„Bis zu 100 Stunden Leuchtdauer.“ Der Satz ist wahrscheinlich richtig gemessen und trotzdem für die Planung wertlos — weil zwei Angaben fehlen, ohne die eine Laufzeit nichts bedeutet.

Die erste fehlende Angabe: auf welcher Stufe

Eine Stirnlampe mit fünf Helligkeitsstufen hat fünf Laufzeiten, die um mehr als das Hundertfache auseinanderliegen können. Die beworbene Zahl ist fast immer die der niedrigsten Stufe — also der, auf der man im Zelt einen Reißverschluss findet, aber keinen Weg geht.

Das ist keine Trickserei, sondern schlichte Physik: Der Energieinhalt des Akkus ist fest, und die Leistungsaufnahme steigt mit der Helligkeit. Eine Lampe mit einem Akku von rund 10,8 Wattstunden — das entspricht 3 000 Milliamperestunden bei 3,6 Volt — läuft bei 0,1 Watt Aufnahme rechnerisch etwa hundert Stunden und bei 3 Watt gut dreieinhalb.

Die einzige brauchbare Frage lautet deshalb: Wie lange hält sie auf der Stufe, die ich benutze? Und die liegt beim Gehen im Dunkeln, beim Kochen und beim Zeltaufbau meist im unteren Drittel der Skala — nicht am Maximum, aber auch nicht am Minimum.

Die zweite fehlende Angabe: bis zu welcher Resthelligkeit

Eine Lampe ist am Ende der Laufzeit nicht aus. Sie ist nur sehr dunkel.

Wenn diese Angabe stimmt, heißt „100 Stunden“: Nach 100 Stunden leuchtet die Lampe noch mit einem Zehntel ihrer Anfangshelligkeit. Aus 200 Lumen sind dann 20 geworden — genug, um im Zelt etwas zu suchen, zu wenig, um bei Nacht einen Steig zu gehen.

Geregelt oder ungeregelt: zwei Verläufe, dieselbe Zahl

Der Unterschied entscheidet, wie sich die Laufzeit anfühlt.

Eine geregelte Lampe hält ihre Helligkeit über den größten Teil der Laufzeit weitgehend konstant und fällt am Ende relativ schnell ab. Das ist angenehm zu benutzen und unangenehm zu bemerken: Die Warnung kommt spät.

Eine ungeregelte Lampe wird von Anfang an kontinuierlich dunkler, weil ihre Helligkeit direkt an der sinkenden Zellspannung hängt. Sie erreicht die Zehn-Prozent-Schwelle formal später — die aufgedruckte Laufzeit ist damit länger, obwohl die nutzbare Zeit kürzer sein kann.

Zwei Lampen mit derselben Zahl auf der Packung können sich also gegensätzlich verhalten. Was man wirklich vergleicht, ist der Verlauf, und den geben Hersteller selten an.

Der Turbo-Modus und warum die Norm ihn 2025 aufgenommen hat

Weil die höchste beworbene Lumenzahl bei vielen Lampen ein Kurzzeitwert ist. Eine kompakte Stirnlampe kann die Abwärme ihrer hellsten Stufe nicht dauerhaft abführen; nach Sekunden bis wenigen Minuten regelt die Elektronik herunter, um die LED und die Zelle zu schützen. Die 1 000 Lumen auf der Packung gab es also — nur nicht so lange, wie die Zahl vermuten lässt.

ANSI/PLATO FL 1-2025 hat dafür erstmals eine eigene Kennzeichnung eingeführt: die standardisierte Prüfung und Kennzeichnung kurzzeitig erhöhter Helligkeit (Short-Duration Elevated Brightness, umgangssprachlich Turbo- oder Boost-Modus). Damit wird zumindest die Angabe vergleichbar, was vorher nicht der Fall war. Auf Verpackungen mit der Fassung von 2019 fehlt sie.

Was für die Planung zählt

Drei Größen, in dieser Reihenfolge:

  1. Wie viele Stunden Dunkelheit stehen an? Im Dezember sind das in Mitteleuropa mehr als die Hälfte des Tages — der Themenbereich Winter rechnet das in Kurze Tage durch.
  2. Auf welcher Stufe brauchst du sie davon wirklich? Lagerarbeit auf niedriger Stufe, Gehen auf mittlerer, Suchen kurz auf hoher.
  3. Wie viele Wattstunden sind das? Der Wh-Bedarfsrechner rechnet mit der Akkuenergie und der Zahl der Ladungen, nicht mit Betriebsstunden — das ist die robustere Größe, weil sie ablesbar ist und nicht geschätzt werden muss. Der Weg dahin steht in Energiebedarf berechnen.

Der ganze Themenbereich Energie & Licht rechnet in Wattstunden, gerade weil Stundenangaben auf Verpackungen so viele Voraussetzungen mitbringen.