gebrauch. Diese Beobachtung sofort in der Liste vermerken — zwei Tage später erinnert sich niemand mehr.

Gilt „zweimal ungenutzt“ auch für Regenkleidung?

Nein, und das ist die wichtigste Ausnahme. Ausrüstung gegen ein Ereignis, das eintreten kann, wird nicht danach beurteilt, ob das Ereignis eingetreten ist. Dasselbe gilt für Erste Hilfe und Stirnlampe. Der Test funktioniert für Ausrüstung, die man bei Bedarf benutzt hätte — nicht für Ausrüstung, die man bei Bedarf gebraucht hätte.

Ist ein zweites Paar Schuhe für den Abend Ballast?

Bei Anhaltswerten von mehreren hundert Gramm für leichte Zweitschuhe ist es einer der schwersten Kandidaten dieser Liste. Auf langen Touren mit nassen Schuhen ist es trotzdem eine Entscheidung, die man treffen darf — dann aber als bewusste Entscheidung, mit dem Gewicht in der Liste.