Die meisten Packlisten sind Wegwerfartikel. Sie entstehen am Abend vor der Tour, sie werden abgehakt, und danach findet sie niemand wieder. Beim nächsten Mal fängt man von vorn an — und weiß wieder nicht, ob es diesmal schwerer oder leichter wird als beim letzten Mal.
Eine Liste, die etwas taugt, unterscheidet sich davon in genau zwei Punkten: Sie enthält Gewichte, und sie überlebt die Tour. Alles andere ist Ausgestaltung.
Warum eine Liste ohne Gewichte nichts beantwortet
Eine Abhakliste beantwortet die Frage „habe ich alles?“. Das ist nützlich, aber es ist nicht die Frage, die nach der dritten Tour drückt. Die lautet: „Warum ist das so schwer, und woran liegt es?“
Diese Frage lässt sich nur mit Zahlen beantworten, und zwar mit getrennten. Ein Gesamtgewicht vermischt zwei Dinge, die sich völlig unterschiedlich verhalten: das über Jahre konstante Basisgewicht und die von Tour zu Tour schwankenden Verbrauchsgüter. Die Abgrenzung erklärt Basisgewicht, getragenes Gewicht, Verbrauchsgüter.
| Bereich | Gewicht | Anteil | Verhalten über die Tour |
|---|---|---|---|
| Basisgewicht | 7,80 kg | 66 % | konstant über Jahre |
| Am Körper getragen | 1,84 kg | 16 % | konstant, liegt aber nie auf der Rucksackwaage |
| Verbrauchsgüter | 2,09 kg | 18 % | nimmt ab, wird an Quellen wieder aufgefüllt |
Wie man wiegt, ohne einen Nachmittag zu verlieren
Vollständigkeit ist hier der Feind des Ergebnisses. Wer sich vornimmt, jede Schnur einzeln zu wiegen, wiegt gar nichts. Sinnvoll ist eine Staffelung nach Ertrag:
- Einzeln wiegen: Rucksack, Schlafsack, Isomatte, Unterkunft. Diese vier machen den größten Teil des Basisgewichts aus — die Rangfolge steht in Die großen Drei: Schlafsack, Isomatte, Zelt.
- Gruppenweise wiegen: Waschzeug, Erste-Hilfe-Set, Elektronik samt Kabeln, Küchenkram. Eine Position, ein Gewicht.
- Gar nicht wiegen: alles unter zehn Gramm. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis; zwanzig Kleinteile ändern am Ergebnis weniger als eine falsch geschätzte Jacke.
- Immer mitwiegen: die Verpackung. Der Packsack des Schlafsacks, der Kompressionssack, die Hülle der Isomatte — sie kommen mit, also zählen sie.
Warum mehrere Listen besser sind als eine mit Häkchen
Die verbreitete Lösung ist eine große Liste mit Spalten für „Tagestour“, „Hüttentour“, „Zelttour“. Sie funktioniert schlecht, weil die drei sich nicht nur im Umfang unterscheiden, sondern in der Grundausstattung: Auf der Hüttentour fällt das Schlafsystem weg und ein Hüttenschlafsack kommt dazu, auf der Tagestour entfällt die halbe Küche.
Getrennte Listen sind übersichtlicher und erlauben etwas, das eine Spaltenliste nicht kann: den direkten Vergleich zweier Ausrüstungsvarianten für dieselbe Tour. Kopieren, in der Kopie den Innenrahmenrucksack gegen den rahmenlosen tauschen, beide Basisgewichte nebeneinanderlegen.
Der Packlisten- und Basisgewichts-Manager führt deshalb beliebig viele Listen nebeneinander, mit einer Kopierfunktion für genau diesen Zweck.
Was ein Werkzeug dafür können muss
Der bekannteste Vertreter dieser Gattung ist lighterpack.com. Er hat drei Eigenschaften, die für den deutschsprachigen Gebrauch unpraktisch sind: Er ist englisch, er ist auf große Bildschirme ausgelegt, und er verlangt ein Konto.
Daraus ergeben sich die Anforderungen, nach denen unser Werkzeug gebaut ist:
| Eigenschaft | Warum sie zählt |
|---|---|
| Auf Deutsch | Gramm statt ounces, Komma statt Punkt, und Begriffe, die man auch im Laden verwendet. |
| Offline nutzbar | Gepackt wird abends, nachgewogen wird unterwegs. Beides passiert regelmäßig ohne Netz. |
| Ohne Konto | Eine Packliste ist eine erstaunlich private Auskunft: Sie sagt, wo jemand wann übernachtet und was er dabeihat. |
| Export als Datei | Was nur im Browserspeicher liegt, ist beim nächsten Löschen der Websitedaten weg. |
| Mehrere Listen | Tagestour, Hüttentour und Zelttour sind verschiedene Ausrüstungen, keine Teilmengen voneinander. |
| Sichtbarer Schätzanteil | Eine Liste aus übernommenen Anhaltswerten ergibt ein erfundenes Basisgewicht. Das Werkzeug zeigt an, wie viel davon noch geschätzt ist. |
Die letzte Zeile ist die, die kein anderes Werkzeug hat, und sie ist uns wichtig: Eine Vorbefüllung mit typischen Gewichten ist bequem und zugleich gefährlich, weil sie eine Genauigkeit vortäuscht, die es nicht gibt. Deshalb bekommt jeder übernommene Vorschlag die Notiz „geschätzt — bitte wiegen“, die verschwindet, sobald ein eigener Wert eingetragen wird, und die Summe darüber steht als Anteil im Ergebnis.
Der Aufbau, der sich bewährt
Das Werkzeug ist in 8 Kategorien gegliedert. Die Reihenfolge ist nicht alphabetisch, sondern folgt der Packreihenfolge und beginnt mit den schweren Posten — was zugleich die Reihenfolge ist, in der sich Wiegen lohnt.
| Kategorie | Was hineingehört |
|---|---|
| Rucksack & Packhilfen | mit Verweis in den zugehörigen Themenbereich |
| Schlafsystem | mit Verweis in den zugehörigen Themenbereich |
| Unterkunft | mit Verweis in den zugehörigen Themenbereich |
| Kleidung | ohne eigenen Themenbereich, wird in späteren Wellen ergänzt |
| Küche & Wasser | ohne eigenen Themenbereich, wird in späteren Wellen ergänzt |
| Licht & Elektronik | ohne eigenen Themenbereich, wird in späteren Wellen ergänzt |
| Sonstiges | ohne eigenen Themenbereich, wird in späteren Wellen ergänzt |
| Essen & Trinken | ohne eigenen Themenbereich, wird in späteren Wellen ergänzt |
Die Austauschdatei ist bewusst schlichtes JSON in der Fassung 1 — eine Textdatei, die sich mit jedem Editor öffnen und lesen lässt. Sie enthält je Eintrag Bezeichnung, Kategorie, Bereich, Gewicht in Gramm, Anzahl und Notiz. Wer das Werkzeug irgendwann nicht mehr benutzt, hat seine Daten trotzdem.
Die Reihenfolge beim ersten Mal
- Beispielliste einfügen. Sie liefert die Struktur und ist ausdrücklich nicht als Empfehlung gemeint — überflüssige Zeilen löschen ist schneller als fehlende suchen.
- Die vier schweren Posten wiegen und die Schätzwerte ersetzen. Danach ist der Schätzanteil im Ergebnis meistens schon unter einem Viertel.
- Den Rest gruppenweise nachtragen, ohne Ehrgeiz.
- Liste exportieren und die Datei ablegen, wo auch Fotos landen.
- Nach der Tour einmal korrigieren: Was war nicht in Gebrauch? Diese Zeilen markieren, statt sie sofort zu löschen — beim übernächsten Mal weiß man mehr. Welche Posten dabei regelmäßig auffallen, steht in Was du nicht brauchst: der klassische Ausrüstungs-Ballast.
Was das Werkzeug ausdrücklich nicht beantwortet, ist die Frage, ob die Kombination aus Schlafsack und Isomatte für die erwartete Nacht reicht. Dafür gibt es den Schlafsystem-Rechner, und diese Frage kommt vor jeder Gewichtsfrage. Die Einordnung des Themas insgesamt steht in Packen: was wirklich mitmuss.
FAQ
Wo liegen die Daten, wenn es kein Konto gibt?
Im lokalen Speicher des Browsers, auf dem Gerät, auf dem sie eingetragen wurden. Sie werden nicht übertragen, und wir sehen sie nicht. Der Preis dafür ist, dass sie nicht automatisch auf einem zweiten Gerät auftauchen — dafür gibt es den Export als Datei.
Was passiert bei einem Wechsel des Browsers oder des Geräts?
Dann sind die Listen dort nicht vorhanden. Vor dem Wechsel exportieren, danach die Datei einlesen. Beim Einlesen werden die enthaltenen Listen hinzugefügt; vorhandene bleiben erhalten.
Kann man die Liste mit jemandem teilen?
Über die Datei ja — sie lässt sich weitergeben und auf dem anderen Gerät einlesen. Eine Freigabe über einen Link gibt es bewusst nicht, weil sie einen Server voraussetzen würde, auf dem die Daten liegen.