Die meisten Fahrzeug-Camping-Pläne scheitern nicht am Geld und nicht am Platz, sondern an einer Zahl, die niemand nachgerechnet hat. Sie steht nicht als solche im Fahrzeugschein — man muss sie aus zwei Feldern bilden und danach noch etwas abziehen.
Die zwei Felder, aus denen die Zuladung entsteht
Die Zuladung ist Feld F.1 minus Feld G. Beide Codes der Zulassungsbescheinigung Teil I sind europäisch harmonisiert und in Anhang I der Richtlinie 1999/37/EG festgelegt: Nr. II.5 nennt die Pflichtangaben, Nr. II.6 die fakultativen.
| Code | Bedeutung | Einheit | Pflichtangabe |
|---|---|---|---|
| F.1 | technisch zulässige Gesamtmasse | kg | ja |
| F.2 | zulässige Gesamtmasse im Zulassungsmitgliedstaat | kg | nein |
| G | Masse des in Betrieb befindlichen Fahrzeugs mit Aufbau | kg | ja |
| J | Fahrzeugklasse | — | nein |
| O.1 | technisch zulässige Anhängelast, gebremst | kg | nein |
| O.2 | technisch zulässige Anhängelast, ungebremst | kg | nein |
| S.1 | Zahl der Sitzplätze einschließlich Fahrersitz | — | ja |
| V.7 | CO₂ aus der Typgenehmigung | g/km | nein |
| V.8 | kombinierter Kraftstoffverbrauch aus der Typgenehmigung | l/100 km | nein |
Feld F.2 taucht daneben regelmäßig auf und wird häufig verwechselt: Es nennt die im Zulassungsstaat zulässige Gesamtmasse, die niedriger sein kann als die technisch zulässige aus F.1. Wenn beide Felder gefüllt sind, ist F.2 die Zahl, die im Straßenverkehr gilt.
Warum der Fahrer schon in Feld G steckt
Feld G ist kein Leergewicht. Verordnung (EU) Nr. 1230/2012 definiert die Masse in fahrbereitem Zustand in Artikel 2 Nr. 4 Buchstabe a als die Masse des Fahrzeugs „mit zu mindestens 90 % gefülltem Kraftstoffbehälter, einschließlich der Masse des Fahrzeugführers“, der Flüssigkeiten, der Standardausrüstung und — soweit vorhanden — von Aufbau, Fahrerhaus, Anhängevorrichtung, Ersatzrad und Werkzeug.
75 Kilogramm je Person — auch wenn niemand 75 Kilogramm wiegt
Für jede weitere mitfahrende Person setzt dieselbe Verordnung in Anhang I Teil A Nr. 2.6.2.1 eine feste Masse an: „The mass representing each passenger shall be 75 kg.“ Das ist eine Rechengröße für die Massenverteilung, kein Schätzwert für den einzelnen Menschen — und sie gilt unabhängig davon, wer tatsächlich mitfährt.
Beispiel: 3,5-Tonner mit vier Personen an Bord
- Feld F.1
- 3.500 kg technisch zulässige Gesamtmasse
- Feld G
- 2.980 kg Fahrer und 90 Prozent Tankfüllung enthalten
- Rohzuladung
- 520 kg F.1 minus G
- drei Mitfahrende
- 3 × 75 kg = 225 kg nach Anhang I Teil A Nr. 2.6.2.1
- bleibt für Ausrüstung
- 295 kg für Wasser, Gas, Ausbau, Essen, Kleidung, Werkzeug
Fundstelle: Richtlinie 1999/37/EG, Anhang I Nr. II.5; Verordnung (EU) Nr. 1230/2012, Anhang I Teil A Nr. 2.6.2.1
Aus einer scheinbar komfortablen halben Tonne werden so knapp 295 kg — und davon ist noch kein Liter Wasser abgegangen.
Die gesetzliche Mindestnutzlast ist kleiner, als man denkt
Hier liegt die überraschendste Zahl dieses Themenbereichs. Verordnung (EU) Nr. 1230/2012 verlangt für Wohnmobile in Anhang I Teil A Nr. 2.6.4.1.2 eine Mindestnutzlast, und zwar nach dieser Formel:
Mindestnutzlast PM ≥ 10 × (n + L)
- n
- Fahrgäste plus Fahrer die höchste zulässige Zahl der Sitzplätze
- L
- Gesamtlänge in Metern die Gesamtlänge des Fahrzeugs
- 6,00 m, vier Sitzplätze
- 100 kg 10 × (4 + 6) — die gesetzliche Untergrenze
- 7,00 m, sechs Sitzplätze
- 130 kg 10 × (6 + 7)
Fundstelle: Verordnung (EU) Nr. 1230/2012, Anhang I Teil A Nr. 2.6.4.1.2
Ein sechs Meter langes Wohnmobil mit vier Sitzplätzen muss von Rechts wegen nur 100 kg zuladen können. Das ist keine Empfehlung und kein Richtwert, sondern die Untergrenze, unterhalb derer das Fahrzeug keine Typgenehmigung bekäme. Wer bei einem Gebrauchtkauf hört, ein Wohnmobil habe „natürlich genug Zuladung“, hat damit noch keine einzige Zahl gehört.
Für Wohnwagen steht dieselbe Formel in Anhang I Teil D Nr. 2.3.4.1 — dort ist n allerdings die Zahl der Schlafplätze und L die Aufbaulänge nach ISO 7237:1981 Nr. 6.1.2.
Die Toleranz, die auf Feld G liegt
Der Wert in Feld G ist ein erklärter Wert, kein an diesem Fahrzeug gewogener. Anhang I Anlage 2 Nr. 2.2 derselben Verordnung erlaubt eine Abweichung von 3 Prozent, bei Fahrzeugen mit besonderer Zweckbestimmung — und das Wohnmobil mit dem Code SA ist eines — von 5 Prozent.
Was in der Praxis von der Zuladung abgeht
Die Zuladung wird selten von einem großen Posten aufgebraucht, sondern von vielen kleinen. Wasser ist der schwerste: ein Liter, ein Kilogramm. Danach kommen Gasflaschen, Werkzeug, Ersatzteile, Bettzeug, Kleidung, Vorräte und alles, was „schon immer drin liegt“.
Die Systematik dafür ist dieselbe wie beim Rucksack — nur mit anderen Zahlen. Wie sich Basisgewicht, getragenes Gewicht und Verbrauchsgüter voneinander trennen lassen, steht in Basisgewicht: die Zahl, die den Rucksack vergleichbar macht; was ein Dachaufbau an dieser Rechnung ändert, in Dachlast: die Zahl, die niemand belegt.
Wer prüfen will, ob eine bestimmte Übernachtungsform in die eigene Zuladung passt, kann F.1 und G direkt in das Werkzeug Kosten je Nacht eintragen — es rechnet den Rest gegen die sechs Formen. Welche Formen das sind und wie sie sich sonst unterscheiden, steht im Überblick Mit dem Fahrzeug draußen schlafen. Und ob das Fahrzeug nach der Zuladungsfrage überhaupt noch als Wohnmobil gilt, klärt Wann ein Fahrzeug rechtlich ein Wohnmobil ist.
FAQ
Wo finde ich die Zuladung direkt im Fahrzeugschein?
Gar nicht. Die Zulassungsbescheinigung Teil I führt keine Zeile „Zuladung“; sie entsteht erst aus der Differenz von F.1 und G. Genau deshalb wird sie so oft überschätzt.
Zählt der Beifahrer mit 75 Kilogramm, auch wenn er leichter ist?
Für die Berechnung nach Verordnung (EU) Nr. 1230/2012 ja — dort ist die Masse je Insasse mit 75 kg festgelegt. Für die Frage, ob das Fahrzeug im Straßenverkehr überladen ist, zählt dagegen das tatsächliche Gewicht auf der Waage.
Was passiert, wenn die zulässige Gesamtmasse überschritten wird?
Das ist keine Frage dieses Artikels, sondern eine der Betriebssicherheit: Nach § 31 Abs. 2 StVZO darf der Halter die Inbetriebnahme nicht anordnen oder zulassen, wenn Fahrzeug, Ladung oder Besetzung nicht vorschriftsmäßig sind.