Zwischen „Auto, in dem jemand schläft“ und „Wohnmobil“ liegt keine Frage des Ausbaustands und keine des Aussehens, sondern eine Aufzählung. Sie steht im Unionsrecht, sie ist kurz, und sie ist eindeutiger, als die meisten Debatten darüber vermuten lassen.
Die vier Merkmale
Verordnung (EU) 2018/858 führt in Anhang I Teil A die Fahrzeuge mit besonderer Zweckbestimmung. Unter Nr. 5.1 steht das Wohnmobil mit dem Code SA: ein Fahrzeug der Klasse M mit einem Wohnbereich, der mindestens folgende Ausstattung enthält.
| Buchstabe | Ausstattung nach Anhang I Teil A Nr. 5.1 |
|---|---|
| a) | Sitze und Tisch |
| b) | Schlafgelegenheiten, die auch aus den Sitzen gebildet werden können |
| c) | Kochgelegenheit |
| d) | Stauraum |
Und dann folgt der Satz, an dem sich in der Praxis alles entscheidet: Diese Ausstattung muss fest im Wohnbereich befestigt sein. Eine einzige Ausnahme räumt die Verordnung ein — der Tisch darf so gestaltet sein, dass er leicht entfernbar ist.
Warum das mehr ist als eine Begriffsfrage
Die Einordnung als Fahrzeug mit besonderer Zweckbestimmung hat eine Folge, die unmittelbar in die Gewichtsrechnung durchschlägt. Verordnung (EU) Nr. 1230/2012 erlaubt in Anhang I Anlage 2 Nr. 2.2 eine Abweichung der Masse in fahrbereitem Zustand vom erklärten Wert — und zwar gestaffelt:
Toleranz auf die Masse in fahrbereitem Zustand
- allgemein (M, N, O)
- 3 % bei 2.980 kg entspricht das 89 kg
- Fahrzeuge mit besonderer Zweckbestimmung
- 5 % bei 2.980 kg entspricht das 149 kg — dazu zählt das Wohnmobil
Fundstelle: Verordnung (EU) Nr. 1230/2012, Anhang I Anlage 2 Nr. 2.2
Diese Kilogramm gehen von der Zuladung ab, ohne dass irgendetwas falsch wäre. Was das für die Planung heißt, steht in Zuladung: was dein Fahrzeug wirklich noch trägt.
Der Wohnwagen ist anders definiert
Direkt darunter, unter Nr. 5.6, steht der Wohnwagen mit dem Code SE. Er ist kurz gefasst: ein Fahrzeug der Klasse O nach der Begriffsbestimmung 3.2.1.3 der internationalen Norm ISO 3833:1977. Eine Ausstattungsliste wie beim Wohnmobil gibt es dort nicht.
Für die Mindestnutzlast greift beim Wohnwagen dieselbe Formel wie beim Wohnmobil — allerdings mit anderen Größen: In Anhang I Teil D Nr. 2.3.4.1 ist n die Zahl der Schlafplätze und L die Aufbaulänge nach ISO 7237:1981 Nr. 6.1.2, nicht die Gesamtlänge.
Was die Definition nicht regelt
Sie sagt nichts darüber, wo ein Fahrzeug stehen darf. Der Code im Fahrzeugschein ändert nichts daran, dass in Wald und freier Landschaft das Landesrecht entscheidet und auf der Straße das Verkehrs- und Straßenrecht. Die Landeswaldgesetze nennen Wohnmobile und Wohnwagen ohnehin meist im selben Satz wie das Zelt; die vollständige Systematik steht in Im Auto übernachten: was die StVO regelt und was nicht.
Sie sagt auch nichts über Steuer oder Versicherung. Beides folgt eigenen Regeln und gehört in eine Auskunft der zuständigen Stelle, nicht in einen Ratgeber.
Und sie sagt nichts über die Betriebspflichten, die mit der Ausstattung kommen. Sobald eine Kochgelegenheit mit Flüssiggas an Bord ist, greift § 60 StVZO mit einer eigenen Prüfpflicht: Gas im Fahrzeug: was § 60 StVZO verlangt.
Den Überblick darüber, wie sich das Wohnmobil gegen die fünf anderen Formen stellt, gibt Mit dem Fahrzeug draußen schlafen; die Kostenseite lässt sich im Werkzeug Kosten je Nacht durchrechnen.
FAQ
Wird ein Fahrzeug automatisch zum Wohnmobil, wenn ich es ausbaue?
Nein. Die Fahrzeugklasse ergibt sich aus der Genehmigung, nicht aus dem tatsächlichen Zustand. Ob ein Umbau zu einer geänderten Einstufung führt, klärt die Zulassungsbehörde beziehungsweise eine Begutachtung — nicht der Ausbau selbst.
Muss die Kochgelegenheit mit Gas betrieben werden?
Die Verordnung nennt nur „Kochgelegenheit“ und schreibt keine Energiequelle vor. Eine fest verbaute elektrische Kochstelle erfüllt den Wortlaut ebenso — und löst dann keine Gasprüfpflicht aus.
Warum darf ausgerechnet der Tisch entfernbar sein?
Das steht so im Verordnungstext und wird dort nicht begründet. Praktisch ist es die Ausnahme, die einen nutzbaren Wohnbereich überhaupt erst möglich macht.