Die Streckenlänge einer Wanderung ist einfach: So viele Kilometer sind es. Die Höhenmeter sind es nicht — dieselbe Tour trägt je nach Quelle unterschiedliche Zahlen, und viele davon sind zu hoch. Dieser Artikel erklärt, was die Angabe bedeutet und warum der Abstieg dazugehört.

Was „800 Höhenmeter“ bedeutet

Die Höhenmeterangabe einer Tour ist fast immer die Summe aller Aufstiege, nicht der Höhenunterschied zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt.

Eine Rundtour, die von 600 auf 1.000 Meter steigt, dann in eine Scharte auf 850 Meter abfällt und wieder auf 1.200 Meter ansteigt, hat einen Netto-Höhengewinn von 600 Metern — aber eine Aufstiegssumme von 400 + 350 = 750 Metern. Für die Zeitplanung zählt die Summe, weil jeder Gegenanstieg genauso Kraft kostet wie der erste.

Warum der Abstieg Zeit kostet

Bergabgehen fühlt sich leichter an als Bergaufgehen, ist aber nicht umsonst. Bei jedem Schritt bergab muss das Körpergewicht abgefangen werden — die Muskulatur arbeitet dabei bremsend, was besonders bei steilem Gelände und mit Gepäck ermüdet. Deshalb rechnet die DAV-Formel den Abstieg mit:

Höhenmeter in der DAV-Formel

Aufstieg
300 hm je Stunde der langsamste Teil jeder Bergtour
Abstieg
500 hm je Stunde schneller als der Aufstieg, aber keineswegs umsonst
1.000 hm Abstieg
2 h reine Abstiegszeit nach der Formel

Fundstelle: Wegehandbuch der Alpenvereine, § 1.6.2.5, auf Grundlage der DIN 33466

Die ältere Naismith-Regel lässt den Abstieg in der Urfassung weg — das ist einer der Hauptgründe, warum sie für dieselbe Tour eine kürzere Zeit ausgibt als die DAV-Formel. Der Vergleich der beiden steht in Gehzeit berechnen: DAV-Formel und Naismith im Vergleich.

Warum nicht einfach addiert wird

Wer die Zeit für die Strecke und die Zeit für die Höhenmeter einzeln ausrechnet und beide zusammenzählt, überschätzt die Gehzeit. Denn wer bergauf geht, legt dabei zwangsläufig auch horizontale Meter zurück — die beiden „Aufgaben“ laufen teilweise parallel.

Die DAV-Formel bildet das ab, indem sie den kleineren der beiden Teilwerte halbiert und zum größeren addiert. Bei einer steilen Tour dominiert die Höhenmeterzeit, die Streckenzeit zählt nur zur Hälfte; bei einer flachen Tour ist es umgekehrt.

Wie sich die Zusammensetzung auswirkt — reine Gehzeit nach der DAV-Formel
TourStreckenzeitHöhenmeterzeiteinfache SummeDAV-Formel
Flach: 18 km, 150 hm auf, 150 hm ab4,50 h0,80 h5 h 20 min4 h 55 min
Steil: 8 km, 1.100 hm auf, 200 hm ab2,00 h4,07 h6 h 5 min5 h 5 min

Warum das GPS-Gerät zu viel anzeigt

Nach der Tour zeigt die Uhr oder das GPS-Gerät oft mehr Höhenmeter an, als die Karte hergibt — 10 bis 30 Prozent sind keine Seltenheit. Zwei Ursachen:

  • Barometrischer Höhenmesser: Er misst den Luftdruck und rechnet ihn in Höhe um. Ein Wetterwechsel während der Tour verschiebt den Nullpunkt, und jedes bisschen Messrauschen wird als Auf und Ab gezählt.
  • GPS-Höhe: Die satellitengestützte Höhe schwankt stärker als die Position. Geräte, die viele kleine Höhenänderungen aufaddieren, sammeln so „Geister-Höhenmeter“.

Höhenmeter, Gewicht und Kondition

Je mehr Höhenmeter, desto stärker wirkt sich das Rucksackgewicht aus: In der Ebene trägt man Gewicht, bergauf hebt man es. Wie schwer ein Rucksack sein darf und warum es dafür keine belastbare Prozentregel gibt, steht in Wie schwer darf der Rucksack sein?. Wie man Höhenmeter, Strecke und Gepäck in eine Zeit umrechnet, macht der Tourenzeit-Rechner. Die Einordnung des Themas steht im Themenbereich Wandern; wie die Höhenmeter in die Schwierigkeitsbewertung eines Weges eingehen, steht in Wanderwege einordnen.