Es regnet seit vier Stunden, es ist halb sieben, und die einzige trockene Fläche im Umkreis ist die Apside. Die Frage stellt sich also nicht theoretisch.

Sie lässt sich auch nicht mit einem Ja oder Nein beantworten. Aber es gibt zwei Stellen, an denen etwas Belastbares steht: in den Normen, die den Kocher und die Kartusche betreffen, und in einer Rechnung, die jeder selbst nachvollziehen kann.

Was die Kartuschennorm über den Ort sagt

EN 417 verlangt in den Abschnitten 8.3.2 und 8.4, dass auf jeder Kartusche der Satz steht, der Kartuschenwechsel sei „an einem gut durchlüfteten Ort ohne Zündquellen“ vorzunehmen.

Das ist keine Empfehlung eines Herstellers, sondern eine normative Kennzeichnungspflicht — derselbe Rang wie die Angabe des Füllgewichts. Sie betrifft ausdrücklich den Wechsel, nicht den Betrieb; beim Wechsel entweicht regelmäßig eine kleine Menge Gas, und Flüssiggas ist schwerer als Luft. In einer Apside sammelt es sich am Boden, genau dort, wo es niemand vermutet.

Der zweite Satz steht gleich im Geltungsbereich: Die Geräte, mit denen normkonforme Kartuschen betrieben werden, müssen EN 521 entsprechen — der Norm für „Tragbare, mit Dampfdruck betriebene Flüssiggasgeräte“. Kartuschennorm und Gerätenorm sind zwei getrennte Dokumente, und der Satz „Diese Kartusche entspricht der Norm EN 417“ sagt über den Kocher nichts aus. Was noch alles in EN 417 steht, zeigt Was EN 417 auf der Gaskartusche wirklich zusagt.

Die Rechnung, die den Kern der Sache trifft

Zehn Gramm Butan verbrauchen bei vollständiger Verbrennung den gesamten Sauerstoff aus rund 130 Litern Luft. Das ist die Zahl, um die es geht.

Der Weg dorthin ist Schulchemie. Ein Molekül Butan braucht sechseinhalb Moleküle Sauerstoff; auf die Masse gerechnet sind das rund 3,6 Gramm Sauerstoff je Gramm Butan. Luft enthält knapp ein Viertel ihrer Masse als Sauerstoff und wiegt rund 1,2 Kilogramm je Kubikmeter.

Luftbedarf einer warmen Mahlzeit — eigene Rechnung

Reaktionsgleichung
C₄H₁₀ + 6,5 O₂ vollständige Verbrennung von Butan
Sauerstoff je Gramm Butan
≈ 3,6 g 208 g O₂ auf 58,1 g Butan
Sauerstoff je Kubikmeter Luft
≈ 278 g 1,2 kg Luft, davon rund 23 Prozent Sauerstoff
Luft je 10 g Gas
≈ 130 l so viel Luft wird dabei vollständig entsauerstofft

Fundstelle: Eigene stöchiometrische Rechnung; keine Norm, keine Messung

Diese 130 Liter sind nicht die Luftmenge, die man braucht — es ist die Luftmenge, aus der aller Sauerstoff verschwände. In Wirklichkeit fängt eine Flamme schon lange vorher an, unvollständig zu brennen. Die Größenordnung bleibt trotzdem aussagekräftig: Eine Apside fasst je nach Bauform einige hundert Liter, und eine warme Mahlzeit für zwei Personen kostet leicht zwanzig Gramm Gas.

Warum die Nase hier nicht hilft

Der Geruchsstoff im Flüssiggas zeigt ein Leck an — nicht eine schlecht brennende Flamme.

EN 417 verlangt in Abschnitt 1 odorierte Flüssiggase, für Kartuschen bis 150 Milliliter Gesamtfassungsraum ist die Odorierung freigestellt. Der Zweck ist, austretendes, unverbranntes Gas riechbar zu machen. Sobald das Gas verbrannt ist, ist der Geruchsstoff mitverbrannt.

Das Produkt unvollständiger Verbrennung ist Kohlenmonoxid, und das ist farblos und geruchlos. Eine Flamme, die aus Sauerstoffmangel gelb statt blau brennt, riecht nicht anders als eine gesunde. Die Odorierung ist also eine Sicherung gegen die undichte Kartusche, nicht gegen den schlecht belüfteten Raum. Aussagen über gesundheitliche Folgen macht diese Seite nicht — das ist Sache der Medizin.

Was sich daraus praktisch ergibt

Vier Punkte, alle aus dem Obenstehenden abgeleitet und keiner davon eine Empfehlung, unter Dach zu kochen.

Draußen kochen, wo es geht. Die Normen setzen den Betrieb im Freien oder in gut belüfteten Bereichen voraus, und die Luftrechnung erklärt, warum. Ein Tarp über dem Kocher hält den Regen ab, ohne den Luftaustausch zu behindern — das ist der naheliegendste Ausweg und der Grund, warum ein Tarp auf vielen Packlisten steht.

Kartuschen niemals unter Dach wechseln. Das ist der einzige Punkt, den EN 417 wörtlich regelt, und er kostet nichts: einmal hinaustreten.

Querlüftung ist mehr als ein offener Reißverschluss. Luft tauscht sich nur aus, wenn sie irgendwo hinein und woanders hinaus kann. Eine einzelne offene Seite ist keine Lüftung, sondern ein Loch.

Der Kocher gehört nicht neben den Schlafsack. Nicht wegen der Luft, sondern wegen der Physik: Ein umgestoßener Topf mit einem Liter kochendem Wasser gibt dieselbe Energie ab, die vorher hineingesteckt wurde — rund 376 Kilojoule. Wo dieser Wert herkommt, steht in Vom Liter Wasser zum Gramm Gas.

Welche Küchenteile man dafür überhaupt braucht, steht in Küchenausrüstung, die zu Hause bleiben kann. Die Einordnung aller Entscheidungen rund um den Kocher steht im Themenbereich Kocher und Brennstoff. Wie viel Brennstoff die Tour braucht, rechnet der Brennstoff- und Wasserbedarfsrechner.