Die Kälte ist selten das, was eine Wintertour kippen lässt. Das Licht ist es. Eine Runde, die im Juni entspannt in den Abend hineinreicht, endet im Dezember in der Dunkelheit — und zwar nicht knapp, sondern um Stunden.
Dieser Artikel rechnet nach, wie kurz die Tage tatsächlich sind, und leitet daraus die einzige Planungsgröße ab, die im Winter wirklich anders sein muss.
Wie lang der kürzeste Tag ist
Zwischen 7 Stunden 10 Minuten und 8 Stunden 27 Minuten, je nachdem, wo in Deutschland du losgehst. Die folgende Tabelle gibt die astronomische Tageslänge für fünf Breitengrade an vier Stichtagen.
| Ort | Breite | Wintersonnenwende | Mitte Januar | Frühlingsanfang | Sommersonnenwende | Unterschied Sommer/Winter |
|---|---|---|---|---|---|---|
| List auf Sylt | 55,02° N | 7 h 10 min | 7 h 46 min | 12 h 08 min | 17 h 23 min | 10,2 h |
| Hamburg | 53,63° N | 7 h 27 min | 7 h 60 min | 12 h 08 min | 17 h 04 min | 9,6 h |
| Kahler Asten | 51,18° N | 7 h 53 min | 8 h 22 min | 12 h 07 min | 16 h 35 min | 8,7 h |
| Fichtelberg | 50,43° N | 8 h 00 min | 8 h 29 min | 12 h 07 min | 16 h 27 min | 8,4 h |
| Oberstdorf | 47,40° N | 8 h 27 min | 8 h 52 min | 12 h 07 min | 15 h 57 min | 7,5 h |
Zwei Dinge stehen darin, die den meisten nicht präsent sind. Erstens: Innerhalb Deutschlands liegen am kürzesten Tag 77 Minuten. Wer im Allgäu plant und im Harz geht, hat mehr als eine Stunde weniger, als er gewohnt ist. Zweitens: Der Unterschied zwischen Sommer und Winter ist im Norden deutlich größer — 10,2 Stunden auf Sylt gegenüber 7,5 in Oberstdorf. Je weiter nördlich, desto härter der saisonale Wechsel.
Was das für die Tourenlänge bedeutet
Es begrenzt sie schlicht. Eine Rechnung, die man vor jeder Wintertour einmal machen sollte: Von der Tageslänge gehen ab, was man für Anfahrt und Ankleiden braucht, dazu eine Reserve für den Fall, dass etwas nicht nach Plan läuft. Was übrig bleibt, ist das Budget für die reine Gehzeit plus Pausen.
- Astronomische Tageslänge (51° N, 21. Dezember)
- 7 h 55 min Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang
- abzüglich Reserve für Verzögerungen
- − 1 h redaktionelle Setzung: Umweg, Wetterwechsel, langsamere Gruppe
- abzüglich Pausen
- − 1 h nach dem Pausenmodell des Tourenzeit-Rechners bei rund fünf Stunden Gehzeit
- bleibt für die reine Gehzeit
- rund 6 h Das ist das Budget, das der Tourenzeit-Rechner ausrechnen muss — nicht mehr.
Fundstelle: Tageslänge gerechnet nach den vom NOAA Global Monitoring Laboratory veröffentlichten Gleichungen; die Abzüge sind Planungsannahmen dieser Seite
Sechs Stunden reine Gehzeit sind nach der DAV-Formel rund 24 Kilometer im Flachen oder rund 1 800 Höhenmeter im Aufstieg — was davon zur eigenen Tour passt, rechnet der Tourenzeit-Rechner aus. Die Formeln dahinter und ihre Grenzen stehen in Gehzeit berechnen.
Warum die Umkehrzeit im Winter früher liegt
Weil der Abstieg im Dunkeln teurer ist als der Aufstieg im Dunkeln. Eine Umkehrzeit ist die Uhrzeit, zu der man den höchsten oder entferntesten Punkt erreicht haben muss; wird sie überschritten, kehrt man um, unabhängig davon, wie nah das Ziel ist. Das Prinzip steht ausführlich in Tourenplanung: Karte, Wetter, Wasser, Umkehrzeit.
Im Winter kommen drei Verschärfungen dazu, die alle in dieselbe Richtung wirken. Der verfügbare Puffer ist kleiner, weil der Tag kürzer ist. Der Untergrund ist langsamer, weil Schnee, Matsch oder Eis Zeit kosten, die keine Gehzeitformel abbildet. Und ein unfreiwilliger Aufenthalt ist teurer, weil die Wärmeproduktion beim Stehen wegfällt — genau die Größe, über die ISO 11079 die erforderliche Isolation rechnet, siehe Wärmehaushalt.
Was Stirnlampe und Kälte miteinander zu tun haben
Wer im Winter losgeht, geht mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Stück im Dunkeln — und braucht die Lampe dann genau in dem Moment, in dem ihr Akku am kältesten ist. Kälte senkt die verfügbare Kapazität vorübergehend; die Lampe ist meistens nicht leer, sondern kalt. Was daraus folgt und welche Ausrüstungsteile in welcher Reihenfolge Probleme machen, steht in Was in der Kälte zuerst versagt.
Zweiter Punkt aus derselben Richtung: Eine Pause im Dunkeln ist kälter als eine Pause im Hellen, weil die Lufttemperatur nach Sonnenuntergang fällt und weil die Strahlungsbilanz sich umkehrt. Wer die letzte Pause noch im Hellen macht und danach durchgeht, folgt der Wärmebilanz besser als jemand, der sich in der Dämmerung hinsetzt.
Was diese Zahlen nicht sind
Sie sind astronomische Tageslängen zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang, gerechnet mit dem üblichen Zenitwinkel von 90,833 Grad, der Refraktion und Sonnenradius berücksichtigt. Die Rechnung ist auf wenige Minuten genau und bewusst gröber als eine echte Ephemeride — für eine Sonnenaufgangszeit auf die Minute taugt sie nicht, für ein Zeitbudget schon. Sie sind außerdem nicht die Zeit, in der man sehen kann: Die bürgerliche Dämmerung liefert vorher und nachher noch nutzbares Licht.
In die Gegenrichtung wirken zwei Dinge, die die Rechnung ebenfalls nicht kennt. Im Tal geht die Sonne früher hinter dem Grat unter, als die Formel sagt — an einem Nordhang im Mittelgebirge können das mehrere Stunden sein. Und Nebel oder tiefe Bewölkung nehmen Licht weg, ohne dass die Uhr das anzeigt. Beides gehört in die Reserve, nicht in die Rechnung.
Der Überblick über alle vier Größen einer Wintertour steht im Pillar Winter draußen; die Klimazahlen dazu in Ab wann es Winter ist.
FAQ
Warum wird es Anfang Dezember schon so früh dunkel, obwohl der kürzeste Tag erst am 21. ist?
Weil Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nicht symmetrisch um die Sonnenwende liegen. Der früheste Sonnenuntergang fällt auf Anfang bis Mitte Dezember, der späteste Sonnenaufgang erst auf Anfang Januar; die kürzeste Tageslänge liegt dazwischen. Ursache ist die Zeitgleichung — die Abweichung zwischen wahrer und mittlerer Sonnenzeit.
Gilt die Tabelle auch für Bergtouren in den Alpen?
Für die astronomische Tageslänge ja, sie hängt nur an der geografischen Breite. Für das nutzbare Licht nicht: In engen Tälern und an Nordhängen ist die Sonne erheblich kürzer da. Wer dort plant, sollte den Talschatten separat einrechnen.
Wie viel Zeit kostet Schnee auf dem Weg?
Das hängt so stark von Auflage, Konsistenz und Spur ab, dass diese Seite dazu keine Zahl nennt. Der Tourenzeit-Rechner führt einen Untergrundfaktor, aber ausdrücklich als redaktionelle Annahme und ohne Winterprofil.